Aktuelle Gottesdienste und Predigten in der Corona-Zeit: 2021


 

Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Ostersonntag, 04. April 2021
Pfarrerin Irene Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit
und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle."  Offb 1,18

 

Liebe Gemeinde,

die Botschaft von Ostern haut einen erst einmal um! Das älteste Evangelium nach Markus erzählt von Furcht und Erschrecken, das die Frauen am Grab gepackt hat. Verwirrt, ratlos und verwundert, so reagieren auch die Apostel auf die Nachricht, dass Jesus lebt. Obwohl er seine Jünger und Jüngerinnen vorbereitet hatte, die Auferstehung Jesu können sie erst einmal nicht fassen.
Die Auferstehung bedeutet ja nicht, dass er ins bisherige Leben zurückgekehrt ist. Vielmehr ist es der Durchbruch des endgültigen und unzerstörbaren Lebens. Seine Auferweckung ist eine radikale Verwandlung.
Doch: Wie sollen sie darüber reden? Wie ist das überhaupt zu verstehen?
Christen aller Zeiten haben immer wieder versucht, durch Bilder und Vergleiche wenigstens Annäherungen an dieses letztlich unbegreifliche Geschehen zu finden. Dazu möchte ich Ihnen von einer besonderen Begebenheit erzählen:
 
Als in der Regensburger Schottenkirche größere Renovierungsarbeiten anstehen, kümmert sich ein Restaurator sorgfältig um eine jahrhundertealte Darstellung des Gekreuzigten, als es passiert … Pling! Ein kleines Stück Metall löst sich vom Kopf der Christus-Figur und fällt klirrend auf den Boden der Werkstatt. Doch was da aus dem Kopf des Gekreuzigten fällt, ist kein Altmetall, sondern eine über 700 Jahre alte Darstellung der Kreuzigung in Form eines Schmetterlings. Eine Sensation!
Im Hinterkopf der Figur des Gekreuzigten war ein Hohlraum. Darin hatte der Künstler eine Metallkapsel versteckt, in der ein bunter Schmetterling zum Vorschein kam. Eine feuervergoldete Emailarbeit aus Silber. Die Fühlerspitzen sind aus echten Perlen. Der Künstler hat auf den Flügeln des Schmetterlings den Gekreuzigten mit Maria und Johannes dargestellt.
Was für eine geniale Idee: Der Gekreuzigte auf den Flügeln des Schmetterlings, umgeben von den leuchtenden Farben Blau und Grün, also des Glaubens und der Hoffnung.
Auch geistlich war das eine besondere Entdeckung.
Schon im Altertum war der Schmetterling ein Symbol für die österliche Verwandlung, die sich im Frühjahr und Sommer in der Natur unzählige Male ereignet: Die Verwandlung von einer Raupe in einen Schmetterling. Erst kriecht sie unansehnlich am Boden, die kleine Raupe, sie verpuppt sich und ruht viele Tage in ihrem Kokon. Dann verwandelt sie sich in ein wunderbares Wesen und verlässt das Grab ihres Kokons. Als farbenprächtiger Schmetterling kommt er ans Licht und schwebt von Blüte zu Blüte. kommt. Es ist ein Bild dafür, wie wir Christen auf neues, wunderbares Leben nach der Grabesruhe hoffen. Ein Bild für christliche Auferstehungshoffnung.
So stellt man sich Verwandlung vom Tod zum Leben vor. Aus der Totenstarre wird Bewegung, aus dem grauen Kokon fliegen bunte Farben davon. Was für eine geniale Idee: Dieses Symbol der Schmetterlingsverwandlung steckt der Künstler dem Gekreuzigten in den Hinterkopf. Der Künstler, die Mönche des 14. Jahrhunderts und wir wissen:
Der da gepeinigt am Kreuz hängt, hat die Auferstehung im Hinterkopf. In allen Leiden, Schmerzen und aller Ausweglosigkeit hatte der Gekreuzigte die Auferstehung „schon im Hinterkopf“. Das ist sein großes Geheimnis.
„Ich lebe und ihr sollt auch leben!“(Joh 14,19), verspricht Jesus seinen Jüngern. Auch uns, liebe Gemeinde hat Gott, dieses Bild der österlichen Verwandlung, diesen Schatz der Hoffnung in den Hinterkopf gelegt. Ostern gibt unserem Leben, so schwer, unsicher und gefährdet es auch sein mag, eine hoffnungsvolle Perspektive.
Und auf die Perspektive kommt es letztlich an. Es ist entscheidend, mit welcher Perspektive wir auf die Welt schauen, mit welcher Einstellung wir dem Leben begegnen. Es ist ein Unterschied, ob ich jede Herausforderung als Bedrohung für mich sehe - oder als Chance, daran zu wachsen.
Es ist ein Unterschied, ob meine Grundeinstellung ist: "Ich habe sowieso immer Pech" - "Ich bin einfach ein Looser" - oder "Mit Gottes Hilfe schaff ich das schon". Wir sehen und spüren alle nun schon lange die Gefahren, die dieses Virus mit sich bringt. Es ist jedoch ein Unterschied, ob wir uns davon lähmen lassen oder ob wir immer wieder neu unsere Entscheidungen verantwortungsvoll abwägen und schließlich im Vertrauen auf Gott mutig vorangehen.
Der Künstler dieses Kruzifixes sagt allen, die sein Kreuz anschauen: Leute, lasst euch nicht entmutigen, habt die Auferstehung im Hinterkopf!
Wenn du nicht mehr weiter weißt, hab im Hinterkopf: Es gibt einen, der kann mir einen neuen Pfad legen. Wenn dir die Kräfte ausgehen, hab im Hinterkopf: Es gibt einen, der zieht mich durch.
Wenn du dich verlassen fühlst und meinst alle Türen sind verschlossen, hab im Hinterkopf: Es gibt einen, der mir unverhofft neue Türen öffnen kann.
Wenn du nichts mehr hören und sehen möchtest, wenn du am liebsten liegen bleiben und nicht mehr aufstehen möchtest, hab im Hinterkopf: Es gibt einen, der kann mich tragen und mir die Augen öffnen für die Schönheiten in der Natur.

Wir hier in Sommerhausen haben es da besonders leicht: Es grünt und blüht hier an so vielen Orten: Die Narzissen an der Bushaltestelle, blühende Blumenkästen an den Fenstern, der wunderbar geschmückte Osterbrunnen. Es ist wirklich eine Freude, das alles zu sehen!

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir mit dieser Perspektive unser Leben anpacken: Wie der Gekreuzigte mit der Auferstehung, mit dem Schatz der Hoffnung im Hinterkopf.
Unsere Osterkerze, die von Ludwina Konrad gestaltet wurde, ist heuer mit Schmetterlingen verziert. Bunt und leicht schweben sie um das Kreuz in der Mitte. Jeder einzelne Schmetterling ist verbunden mit einem Lichtstrahl der Auferstehungssonne. Getragen vom Licht der Auferstehung sind sie Zeichen für Freisein und Lebendigkeit.
Ob hier in der Kirche oder draußen in der Natur, Schmetterlinge wollen uns das ganze Jahr über an den Schatz der Hoffnung erinnern, den Gott uns mit Ostern geschenkt hat.

Denn: Jesus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Amen
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Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Karfreitag, 02. April 2021

 
Jesu am Kreuz
Wochenspruch: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Joh 3,16
Predigttext: Jesaja 52,13-15; 53,1-12

 

Liebe Gemeinde,

in der englischsprachigen Welt heißt der heutige Tag „Good Friday“ – guter Freitag. Aber was soll an diesem Tag gut sein, liebe Gemeinde? Auf den ersten Blick sieht es doch alles andere als gut aus!
Für die Jünger, die Freunde Jesu jedenfalls war es der dunkelste, der düsterste Tag ihres Lebens. Da starb Jesus qualvoll am Kreuz und mit ihm all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte. Sie hatten ihm vertraut, hatten ihm zugetraut, dass er die Welt verändern würde. Sie hatten ja miterlebt, wie er Kranke gesund gemacht hatte, Hungernde gespeist, wie er Niedergeschlagene aufgerichtet und Verachtete angenommen hatte.
Und nun starb er selbst diesen schmachvollen, grausamen Tod am Kreuz. Wie ein gewöhnlicher Verbrecher hingerichtet, ausgelacht und verhöhnt.
Wo war Gott? Warum? Hatte Gott ihn verlassen? Hatten sie sich in Jesus getäuscht?
Aber dann stießen die ersten Christen auf ein Wort aus dem Jesajabuch, eines der sogenannten Gottesknechtslieder, das den Jüngern die Augen geöffnet hat und das ihnen erklären konnte, warum dieser Freitag doch ein guter im Sinne von heilbringender Freitag ist.

Da heißt es in Jesaja 53:

Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.
Wie sich viele über ihn entsetzten - so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder -, so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.
Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?
Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.
Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.
Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.
Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war.
Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.
Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.
Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben.
Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.
Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.



Liebe Gemeinde,

zugegeben, das ist ein langer und auch ein schwieriger Text, eigentlich ein Lied, bei dem man am Ende nicht mehr recht weiß, was am Anfang eigentlich gesagt wurde. Und doch sind da ein paar Brocken hängen geblieben, ein paar Sätze, einige Formulierungen, die uns vertraut sind, die wir kennen und die wir im Ohr haben:

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Und: Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Aber auch die Rede vom Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.

 
Aber was soll an alledem „gut“ sein?
Nun, liebe Gemeinde, vom großen Kirchenvater Augustin gibt es die schöne Geschichte, dass er eines Tages am Strand saß und ganz in Gedanken versunken aufs weite Meer hinaus geschaut hat. Da kam ein kleiner Junge vorbei und fragte den berühmten Kirchenlehrer, was er denn mache. „Ich denke über Gott nach, weil ich ihn verstehen möchte!“ antwortete Augustin und schaute weiter hinaus aufs weite Meer.
Nach einer Weile sah er, dass der Junge ein Loch in den Sand gegraben hatte um mit einem Eimerchen pausenlos Wasser aus dem Meer schöpfte und in das Loch goss. Da fragte der große Augustin den kleinen Jungen: „Sag, was machst Du denn da?“ „Ich schöpfe das Meer aus!“ antwortete der Kleine. „Aber das ist doch Unsinn!“ sagte der große Gelehrte. „Das große Meer geht doch nicht in dein kleines Loch!“ Und der Junge sagte: „Aber der große Gott soll in dein kleines Gehirn gehen?“
Wie recht er doch hatte! Wir werden Gott niemals ganz begreifen, weil Gott eben Gott und wir nur Menschen sind. Und wir werden auch das Geschehen am Kreuz nie ganz begreifen, wir können es nur erahnen – aber das, das immerhin, das lasst uns versuchen, um dem „Good Friday“, dem „Guten Freitag“ auf die Spur zu kommen!
„Niemand kann das Geheimnis des Sterbens Jesu erfassen, der nichts von eigenes Schuld weiß!“ Das hat Friedrich von Bodelschwingh einmal gesagt. Und das ist der Schlüssel zum Karfreitag! Wenn wir uns blind und taub stellen für die Finsternis in unserem Leben, für das was falsch gelaufen ist, für die Schuld, die wir auf uns geladen haben, wenn wir davon nichts hören wollen, dann werden wir mit dem Tod Jesu nie etwas anfangen können.
Dieser Karfreitag ist sperrig. Er passt nicht in unsere Frühlingslandschaft. Noch vor 30 Jahren galt der Karfreitag als höchster evangelischer Feiertag, heute ist Oster beliebter.
Der Karfreitag stellt uns drastisch vor Augen, dass diese Welt nicht so ist, wie Gott sie gewollt hat. Er stellt uns vor Augen was Menschen einander antun, wie sie sich verachten, wie Menschen wegsehen, wenn andere vor Schmerzen schreien, wie Menschen die Augen schließen können, wenn anderen bitteres Unrecht geschieht.
Und der Karfreitag stellt uns vor Augen, das wir da mit drin hängen.
Falsche Entscheidungen, die wir nicht mehr rückgängig machen können, verletzende Worte, die wir nicht mehr ungesagt machen können. Wie schnell suchen wir immer wieder die Schuld bei anderen und merken gar nicht, wie tief wir selbst darin verstrickt sind.
Wer mit dem Finger auf andere zeigt, auf den zeigen drei Finger zurück!
Oft können wir gar nicht vermeiden, in Schuld verstrickt zu sein.
Wer weiß, ob die Schuhe, die ich neu gekauft habe, nicht von Kinder in Bangladesch unter unwürdigsten Bedingungen zu einem Hungerlohn zusammengenäht wurden?
Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Das ist der Mittelpunkt. Das ist der Kern des Karfreitags.
Wer das Sterben Jesu am Kreuz nur aus der Distanz eines unbeteiligten Zuschauers betrachtet, dem wird es ziemlich langweilig dabei.
 Denn das ist weder schön noch ansprechend, sondern hart und grausam.
Aber wenn ich mir meiner eigenen Schuld bewusst werde, wenn ich leide an den Verletzungen, die ich anderen zugefügt habe, wenn ich nicht selbstgerecht auf andere zeige, sondern den Dreck vor der eigenen Haustür wahrnehme, dann spüre ich, dass es wirklich mir gilt, dieses: Durch seine Wunden bin ich geheilt!
Jesus kam und starb am Kreuz um heil zu machen, was zerbrochen ist.
Dort, wo Menschen nicht mehr vertrauen können, weil sie so oft schon belogen wurden.
Wo Menschen Unrecht erlitten und nun gefangen sind in Hass und Rachegelüsten.
Wo Menschen nach dem Tod eines lieben Menschen keine Freude mehr finden können am Leben.
Wo sich jemand in Selbstvorwürfe verstrickt und immer wieder die langsam heilenden Wunden aufreißt.
Durch seine Wunden bin ich geheilt!
Aber wie soll das gehen, dass ein anderer meine Wunden, meine Schuld, meine Schmerzen tragen kann?
Es ist wie mit dem Eimer und dem Meer: Wir werden es nicht begreifen und wir müssen es auch nicht begreifen.
Wir können es nur geschehen lassen und wagen und uns darauf einlassen.
Ihm, dem Mann am Kreuz mein zerbrochenes zerrissenes und verwundetes, mein mit Schuld beladenes Herz hinhalten und es ihm überlassen.
Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Durch seine Wunden bin ich geheilt.
Wenn das kein „Guter Freitag“ ist!
Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt!

AMEN
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