Aktuelle Gottesdienste im Jahr 2026


 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte Markt Sommerhausen

Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Sonntag, 10. Mai 2026 – Rogate
Pfarrer Jochen Maier

 
Wochenspruch: 
"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet." Ps 66,20
Predigttext: Matthäus 6,5-15 

 

Liebe Gemeinde,

„alles war wir sonst noch auf dem Herzen haben legen wir in die Worte, die Jesus selbst uns zu beten gelehrt hat“ – und was kommt dann? Genau: Das Vaterunser, das Hauptgebet von uns Christen. Das Gebet, das oftmals auch diejenigen noch können, die sonst wenig mit dem Glauben am Hut haben. Wenn wir Taufen feiern, dann wird’s beim Glaubensbekenntnis öfters still, aber das Vaterunser, das beten dann die meisten doch mit. Das ist vielfach noch bekannt. 
Mag es sonst oft nach der Devise gehen „viel hilft viel“! Beim Beten ist das anders. Und um das zu unterstreichen, formuliert Jesus ein kurzes knackiges Gebet, in dem alles Wesentliche vorhanden ist. Viel mehr Worte braucht es nicht.
Und eben dieses Gebet, das Vaterunser, ist uns heute als Predigtwort aufgegeben. Es steht in der Bergpredigt Jesu in Matthäus 6:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Das Vaterunser ist ein echter Schatz, ein Glaubensschatz. Selbst Sterbende bewegen oft noch die Lippen mit oder versuchen, die Hände zu falten, wenn dieses Gebet gesprochen wird, obwohl sie gar keine Kraft mehr haben, den Arm zu heben. Ich habe das öfters miterlebt und es hat mich jedesmal tief berührt.
Wie arm ist der, der nicht beten kann!
Das Vaterunser verbindet uns als Glaubens miteinander über Konfessionsgrenzen hinweg und es gibt Kraft bis zum letzten Atemzug. Wenn in einem Gottesdienst kein Vaterunser gebetet wird, dann fehlt mir etwas, etwas ganz Entscheidendes.
Das Vaterunser ist klar gegliedert in sieben Bitten. Die ersten drei richten sich direkt an Gott, die anderen vier betreffen uns Menschen, unsere Bedürfnisse und unser Zusammenleben. Und alle sieben Bitten stehen unter dem Leitwort: „Vater unser im Himmel“. Jesus betont das immer wieder, dass Gott für uns wie ein guter Vater ist. Er ist immer schon da, eben wie ein Vater, der vor mir da war und ohne den ich nicht da wäre und der zu mir geredet hat, bevor ich überhaupt bewusst wahrnehmen konnte, dass es so etwas wie einen Vater gibt.
Manche Menschen wehren sich gegen die Anrede „Vater“. Sie tun sich schwer damit. Sie haben vielleicht schlechte Erfahrungen mit ihrem eigenen Vater gemacht, das verstehe ich.
Aber wenn Jesus uns einlädt, zu seinem Vater auch Vater zu sagen, dann ist das nochmal etwas ganz anderes, als unsere Vater-Beziehungen, dann ist das auch etwas anderes als unser gängiges Männerbild. Gott ist Vater und Mutter zugleich und ist doch vor allem Gott, ein Gott der Liebe. Er ist auch nicht nur mein Vater, sondern unser Vater, verbindet uns untereinander und mit allen Christinnen und Christen weltweit. Und das ist auch etwas Besonderes, etwas Einzigartiges unseres christlichen Glaubens. Dass wir Gott Vater nennen dürfen, das gibt es z.B. im Islam nicht.
Die ersten drei Bitten beziehen sich nun auf Gott und unsere Beziehung zu ihm.
Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Er, Gott ist sozusagen der Chef in unserer Welt. Sein Name soll geheiligt werden, nicht der eines noch so mächtigen Herrschers oder anderen Gottes. Nicht Macht und Geld, nicht Likes oder Ruhm. Darum haben die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes die Verantwortung vor Gott in die Präambel mit aufgenommen.
Dass sein Reich komme und sein Wille geschehe – in dieser Hoffnung des Glaubens leben wir und dafür haben wir uns einzusetzen.
Die nächsten vier Bitten betreffen dann unsere menschlichen Bedürfnisse, unser Miteinander.
Unser tägliches Brot gib uns heute… nicht nur „mir“ sondern „uns“: Wir leben in einer Gemeinschaft und das, was ich brauche, das braucht mein Mitmensch ebenso. Die Not des anderen darf uns niemals gleichgültig sein.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…
Die Vergebung steht im Mittelpunkt des gesamten Wirkens Jesu. Wir alle machen Fehler. Wir werden aneinander schuldig, manchmal, ohne dass wir es merken. Wir alle laden Schuld auf uns, immer wieder. Und Jesus weiß, dass es keinen Sinn macht, darauf zu warten, dass der oder die andere den ersten Schritt macht oder gar um Entschuldigung bittet. Daher vergibt er uns damit wir anderen vergeben können.
Und dieses Vergeben, das hilft uns selbst am allermeisten. Die amerikanische Bürgerrechtlerin Maya Angelou, eine Freundin von Martin Luther King, hat einmal gesagt: „Vergebung ist das größte Geschenk, das du dir selbst machen kannst!“ Wohl wahr: Vergebung macht das Leben leichter. Vergebung befreit. 
Und führe uns nicht in Versuchung…
Viele tun sich schwer mit dieser Bitte: Kann es denn sein, dass Gott uns in Versuchung führt? Ist das nicht vielmehr der Teufel, der Widersacher, der uns lockt und versucht? Sollte man stattdessen nicht besser sagen: „Führe uns in der Versuchung?“ 
Nun ich denke, es macht Sinn, die altvertraute Formulierung beizubehalten so wie sie unzählige Generationen vor uns gebetet haben. Zudem steht diese Bitte in ganz engem Zusammenhang mit der letzten: „Sondern erlöse uns von dem Bösen“.
Es geht darum, dass wir gar nicht erst in Versuchung kommen. Es geht darum, dass das Böse keine Macht an uns finden möge. Diese letzte Bitte ist ja eigentlich die Grundbitte schlechthin. Wenn sie sich erfüllen würde, dann würden auch alle anderen menschlichen Probleme gelöst werden können.
Warum Gott das Böse zulässt, das bleibt Gottes Geheimnis. Wir können es nicht lüften. Aber wir können dort, wo es in unserer Macht liegt, das unsere dazu beitragen, dass das Böse nicht die Oberhand gewinnt und wir auf Kosten anderer leben. 
Das also sind die sieben Bitten des Vaterunsers. Schon Anfang des 2.Jahrhunderts wurde ein Lobpreis angehängt, den Jesus selbst so noch nicht hatte: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“
Damit soll noch einmal bestärkt werden, dass es Gott allein ist, der all das bewirken kann, worum wir bitten.
Das Vaterunser ist ein Geschenk, das wir immer beten können, weil sich in jeder Situation etwas darin findet, was uns tragen kann, in Freud und Leid, auf dem Friedhof ebenso wie bei einer Taufe oder einer Trauung, daheim im stillen Kämmerlein oder hier im Gottesdienst.
Letztlich aber ist es wohl gar nicht so entscheidend, mit welchen Worten wir vor Gott treten und beten. Schließlich weiß er, was wir brauchen, noch bevor wir ihn bitten. Und darum kommt es weniger auf die Worte an, als auf die Einstellung.
Schon Betenwollen ist ein Gebet.
Hauptsache, die Augen und vor allem das Herz sind auf Gott gerichtet. Und am Ende steht das getroste Vertrauen auf Gottes Größe und Macht.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

AMEN
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Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte Markt Sommerhausen

Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für den Sonntag Jubilate, 26. April 2026
Pfarrerin Irene Maier


Wochenspruch: 
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ 2. Kor 5,17

Predigttext: Johannes 15, 1-8
1Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Liebe Gemeinde,

Endlich Frühling: Was für herrliche Tage, in denen es grünt und blüht und die Sonne einen anlacht! Wer will da nicht unterwegs sein? Fahrradfahren, den Main entlang oder durch die Prärie? 
Oder lange Spaziergänge machen, durch die Weinberge etwa? Einfach `mal raus, die Natur genießen, auf andere Gedanken kommen. Ich genieße den Frühling jedes Jahr neu aus vollen Zügen, ich freu mich an dem, was im Garten wächst, an der Schönheit der Natur, auch in den einfachen Dingen. Da gibt es immer wieder Überraschungen: Heuer zum Beispiel blühen Schlüsselblumen im Pfarrgarten so üppig und gelb leuchtend wie noch nie!
Auch Jesus hatte wohl einen wachen Blick für die Welt um ihn herum und für die Schönheiten der Schöpfung. Immer wieder nutzt er Naturbeobachtungen, um daran zu zeigen, wie Leben gelingen kann, wenn es in Gott geborgen ist. Lilienfelder nimmt er zum Gleichnis dafür her, dass sich Leben nicht durch Angst und Sorgen auffressen und klein machen lässt.
Ähnlich ist es mit dem Bild vom Weinberg, das er immer wieder nutzt. Für uns hier in einer Winzergemeinde ist es ein besonders nahes und einleuchtendes Bild, das wir ja täglich vor Augen haben. Bei all den Strapazen und Problemen, die der Weinbau auch mit sich bringt und die Zukunft nicht gerade rosig erscheinen lässt, das Bild vom Weinstock und seinen Reben ist für mich zuallererst ein positives Bild, das Leichtigkeit und Lebensfreude weckt. Ich denke an laue Sommerabende bei einem Glas Wein, an Gespräche im Kreis von Freunden und Familie, leicht und unbeschwert. Es sind Momente, da stellt es sich ganz unmittelbar ein: Wie schön ist es zu leben und Gottes Kind zu sein.
Auch in der Bibel, schon im Alten Testament steht der Weinberg für Heil und Geborgenheit in Gott, für gelingendes Leben, das nicht auf sich selbst gestellt ist, sondern von den Kraftquellen weiß. So kommt der Weinberg in den Bildern und Gleichnissen Jesu vom Reich Gottes immer wieder vor. Es ist ein Bild für ein organisches Ganzes, ein Ökosystem, in dem alles im Ausgleich und im Wechselspiel zueinander passt. Da ist kein Teil auf sich allein gestellt, eine Rebe ohne einen gesunden Weinstock ist undenkbar. Insofern stimmt, was Jesus sagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun! Auch wenn ich gehe, sagt Jesus, wenn ihr mich nicht mehr seht, bleibe ich bei euch, bleibe eure Quelle, die nicht versiegt. Wer in mir bleibt, der bekommt jetzt schon etwas zu spüren von dem Heil, von der Fülle, die bei Gott ist.
„Ohne mich könnt ihr nichts tun“ – wie hört sich das für Sie an? Eigentlich lass ich mir das nicht so gern sagen. Schließlich sind mir meine Freiheit und Selbstbestimmung wichtig. Das lass ich mir nicht so gern nehmen. 
Ich erinnere mich noch gut an die Coronazeit. Wie schnell hat sich doch damals ein Gefühl von Ohnmacht und Machtlosigkeit breitgemacht. Wie rasant hat sich innerhalb weniger Tage unser Leben einschneidend verändert. Auf einmal war nichts mehr wie vorher. Und ich habe den Eindruck: Seitdem hat viele Menschen ein gewisses Gefühl von Ausgeliefertsein und Ohnmacht nicht mehr losgelassen. 
Denn die Krisen gingen und gehen ja weiter: Klimakrise, Kriege und wirtschaftliche Einbrüche… Und wir müssen leider erkennen, dass es keine schnellen und einfachen Lösungen gibt. Es gibt auch keine vorschnellen Sicherheiten und Gewissheiten.
Auch wenn wir uns noch so sehr bemühen, wir haben nie das Ganze im Blick. Deshalb werden wir bei unseren Entscheidungen immer auch Fehler machen und Schuld auf uns laden. Denn wir alle fahren auf Sicht. 
„Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ – so sagt Jesus. Mich tröstet dieses Wort. Heißt es ja: Ich lebe nicht aus mir selber, aus eigener Kraft. Ich stehe nicht allein. Ich bin eingebettet in ein großes Ganzes. Und da ist einer, der mir Orientierung und Mut geben kann. In einem wunderbaren, der Natur entnommenen Bild, drückt Jesus das aus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Jesus sagt das als Trost, als er sich von seinen Jüngern verabschiedet. Es sind letzte Worte, auf die es ankommt, die sich einprägen. Es sind 
Trostworte, die er in einer trostlosen Situation gesprochen hat. Er geht den Weg in den Tod und tröstet dabei. Seht, sagt er seinen Jüngern, auch jetzt wo ich gehe, bleibe ich bei euch. Uns kann selbst der Tod nicht scheiden. 
Denn ihr werdet aus mir leben können, aus meinem Schmerz, meiner Hoffnung, meiner Liebe. So könnt ihr Frucht bringen, so kann euer Leben, trotz aller Brüche und Schläge, gelingen, gesegnet und erfüllt sein. 
Er zeigt damit noch einmal die Kraftquellen auf, die sie auf ihrem Weg erfahren können. Das sollen sie bewahren, sich daran erinnern und weitertragen.
Auch als Glaubende stehen wir nicht allein da, sondern sind eingebunden in einem größeren Zusammenhang. Wir sind verbunden mit all denen, die vor uns geglaubt haben und nach uns glauben werden. Denn Jesus bleibt bei uns, bleibt unsere Quelle, die nicht versiegt.
Dazu gehört für mich auch, dass er selbst aus den Quellen des Glaubens gelebt hat. Obwohl sein Weg auf Erden schwer war, hat er auch Freude gehabt an diesem Leben. Nicht ohne Grund hat er auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt und dafür gesorgt, dass das Fest fröhlich weitergefeiert werden konnte.
Jesus hat gepredigt, geheilt, diskutiert. Aber er hat auch in und mit der Schönheit der Schöpfung gelebt. Schließlich weist sie hin auf den Geber aller Gaben, auf den, ohne den wir nichts tun können.
Ich bin überzeugt, so können wir auch in unserer Zeit Spuren Gottes erkennen und entdecken, immer dann, wenn ich staune über die bunte Vielfalt in der Natur, wenn ich mich freue am Vogelgezwitscher am Morgen. Meine Schüler frag‘ ich manchmal, woher der Löwenzahn weiß, dass er seine Blüten in der Nacht schließen und am Tag wieder öffnen muss. Meistens schauen sie mich dann mit großen Augen an. 
Von Gottes sprudelnder Quelle merk ich überall dort etwas, wo Schöpfung bewahrt, Leben wertgeschätzt und geachtet wird. Manchmal sind es ganz schwache Spuren und kleine Schritte. Doch sie zeigen mir: Wir sind verbunden mit der Quelle, die nie versiegt. Manchmal meinen wir auch gar nichts zu spüren von dieser Verbindung. Gerade dann heißt es dranbleiben und darum beten.
Deshalb wird jetzt nicht jeder allein vor sich hin trällern, sondern wir werden gemeinsam bekennen und singen:
„Bei dir Jesu will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehen; nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehen. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft!“
So geh ich gern in den Frühling. Wie schön ist es doch, Gottes Kind zu sein.

Amen
 
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Osterkerze
Bildrechte Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt

Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Ostersonntag, 05. April 2026
Pfarrer Jochen Maier


Wochenspruch: 
"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle."  Offb 1,18
Predigttext: Lukas 24,36-45 

 

Liebe Gemeinde,
es gibt Situationen, da würde ich gerne Mäuschen spielen oder wäre gerne Mäuschen gewesen.
Mäuschen wäre ich zum Beispiel gerne, wenn die Mächtigen dieser Erde hinter verschlossenen Türen beim G7-Treffen beraten, wie sie miteinander umgehen, wie sie die Krisen dieser Welt in den Griff bekommen wollen. 
Oder beim Konklave der kath. Kirche letztes Jahr, als die Kardinäle den neuen Papst gewählt haben. Zwar bin ich gut evangelisch, aber das hätte mich schon interessiert, was und wie da beraten wurde.
Nach dem Konfiunterricht wäre ich auch manchmal gerne Mäuschen und würde hören, was die Konfis so erzählen, wie es ihnen gefallen hat, was sie mitgenommen haben, mit welchen Eindrücken sie wieder nach Hause gehen.
Aber ganze besonders gerne hätte ich aber damals in Jerusalem Mäuschen gespielt. Damals, am Ostertag, als der auferstandenen Jesus mitten unter seinen Jüngern erschienen ist.
Wir können nun leider keine Zeitreise unternehmen und uns hineinbeamen in den Kreis der Jünger damals, aber wir können heute hören, wie der Evangelist Lukas von diesem Ereignis berichtet. 

Da heißt es in Lukas 24:
Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 
Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.
Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.
 
Ja, liebe Gemeinde, damals hätte ich wirklich gerne Mäuschen gespielt und Jesus, den Auferstandenen selbst gesehen und gehört, wie er vor seinen Freunden erscheint und sagt: „Friede sei mit Euch!“
Wobei: Die Jünger damals waren ja nicht nur kleine Mäuschen, sondern haben das richtig leibhaftig miterlebt, waren mittendrin, aber richtig überzeugt waren sie trotzdem nicht. „Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.“ So heißt es da.
Schon zuvor wird berichtet, dass Frauen das leere Grab entdeckt hatten und zwei fremde Männer ihnen berichteten, dass Jesus auferstanden sei. Das erzählen sie den Jüngern. Aber die glauben ihnen nicht, halten das für Hirngespinste hysterischer Frauen. 
Dann kommen auch noch die beiden Emmausjünger zurück, die auf ihrem Weg von Jerusalem ins Dorf Emmaus dem Auferstandenen selbst begegnet sind – das hören wir im Evangelium für den Ostermontag. Aber auch ihr Augenzeugenbericht kann die Jünger nicht wirklich überzeugen.
„Sie redeten davon“ – so beginnt unser Predigtwort. Der Bericht der Augenzeugen beschäftigt die Jünger also, sie diskutieren, wägen ab, aber so richtig überzeugt sind sie nicht. Und selbst als dann Jesus selbst unter ihnen erscheint, wird die Sache nicht besser. Als Jesus ihnen seine Hände und Füße zeigt mit den Wundmalen als Beweis dafür, dass er es wirklich ist, „da konnten sie es nicht glauben vor Freude“, so heißt es da. Sie glauben es einfach nicht. Es ist zu schön, um wahr zu sein. Sie trauen ihren eigenen Augen nicht.
Das heißt doch: Selbst wenn wir alle damals Mäuschen gewesen wären und das mit eigenen Augen miterlebt hätten, das hätte uns nicht unbedingt überzeugt. Augenzeuge zu sein schafft noch keine Gewissheit. Weckt noch keinen Glauben.
Was aber ist es dann, was uns hilft, zu glauben? Zu vertrauen?
Zwei Dinge sind da offenbar ganz wichtig: Zum einen das gemeinsame Essen. Schon bei den Emmausjüngern war das der entscheidende Wendepunkt. Sie erkannten Jesus, als er das Brot brach. Hier in unserer Geschichte ist es nun ausgerechnet ein Fischessen, das die Jünger überzeugt. Das ist für mich, der ich keinen Fisch mag, nun etwas schwierig, das muss ich zugeben. Aber der Fisch steht hier ja fürs gemeinsame Essen allgemein. Und das verbindet Menschen.  Nicht umsonst essen, speisen wir, wenn wir etwas feiern. Eine Hochzeit, ein runder Geburtstag ohne Festmahl ist undenkbar. Auch bei Staatsbesuchen gehört das Festbankett dazu. 
Essen verbindet.
Zudem sind die Buchstaben für das griechische Wort für Fisch, nämlich „Ichtys“ zugleich ein Glaubensbekenntnis: „Jesus Christus Gottes Sohn, Retter.“ Für uns bedeutet das: Im Abendmahl ist Jesus gegenwärtig. Das ist ein Geschenk. Da sind wir mit Jesus verbunden. Wir müssen und wir können das letztlich nicht begreifen, aber wir können das erleben, können es erfahren, dürfen uns einladen lassen. Wenn wir das Heilige Abendmahl feiern, dann sind wir untereinander und mit Jesus verbunden. Besonders stark gespürt habe ich das bei manchen Abendmahlsfeiern mit Menschen, die den Tod vor Augen hatten. Da gibt es oft nicht mehr viel zu sagen. Aber im Mahl ist eine ganz tiefe Verbindung und ich spüre: Die trägt und gibt Kraft und Hoffnung. Zeichen des Lebens über den Tod hinaus.
Das Zweite, was Jesus uns hier nahelegt, das ist die Heilige Schrift. Er legt ihnen die Schrift aus, wie er es schon bei den Emmausjüngern getan hatte. Er zeigt ihnen, dass in den alten Schriften, bei den Propheten, in den Mosebüchern, in den Psalmen der Leidensweg vorhergesagt wurde. „Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.“ So endet unser Predigtwort. 
Das bedeutet doch, dass uns Jesus heute in den Worten der Bibel nahe kommt, aber auch in Liedern, in Versen. Psalmworte, Lieder, Geschichten, die uns berühren. Wo wir spüren: Ja, das geht mich an, das betrifft mich und mein Leben. Ein gutes Wort zur rechten Zeit kann unglaublich viel bedeuten. Das kann ein ganz großer Trost sein. 
Jesus schenkt den Jüngern Gemeinschaft am Tisch, im Abendmahl und er schenkt ihnen Gemeinschaft im Hören auf die Heilige Schrift. 
Und das überzeugt sie.  
Sie spüren: Ja, Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Der Tod hat nicht das letzte Wort.  Die Jünger sind bei alledem nicht nur Mäuschen, nicht nur Randfiguren, die sich in ihrem Mauseloch verstecken, sondern sie sind mitten drin.
Und wir auch! Wir können ihn nicht sehen, können seine Wundmale nicht berühren, aber im Heiligen Abendmahl, im Hören auf sein Wort, im Singen und Beten sind auch wir mitten drin, wenn wir uns mitnehmen lassen, wenn wir unsere Herzen öffnen für das, was er uns zu sagen hat. Und darum dürfen wir immer neu bitten und beten.
Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann, der sich selbst nicht für gläubig hält, der hat einmal gesagt: „Ostern ist die härteste Währung auf dem Markt der Hoffnungen.“ So ist es: Ostern steht dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Es gibt so unendlich viel Leid auf dieser Welt, so viel Gewalt, so viel Unrecht, so viel Schmerz. Aber Ostern, die Auferstehung Jesu, steht für die Hoffnung auf den Sieg des Lebens. Steht dafür, dass dem Tod seine letzte Macht genommen ist.
Schon der Prophet Jesaja hat es so verkündet: „Gott, der Herr, wird den Tod verschlingen auf ewig und wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.“ Darauf dürfen wir vertrauen.
Das ist Ostern.
 
AMEN
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Ausschnitt aus der "Feier der Osternacht" 

Ostersonntag, 05. April 2026, 5:30 Uhr

St. Bartholommäus, Sommerhausen

(Audio-Datei)

 

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Gottesdienst 

der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Karfreitag, 03. April 2026
Pfarrer Jochen Maier
 

 

Jesu am Kreuz
Bildrechte Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Joh 3,16

 

Predigttext: 1.Korinther 15,19-21:
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

 

Liebe Gemeinde,
es war kalt an diesem grauen Montag in Warschau und die westdeutsche Delegation, die in die polnische Hauptstadt gereist war, bekam diese Kälte auch anderweitig zu spüren. Es herrschte Eiszeit im Verhältnis beider Staaten, zwischen Deutschland und Polen. Das Klima war damals geprägt vom Kalten Krieg: hier die Nato, dort der Warschauer Pakt.
Der Bundeskanzler hatte einen Vertrag in der Tasche, der eine neue Ostpolitik anregen sollte, aber die polnische Seite war abwartend. Das Misstrauen war groß. Der 2.Weltkrieg hatte tiefe Gräben aufgerissen, die kaum überbrückbar schienen.
Nach etlichen offiziellen Gesprächen sah das Protokoll an jenem Montag einen Besuch am Grabmal des unbekannten Soldaten vor und der Bundeskanzler hatte ausdrücklich auch eine Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos gewünscht. Einige Reporter waren schon wieder abgereist, es war nichts Spektakuläres mehr zu erwarten – das ganz normale protokollarische Programm eben, wie es bei Staatsbesuchen üblich ist.
Der obligatorische Kranz wurde vor dem Ehrenmal abgelegt. Der Kanzler strich die Schleife glatt und bleibt einen Moment stehen.
Und dann geschieht plötzlich das Unglaubliche.
Die Reporter sind irritiert, die Sicherheitsleute verunsichert.
Ist der Kanzler gestürzt? Womöglich ein Attentat?
Und dann sehen sie ihn knien.
Der Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Ehrenmal des Warschauer Ghettos.
Die Menschen um ihn scheinen den Atem anzuhalten.
Es ist eine Geste ohne Pathos, aber mit viel Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
Eine Geste, die keine Worte braucht.
Dann steht der Kanzler wieder auf, geht zu seiner Delegation und der Staatsbesuch fährt in seinem diplomatischen Protokoll fort.
Dieser Kniefall von Warschau, diese tiefe Verbeugung vor den Toten des jüdischen Ghettos, hat damals in Deutschland die Menschen gespalten. Die Mehrheit, 48 % , so sagt die KI, hielt ihn für übertrieben, 41 % für angemessen. 
Später, im Rückblick, wurde der Kniefall anders verurteilt. Willy Brandt hat damals wohl in der Tat eine Brücke gebaut zwischen beiden Ländern, beiden Völkern, auch wenn das Verhältnis auch heute noch nicht spannungsfrei ist. Aber an diesem kalten grauen Montagmorgen, dem 7. Dezember 1970 begann das Tauwetter. Das Bild vom Kniefall Brandts ist in die Geschichtsbücher eingegangen.
Brandt selbst hat über diesem Kniefall meines Wissens nie viel gesagt. Aber er hatte wohl die furchtbaren Bilder der ausgemergelten Menschen vor Augen, die von den SS-Schergen gequält und umgebracht wurden. Die Bilder, der zum Skelett abgemagerten Männer, Frauen und Kinder. Wer Solche Bilder gesehen hat, wird sie nicht mehr so schnell vergessen. 
Brandts Geste, der Kniefall, war ein Ausdruck des Mitgefühls und des Respekts. Er spürte wohl die Last der Geschichte auf seinen Schultern.
Brandts Geste war nicht religiös. Aber sie war ein Zeichen, eine Bitte um Versöhnung. Und Versöhnung, das ist der tiefste Sinn, die tiefste Botschaft des Karfreitags.
„Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ So heißt es in unserem Predigtwort.
Gott will es so. Er will es, obwohl der Preis hoch ist.
Aber genau das ist ja auch der Punkt, an dem viele einhaken und sagen: „Was ist das für ein Gott, der solch ein Opfer nötig hat? Was ist das für ein Gott, der das Opfer seines eigenen Sohnes braucht?“
War das denn wirklich nötig, dass Jesus diesen schrecklichen Weg, diesen bitteren Leidensweg gegangen ist?
Musste dieses Opfer wirklich sein? Hätte es da nicht andere Wege, unblutigere Wege gegeben? Wenn Gott die Welt durch sein Wort erschaffen konnte, hätte das hier nicht auch gereicht?
Liebe Gemeinde, ich glaube, dass Paulus uns da heute einen ganz wichtigen Hinweis gibt. Er ruft uns zu, ja er fleht uns regelrecht an: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Darum geht es doch: Nicht Gott hatte dieses bittere Opfer am Kreuz nötig, sondern wir haben es nötig. „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“
Nicht Gott musste mit uns versöhnt werden, sondern wir mit ihm. Wir glauben doch immer wieder, ohne ihn zurecht zu kommen. Wir glauben, unser Leben selbst in der Hand zu haben. Und genau das ist es ja, was die Bibel „Sünde“ nennt. Sünde, das ist eben nicht eine Auflistung von kleineren oder größeren Verfehlungen, sondern „Sünde“, das ist der Versucht, Gott aus meinem Leben herauszuhalten. Das ist der Versuch, unser eigener Gott zu sein. Man muss nicht mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten, um ein Sünder zu sein. Gott zu missachten, das fängt im Kleinen an – ganz unauffällig und beinahe unmerklich. Und so nach und nach dränge ich ihn aus meinem Leben hinaus. 
Und es klappt ja auch ganz gut ohne ihn.
Meistens zumindest.
In der Regel komme ich ja recht gut zurecht!
Aber irgendwann, irgendwann geht es eben nicht mehr – und sei es erst am Ende, wenn die letzte Seite des Lebensbuches zugeklappt wird. Irgendwann komme ich allein nicht mehr zurecht.
„Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Das heißt nichts anderes, als sich immer neu auf das Vertrauen in Gott einzulassen.
Darum wirbt Paulus, ja er beschwört seine Gemeinde geradezu.
Christsein bedeutet, immer wieder neu Christ zu werden. Immer wieder neu, Vertrauen zu wagen. Der Glaube ist ja kein Besitz, nichts, was ich irgendwann besitze, sondern er wandelt sich, solange ich lebe. Und ich habe immer wieder Versöhnung nötig.
Und diese Versöhnung braucht eine Vorleistung, eine Vorleistung Gottes. Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte erzählen.
Da steht in einem noblen Vorort irgendeiner Großstadt eine vornehme Villa. Wie jedes Jahr sind die Besitzer im Sommer für zwei Wochen in Urlaub gefahren.
Nun ist da eines Nachts in diesen zwei Wochen ein Einbrecher am Werk.
Die dunkle Gestalt scheint sich bestens auszukennen im verwaisten Haus. Mit einem Handgriff ist die Alarmanlage ausgeschaltet.
Kein Wunder: Der Einbrecher ist niemand anderes als der jüngere Sohn des Hauses. Er ist das schwarze Schaf der Familie.
Irgendwann war er auf die schiefe Bahn geraten, hatte sich mit den Eltern total überworfen und nun haben ihn seine falschen Kumpels zum Einbruch angestiftet. Nachdem er den schweren eichenen Schreibtisch seines Vaters aufgebrochen hat, findet er dort einen großen Umschlag. Er erkennt die Handschrift und liest: „Abschrift meines letzten Willens“. Das Datum lässt erkennen, dass das Testament erst vor wenigen Wochen, kurz nach dem letzten großen Krach mit dem Vater aufgesetzt worden ist.
„Mein Sohn Klaus soll seinen Anteil am Erbe ungekürzt erhalten.“ Steht da. „Ich wünsche mir, dass seine Geschwister ihn wieder annehmen, wenn er einst zurückkehren sollte von seinen Verirrungen. Sie sollen ihm sagen, dass ich ihn lieb gehabt habe bis in meine letzte Stunde.“
Was der Sohn das liest, da durchfährt es ihn wie ein Blitz. Langsam lässt er die Hände mit dem Schreiben sinken. Schlagartig wird ihm klar, auf was er sich da eingelassen hat und dass er solche Liebe gar nicht verdient hat. Nach der Rückkehr der Eltern aus dem Urlaub kommt es zur Aussprache mit dem Vater und zur Versöhnung.
Die Liebe des Vaters war ungetrübt. Nicht der Vater musste versöhnt werden, sondern der Sohn. Er musste zurückkehren in die offenen Arme des liebenden Vaters.
Der Karfreitag ist der Liebesbeweis Gottes.
Wir brauchen dieses Zeichen, nicht Gott braucht es.
Wir müssen diese Liebe so überdeutlich vor Augen gestellt bekommen, nicht Gott.
Lasst euch versöhnen mit Gott!
Versöhnung ist möglich. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder erleben – im Großen und im Kleinen und wir dürfen diese Hoffnung auch nicht aufgeben in diesen krisenreichen Zeiten mit so viel Hass und Krieg.
Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau geschah nicht aus christlichem Glauben heraus, aber doch aus tief empfundener Menschlichkeit. Und dass Versöhnung auch dort möglich ist, wo Fronten verhärtet sind und Gefühle verletzt wurden, dafür steht das große und wunderbare Versöhnungsangebot Gottes.
Und darum ist der Karfreitag so wichtig.
„So sind wir nun Botschafter an Christi statt“ sagt Paulus. Boschafter der Versöhnung sollen wir sein an dem Ort, an den wir gestellt sind.
Dazu helfe uns Gott.
 
AMEN
 
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