Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt für den 6. S. nach Trinitatis,
12. Juli 2026, Pfarrer Jochen Maier
Wochenspruch:
"So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" Jes 43,1
Predigttext: 5.Mose 7,6-11
Liebe Gemeinde,
Lolita Cassard ist eine junge Frau aus Paris. Sie hadert mit sich und der Welt, weil sie nicht annähernd so schlank und begehrenswert aussieht, wie die Models in den Hochglanzmagazinen. Dabei wäre sie gerne schön – zumindest in den Augen ihres Vaters. Aber der ist ein eitler, zynischer und umschwärmter Schriftsteller, der die Leute in seiner Umgebung kaum beachtet.
Lolita möchte gerne Sängerin werden, aber das klappt auch nicht so richtig. Immer wieder erlebt Lolita, dass die Menschen nur darum nett und freundlich zu ihr sind, weil sie eben die Tochter des berühmten Schriftstellers ist, Und das führt dazu, dass sie immer noch unsicherer wird und sich immer mehr zurückzieht von den Menschen. Lolita ist eine der Hauptpersonen im französischen Film „Schau mich an!“ Und dieser Titel sagt eigentlich genau das aus, was die junge Frau möchte: Sie möchte angesehen, möchte beachtet werden. Sie um ihrer selbst willen. Nicht wegen ihres berühmten Vaters. Der Film zeigt, wie ein Mensch verkümmert, wie er zugrunde geht, wenn er nicht angeschaut, nicht gesehen wird. Wenn die Liebe fehlt.
Liebe Gemeinde, das Predigtwort, das uns heute aufgegeben ist, das ist so etwas wie ein Gegenentwurf zu diesem Schicksal. Da geht es nämlich genau um das, was dieser jungen Frau fehlt, nämlich um Liebe, es darum, gesehen zu werden.
Wir hören einen Abschnitt aus 5.Mose 7:
Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.
Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.
So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten…
So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. AMEN
Liebe Gemeinde, was wir da gehört haben, das ist nicht andres als eine Liebeserklärung. Dich hat der Herr erwählt, heißt es da. Man könnte auch sagen: Dich hat der Herr angeschaut. Das ist eine Liebeserklärung Gottes an seine Menschen.
Zunächst einmal an sein Volk Israel, das Volk des Alten Bundes.
Und es ist so, wie es mit echter Liebe immer ist. Sie schaut nicht zuerst auf das, was einer ist oder kann oder darstellt, sondern sie meint das ganze Gegenüber.
Wenn ein junger Mann zu seiner Freundin sagt: „Ich liebe dich, weil du so schön bis oder so klug bist“, oder sogar: „Weil du so viel Geld hast!“, oder „Weil du so gut kochen kannst!“, dann wird das Mädchen bestenfalls lächeln über so viel Ehrlichkeit, aber tief drin wird es enttäuscht sein. Nicht als Schönheitskönigin, nicht als Einserkandidatin oder als Kochkünstlerin will sie geliebt werden, sondern um ihrer selbst willen, als Person, als Mensch.
Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat.
Damals im ursprünglichen Zusammenhang sind die Frauen und Männer der jüdischen Stämme gemeint gewesen, die auf dem Weg durch die Wüste waren. Gerade waren sie knapp der ägyptischen Sklaverei entkommen und nun standen sie vor einer höchst ungewissen Zukunft! Sie hatten nichts vorzuweisen, rein gar nichts – so steht es ja ausdrücklich da: „Du bist das kleinste unter allen Völkern!“ Und dennoch wird gerade diesen Flüchtlingen, die nichts sind und nichts haben, nichts vorweisen können, dennoch wird gerade denen die Liebe Gottes zugesprochen.
Gott liebt ein Volk an dem absolut nichts Besonderes ist!
Aber was hat das nun mit uns zu tun?
Nun, vorhin in der Evangelienlesung haben wir den Taufbefehl Jesu gehört, die Aufforderung Jesu, in alle Welt zu gehen und von der Liebe Gottes zu erzählen. Da durchbricht Jesus also ganz klar die engen Grenzen des Volkes Israel und nimmt die ganze Welt mit hinein in diesen Liebesbund Gottes. Seit Jesus Christus sind auch wir Nichtjuden hineingenommen in den Liebesbund Gottes.
Und darum gilt dieses Wort von der Liebe Gottes auch uns, auch uns, die wir heute an diesem Sonntagmorgen zusammen Gottesdienst feiern und wenn wir nachher beim Abendmahl an den Tisch des Herrn geladen sind, da wird das ganz offenbar.
Es ist doch so, dass wir uns alle nach Anerkennung und nach Liebe sehen.
Jeder Mensch braucht das.
Ich werde da nie vergessen, als unser Sohn noch klein war und ich ihn wegen irgendeiner Kleinigkeit geschimpft habe, da fragte er ganz betrübt: „Magst du mich noch, Papa?“ Und er schaute mich tief traurig an und mir tat es im Herzen leid, ihn geschimpft zu haben.
Wir alle brauchen das und in allen Bereichen unseres Lebens bemühen wir uns darum: Im Arbeitsleben, in der Schule, in der Familie, bei den Menschen, die uns wichtig sind.
Mein Tag ist gut, wenn ich spüre: Ich werde akzeptiert. Noch besser, wenn ich merke, einer hält zu mir, egal ob ich nun Erfolg habe oder ob etwas total daneben läuft.
Und genauso hält Gott zu mir. Das kann mir ein Grundvertrauen geben, auch wenn manches im Leben anders kommt, als erwartet. Auch wenn sich längst nicht alle Träume erfüllen, wenn manchmal der Erfolg ausbleibt, wenn das Leben sich anders entwickelt, als ich es eben noch erhofft habe.
Gott sagt heute zu dir und zu mir: „Ich habe dich angenommen und erwählt, nicht weil du besser oder schlauer oder erfolgreichen bist als andere, sondern ich habe dich mit anderen zusammen angenommen und erwählt, weil ich dich lieb habe!“
Diese Gottesliebe aber wartet auf Antwort. Sie ist anspruchsvoll. Sie will erwidert werden. Die Antwort auf die Liebe Gottes aber ist der Glaube, ist das Vertrauen, dass er, Gott, in Jesus Christus der Weg und die Wahrheit und das Leben ist. Es kommt darauf an, das wahrzunehmen und das Leben darauf zu gründen.
Wo diese Einladung Gottes ganz anschaulich und augenfällig ist, das ist die Taufe:
„Wenn dein Gewissen dich plagt, wenn deine Schuld dich quält, wenn du am Ende bist und nicht mehr weiter weißt in deinem Leben, wenn die Kraft nicht reicht, dann erinnere dich und sage: Ich bin dennoch getauft!“ So hat es Martin Luther einmal formuliert.
Die Taufe, das ist die Liebeserklärung Gottes an uns Menschen.
Liebende beschenken sich. Mit äußeren Zeichen machen sie auf sich aufmerksam, ritzen Herzen in Bäume, hängen Schlösser an Brückengeländer.
Und so ist es auch mit der Taufe. Das äußere Zeichen ist Wasser, dieser kostbare Stoff, aus dem das Leben kommt. Und das spüren wir ja in diesem Sommer wieder mehr als deutlich, wie wichtig das Wasser ist. Die Natur -und auch wir Menschen, wir sehnen, wir lechzen nach Regen!
Wasser ist Leben und darum taufen wir mit Wasser.
Natürlich kann da nun einer hergehen und fragen: Was nützt das denn, dieses Bespritzen mit ein paar Tropfen Wasser bei einem Kind, das davon ja noch gar nicht mitbekommt, das allenfalls lächelt oder verwundert guckt, aber oft auch schläft oder sogar mehr oder minder kräftig schreit. Was nutzt das?
Einen äußeren Nutzen können wir der Taufe genauso wenig zumessen, wie der Liebe. Wenn einer geliebt wird, dann hat er rein äußerlich nichts davon. Und doch ist die Liebe ein Lebenselement, sie wichtig, wie das Wasser für den Fisch und die Luft für den Vogel.
Da sind wir dann wieder bei Lolita Cassard, der jungen Frau aus dem französischen Film. Der Vater schaut seine Tochter nicht an. Er dreht sich nur um sich und daneben verkümmert die Tochter.
Gott aber schaut uns an, schenkt uns seine Liebe und sehnt sich danach, dass wir diese Liebe erwidern – mit Herzen, Mund und Händen!
Welch ein Glück!!!
AMEN
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