Aktuelle Gottesdienste im Jahr 2026


 

Osterkerze
Bildrechte Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt

Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Ostersonntag, 05. April 2026
Pfarrer Jochen Maier


Wochenspruch: 
"Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle."  Offb 1,18
Predigttext: Lukas 24,36-45 

 

Liebe Gemeinde,
es gibt Situationen, da würde ich gerne Mäuschen spielen oder wäre gerne Mäuschen gewesen.
Mäuschen wäre ich zum Beispiel gerne, wenn die Mächtigen dieser Erde hinter verschlossenen Türen beim G7-Treffen beraten, wie sie miteinander umgehen, wie sie die Krisen dieser Welt in den Griff bekommen wollen. 
Oder beim Konklave der kath. Kirche letztes Jahr, als die Kardinäle den neuen Papst gewählt haben. Zwar bin ich gut evangelisch, aber das hätte mich schon interessiert, was und wie da beraten wurde.
Nach dem Konfiunterricht wäre ich auch manchmal gerne Mäuschen und würde hören, was die Konfis so erzählen, wie es ihnen gefallen hat, was sie mitgenommen haben, mit welchen Eindrücken sie wieder nach Hause gehen.
Aber ganze besonders gerne hätte ich aber damals in Jerusalem Mäuschen gespielt. Damals, am Ostertag, als der auferstandenen Jesus mitten unter seinen Jüngern erschienen ist.
Wir können nun leider keine Zeitreise unternehmen und uns hineinbeamen in den Kreis der Jünger damals, aber wir können heute hören, wie der Evangelist Lukas von diesem Ereignis berichtet. 

Da heißt es in Lukas 24:
Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! 
Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.
Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.
 
Ja, liebe Gemeinde, damals hätte ich wirklich gerne Mäuschen gespielt und Jesus, den Auferstandenen selbst gesehen und gehört, wie er vor seinen Freunden erscheint und sagt: „Friede sei mit Euch!“
Wobei: Die Jünger damals waren ja nicht nur kleine Mäuschen, sondern haben das richtig leibhaftig miterlebt, waren mittendrin, aber richtig überzeugt waren sie trotzdem nicht. „Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.“ So heißt es da.
Schon zuvor wird berichtet, dass Frauen das leere Grab entdeckt hatten und zwei fremde Männer ihnen berichteten, dass Jesus auferstanden sei. Das erzählen sie den Jüngern. Aber die glauben ihnen nicht, halten das für Hirngespinste hysterischer Frauen. 
Dann kommen auch noch die beiden Emmausjünger zurück, die auf ihrem Weg von Jerusalem ins Dorf Emmaus dem Auferstandenen selbst begegnet sind – das hören wir im Evangelium für den Ostermontag. Aber auch ihr Augenzeugenbericht kann die Jünger nicht wirklich überzeugen.
„Sie redeten davon“ – so beginnt unser Predigtwort. Der Bericht der Augenzeugen beschäftigt die Jünger also, sie diskutieren, wägen ab, aber so richtig überzeugt sind sie nicht. Und selbst als dann Jesus selbst unter ihnen erscheint, wird die Sache nicht besser. Als Jesus ihnen seine Hände und Füße zeigt mit den Wundmalen als Beweis dafür, dass er es wirklich ist, „da konnten sie es nicht glauben vor Freude“, so heißt es da. Sie glauben es einfach nicht. Es ist zu schön, um wahr zu sein. Sie trauen ihren eigenen Augen nicht.
Das heißt doch: Selbst wenn wir alle damals Mäuschen gewesen wären und das mit eigenen Augen miterlebt hätten, das hätte uns nicht unbedingt überzeugt. Augenzeuge zu sein schafft noch keine Gewissheit. Weckt noch keinen Glauben.
Was aber ist es dann, was uns hilft, zu glauben? Zu vertrauen?
Zwei Dinge sind da offenbar ganz wichtig: Zum einen das gemeinsame Essen. Schon bei den Emmausjüngern war das der entscheidende Wendepunkt. Sie erkannten Jesus, als er das Brot brach. Hier in unserer Geschichte ist es nun ausgerechnet ein Fischessen, das die Jünger überzeugt. Das ist für mich, der ich keinen Fisch mag, nun etwas schwierig, das muss ich zugeben. Aber der Fisch steht hier ja fürs gemeinsame Essen allgemein. Und das verbindet Menschen.  Nicht umsonst essen, speisen wir, wenn wir etwas feiern. Eine Hochzeit, ein runder Geburtstag ohne Festmahl ist undenkbar. Auch bei Staatsbesuchen gehört das Festbankett dazu. 
Essen verbindet.
Zudem sind die Buchstaben für das griechische Wort für Fisch, nämlich „Ichtys“ zugleich ein Glaubensbekenntnis: „Jesus Christus Gottes Sohn, Retter.“ Für uns bedeutet das: Im Abendmahl ist Jesus gegenwärtig. Das ist ein Geschenk. Da sind wir mit Jesus verbunden. Wir müssen und wir können das letztlich nicht begreifen, aber wir können das erleben, können es erfahren, dürfen uns einladen lassen. Wenn wir das Heilige Abendmahl feiern, dann sind wir untereinander und mit Jesus verbunden. Besonders stark gespürt habe ich das bei manchen Abendmahlsfeiern mit Menschen, die den Tod vor Augen hatten. Da gibt es oft nicht mehr viel zu sagen. Aber im Mahl ist eine ganz tiefe Verbindung und ich spüre: Die trägt und gibt Kraft und Hoffnung. Zeichen des Lebens über den Tod hinaus.
Das Zweite, was Jesus uns hier nahelegt, das ist die Heilige Schrift. Er legt ihnen die Schrift aus, wie er es schon bei den Emmausjüngern getan hatte. Er zeigt ihnen, dass in den alten Schriften, bei den Propheten, in den Mosebüchern, in den Psalmen der Leidensweg vorhergesagt wurde. „Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden.“ So endet unser Predigtwort. 
Das bedeutet doch, dass uns Jesus heute in den Worten der Bibel nahe kommt, aber auch in Liedern, in Versen. Psalmworte, Lieder, Geschichten, die uns berühren. Wo wir spüren: Ja, das geht mich an, das betrifft mich und mein Leben. Ein gutes Wort zur rechten Zeit kann unglaublich viel bedeuten. Das kann ein ganz großer Trost sein. 
Jesus schenkt den Jüngern Gemeinschaft am Tisch, im Abendmahl und er schenkt ihnen Gemeinschaft im Hören auf die Heilige Schrift. 
Und das überzeugt sie.  
Sie spüren: Ja, Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Der Tod hat nicht das letzte Wort.  Die Jünger sind bei alledem nicht nur Mäuschen, nicht nur Randfiguren, die sich in ihrem Mauseloch verstecken, sondern sie sind mitten drin.
Und wir auch! Wir können ihn nicht sehen, können seine Wundmale nicht berühren, aber im Heiligen Abendmahl, im Hören auf sein Wort, im Singen und Beten sind auch wir mitten drin, wenn wir uns mitnehmen lassen, wenn wir unsere Herzen öffnen für das, was er uns zu sagen hat. Und darum dürfen wir immer neu bitten und beten.
Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann, der sich selbst nicht für gläubig hält, der hat einmal gesagt: „Ostern ist die härteste Währung auf dem Markt der Hoffnungen.“ So ist es: Ostern steht dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Es gibt so unendlich viel Leid auf dieser Welt, so viel Gewalt, so viel Unrecht, so viel Schmerz. Aber Ostern, die Auferstehung Jesu, steht für die Hoffnung auf den Sieg des Lebens. Steht dafür, dass dem Tod seine letzte Macht genommen ist.
Schon der Prophet Jesaja hat es so verkündet: „Gott, der Herr, wird den Tod verschlingen auf ewig und wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.“ Darauf dürfen wir vertrauen.
Das ist Ostern.
 
AMEN
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Ausschnitt aus der "Feier der Osternacht" 

Ostersonntag, 05. April 2026, 5:30 Uhr

St. Bartholommäus, Sommerhausen

(Audio-Datei)

 

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Gottesdienst 

der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für Karfreitag, 03. April 2026
Pfarrer Jochen Maier
 

 

Jesu am Kreuz
Bildrechte Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Joh 3,16

 

Predigttext: 1.Korinther 15,19-21:
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“

 

Liebe Gemeinde,
es war kalt an diesem grauen Montag in Warschau und die westdeutsche Delegation, die in die polnische Hauptstadt gereist war, bekam diese Kälte auch anderweitig zu spüren. Es herrschte Eiszeit im Verhältnis beider Staaten, zwischen Deutschland und Polen. Das Klima war damals geprägt vom Kalten Krieg: hier die Nato, dort der Warschauer Pakt.
Der Bundeskanzler hatte einen Vertrag in der Tasche, der eine neue Ostpolitik anregen sollte, aber die polnische Seite war abwartend. Das Misstrauen war groß. Der 2.Weltkrieg hatte tiefe Gräben aufgerissen, die kaum überbrückbar schienen.
Nach etlichen offiziellen Gesprächen sah das Protokoll an jenem Montag einen Besuch am Grabmal des unbekannten Soldaten vor und der Bundeskanzler hatte ausdrücklich auch eine Kranzniederlegung am Ehrenmal für die Helden des Warschauer Ghettos gewünscht. Einige Reporter waren schon wieder abgereist, es war nichts Spektakuläres mehr zu erwarten – das ganz normale protokollarische Programm eben, wie es bei Staatsbesuchen üblich ist.
Der obligatorische Kranz wurde vor dem Ehrenmal abgelegt. Der Kanzler strich die Schleife glatt und bleibt einen Moment stehen.
Und dann geschieht plötzlich das Unglaubliche.
Die Reporter sind irritiert, die Sicherheitsleute verunsichert.
Ist der Kanzler gestürzt? Womöglich ein Attentat?
Und dann sehen sie ihn knien.
Der Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Ehrenmal des Warschauer Ghettos.
Die Menschen um ihn scheinen den Atem anzuhalten.
Es ist eine Geste ohne Pathos, aber mit viel Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
Eine Geste, die keine Worte braucht.
Dann steht der Kanzler wieder auf, geht zu seiner Delegation und der Staatsbesuch fährt in seinem diplomatischen Protokoll fort.
Dieser Kniefall von Warschau, diese tiefe Verbeugung vor den Toten des jüdischen Ghettos, hat damals in Deutschland die Menschen gespalten. Die Mehrheit, 48 % , so sagt die KI, hielt ihn für übertrieben, 41 % für angemessen. 
Später, im Rückblick, wurde der Kniefall anders verurteilt. Willy Brandt hat damals wohl in der Tat eine Brücke gebaut zwischen beiden Ländern, beiden Völkern, auch wenn das Verhältnis auch heute noch nicht spannungsfrei ist. Aber an diesem kalten grauen Montagmorgen, dem 7. Dezember 1970 begann das Tauwetter. Das Bild vom Kniefall Brandts ist in die Geschichtsbücher eingegangen.
Brandt selbst hat über diesem Kniefall meines Wissens nie viel gesagt. Aber er hatte wohl die furchtbaren Bilder der ausgemergelten Menschen vor Augen, die von den SS-Schergen gequält und umgebracht wurden. Die Bilder, der zum Skelett abgemagerten Männer, Frauen und Kinder. Wer Solche Bilder gesehen hat, wird sie nicht mehr so schnell vergessen. 
Brandts Geste, der Kniefall, war ein Ausdruck des Mitgefühls und des Respekts. Er spürte wohl die Last der Geschichte auf seinen Schultern.
Brandts Geste war nicht religiös. Aber sie war ein Zeichen, eine Bitte um Versöhnung. Und Versöhnung, das ist der tiefste Sinn, die tiefste Botschaft des Karfreitags.
„Gott hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.“ So heißt es in unserem Predigtwort.
Gott will es so. Er will es, obwohl der Preis hoch ist.
Aber genau das ist ja auch der Punkt, an dem viele einhaken und sagen: „Was ist das für ein Gott, der solch ein Opfer nötig hat? Was ist das für ein Gott, der das Opfer seines eigenen Sohnes braucht?“
War das denn wirklich nötig, dass Jesus diesen schrecklichen Weg, diesen bitteren Leidensweg gegangen ist?
Musste dieses Opfer wirklich sein? Hätte es da nicht andere Wege, unblutigere Wege gegeben? Wenn Gott die Welt durch sein Wort erschaffen konnte, hätte das hier nicht auch gereicht?
Liebe Gemeinde, ich glaube, dass Paulus uns da heute einen ganz wichtigen Hinweis gibt. Er ruft uns zu, ja er fleht uns regelrecht an: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Darum geht es doch: Nicht Gott hatte dieses bittere Opfer am Kreuz nötig, sondern wir haben es nötig. „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“
Nicht Gott musste mit uns versöhnt werden, sondern wir mit ihm. Wir glauben doch immer wieder, ohne ihn zurecht zu kommen. Wir glauben, unser Leben selbst in der Hand zu haben. Und genau das ist es ja, was die Bibel „Sünde“ nennt. Sünde, das ist eben nicht eine Auflistung von kleineren oder größeren Verfehlungen, sondern „Sünde“, das ist der Versucht, Gott aus meinem Leben herauszuhalten. Das ist der Versuch, unser eigener Gott zu sein. Man muss nicht mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten, um ein Sünder zu sein. Gott zu missachten, das fängt im Kleinen an – ganz unauffällig und beinahe unmerklich. Und so nach und nach dränge ich ihn aus meinem Leben hinaus. 
Und es klappt ja auch ganz gut ohne ihn.
Meistens zumindest.
In der Regel komme ich ja recht gut zurecht!
Aber irgendwann, irgendwann geht es eben nicht mehr – und sei es erst am Ende, wenn die letzte Seite des Lebensbuches zugeklappt wird. Irgendwann komme ich allein nicht mehr zurecht.
„Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Das heißt nichts anderes, als sich immer neu auf das Vertrauen in Gott einzulassen.
Darum wirbt Paulus, ja er beschwört seine Gemeinde geradezu.
Christsein bedeutet, immer wieder neu Christ zu werden. Immer wieder neu, Vertrauen zu wagen. Der Glaube ist ja kein Besitz, nichts, was ich irgendwann besitze, sondern er wandelt sich, solange ich lebe. Und ich habe immer wieder Versöhnung nötig.
Und diese Versöhnung braucht eine Vorleistung, eine Vorleistung Gottes. Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte erzählen.
Da steht in einem noblen Vorort irgendeiner Großstadt eine vornehme Villa. Wie jedes Jahr sind die Besitzer im Sommer für zwei Wochen in Urlaub gefahren.
Nun ist da eines Nachts in diesen zwei Wochen ein Einbrecher am Werk.
Die dunkle Gestalt scheint sich bestens auszukennen im verwaisten Haus. Mit einem Handgriff ist die Alarmanlage ausgeschaltet.
Kein Wunder: Der Einbrecher ist niemand anderes als der jüngere Sohn des Hauses. Er ist das schwarze Schaf der Familie.
Irgendwann war er auf die schiefe Bahn geraten, hatte sich mit den Eltern total überworfen und nun haben ihn seine falschen Kumpels zum Einbruch angestiftet. Nachdem er den schweren eichenen Schreibtisch seines Vaters aufgebrochen hat, findet er dort einen großen Umschlag. Er erkennt die Handschrift und liest: „Abschrift meines letzten Willens“. Das Datum lässt erkennen, dass das Testament erst vor wenigen Wochen, kurz nach dem letzten großen Krach mit dem Vater aufgesetzt worden ist.
„Mein Sohn Klaus soll seinen Anteil am Erbe ungekürzt erhalten.“ Steht da. „Ich wünsche mir, dass seine Geschwister ihn wieder annehmen, wenn er einst zurückkehren sollte von seinen Verirrungen. Sie sollen ihm sagen, dass ich ihn lieb gehabt habe bis in meine letzte Stunde.“
Was der Sohn das liest, da durchfährt es ihn wie ein Blitz. Langsam lässt er die Hände mit dem Schreiben sinken. Schlagartig wird ihm klar, auf was er sich da eingelassen hat und dass er solche Liebe gar nicht verdient hat. Nach der Rückkehr der Eltern aus dem Urlaub kommt es zur Aussprache mit dem Vater und zur Versöhnung.
Die Liebe des Vaters war ungetrübt. Nicht der Vater musste versöhnt werden, sondern der Sohn. Er musste zurückkehren in die offenen Arme des liebenden Vaters.
Der Karfreitag ist der Liebesbeweis Gottes.
Wir brauchen dieses Zeichen, nicht Gott braucht es.
Wir müssen diese Liebe so überdeutlich vor Augen gestellt bekommen, nicht Gott.
Lasst euch versöhnen mit Gott!
Versöhnung ist möglich. Gott sei Dank dürfen wir das immer wieder erleben – im Großen und im Kleinen und wir dürfen diese Hoffnung auch nicht aufgeben in diesen krisenreichen Zeiten mit so viel Hass und Krieg.
Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau geschah nicht aus christlichem Glauben heraus, aber doch aus tief empfundener Menschlichkeit. Und dass Versöhnung auch dort möglich ist, wo Fronten verhärtet sind und Gefühle verletzt wurden, dafür steht das große und wunderbare Versöhnungsangebot Gottes.
Und darum ist der Karfreitag so wichtig.
„So sind wir nun Botschafter an Christi statt“ sagt Paulus. Boschafter der Versöhnung sollen wir sein an dem Ort, an den wir gestellt sind.
Dazu helfe uns Gott.
 
AMEN
 
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Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für den Sonntag „Estomihi“ 15.02.2026
 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte Markt Sommerhausen
Wochenspruch: 
"Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn." Lk 18,31
Predigttext: Lukas 18,31-43

 

Liebe Gemeinde,

gerade erst ist der schöne Christbaum vor unserer Kirche hier in Sommerhausen verschwunden und die Krippe wurde abgebaut, da richtet unser heutiges Predigtwort unseren Blick schon ganz stark Richtung Karfreitag, schließlich beginnt am Mittwoch ja bereits die Passionszeit. Am Aschermittwoch ist bekanntlich der ganze Faschingstrubel vorbei.

Unser Predigtwort nimmt uns heute mit auf den Weg nach Jerusalem. Die Jünger Jesu sind mit ihm zu Fuß unterwegs von Galiläa im Norden in Richtung Hauptstadt. Dauernd werden sie aufgehalten, dauernd treffen sie Menschen, immer ist etwas los, so dass sie gar nicht dazukommen, sich über das Ziel und den Zweck der Reise auszutauschen. Aber dann, kurz vor der letzten Etappe, kurz vor Jericho, von wo aus es dann vom Jordangraben hoch ins judäische Bergland ging, da ruft Jesus seine Freunde zu sich und redet mit ihnen.

Wir hören Verse aus Lukas 18:
Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.
Sie aber verstanden nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie begriffen nicht, was damit gesagt war.
Es geschah aber, als er in die Nähe von Jericho kam, da saß ein Blinder am Wege und bettelte.
Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre.
Da verkündeten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorüber.
Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er sollte schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
Jesus aber blieb stehen und befahl, ihn zu sich zu führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann.
Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.
Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.


Liebe Gemeinde,

das ist eine Geschichte voller Gegensätze.
Da sind auf der einen Seiten diejenigen, die Jesus nahe stehen, seine Freunde, seine Jünger. Ihnen verrät Jesus, was in Jerusalem auf ihn und auf sie zukommt. Das wird kein triumphaler Einzug so wie bei JD Vance, der anscheinende gleich mit einem Geschwader von 14 Flugzeugen zu den olympischen Spielen flog. Bei Jesus geht es nicht um Ruhm und Machtdemonstration, sondern es ist ein Weg voller Leid und Schmerz, ein Weg in den Tod, aber am Ende wird alles gut werden, das verspricht Jesus. 
Aber seine Jünger verstehen ihn nicht, oder sie wollen ihn nicht verstehen, obgleich das bereits das dritte Mal ist, dass er ihn sein Leiden ankündigt.
Auf diesem Auge sind die Jünger Jesu blind.
Manchmal kann zu große Nähe zu solch einer Blindheit führen. Vielleicht kennen Sie das ja auch. Da wird ein enges Familienmitglied immer schwächer. Die nächsten Angehörigen nehmen das gar nicht recht wahr, sie sehen ihn ja jeden Tag, merken die kleinen schleichenden Veränderungen gar nicht, aber ein anderer, einer der von außen kommt und nur alle Schaltjahre mal die Person sieht, der nimmt die Veränderungen viel deutlicher wahr. Wer nahe dran ist, der übersieht leicht die wichtigen Signale in der eigenen Familie oder in der Welt, in der wir leben.
In unserer Geschichte gibt es daher noch eine andere Person, sie ist sozusagen der Gegenpol.
Das ist der blinde Bettler, der am Straßenrand sitzt.
Er sieht nichts, aber er nimmt sehr bewusst wahr, dass da etwas Besonderes geschieht. Er hört den Lärm der Menschen, die Aufregung, immer wieder fällt der Name Jesu. Von Jesus hat der blinde Bettler schon gehört. Da erkennt er seine Chance und er ruft und schreit so lange, bis Jesus ihn schließlich zu sich bringen lässt.
So geht diese Geschichte los: Mit den einen, die eigentlich ganz nahe dran sind und doch nichts sehen und dem einen anderen, der von außen kommt, der blind ist, und der doch in Jesus etwas sieht, was allen anderen verborgen geblieben ist.
Aber das gefällt nicht allen. Der Bline wird angeschnauzt: „Halt den Mund! Dich will doch niemand hören! Wahrscheinlich willst ja doch wieder nur Geld!“
Aber der Blinde lässt sich den Mund nicht verbieten, er schreit nach Jesus. Schreit immer lauter.
Und das macht mir Mut. Das macht mir Mut, mich nicht mit billigen Vertröstungen abspeisen zu lassen dort, wo etwas nicht stimmt. Das macht mir Mut, zu dem zu stehen, von dem ich überzeugt bin und mir nicht dem Mund verbieten zu lassen, nicht einfach nur mit dem Strom zu schwimmen.
Und dann treffen der blinde Mann und Jesus aufeinander. Ich stelle mir vor, dass sich eine richtige Menschentraube um die beiden gebildet hat. Die einen sind ärgerlich: Dieser blinde Schmarotzer soll gefälligst den Mund halten, und die anderen, die sind vielleicht einfach neugierig.
Und Jesus? Der lässt sich von den Erwartungen der Menschen nicht beeindrucken, sondern der fragt ganz einfach: „Was willst du denn, dass ich für dich tun soll?“
Nun kann man einwenden: „Das ist doch eine blöde Frage! Was wird ein blinder Mensch schon wollen? Natürlich das Augenlicht zurück!“
Aber ich glaube, manchmal ist es wichtig, dass wir uns darüber klarwerden, was wir eigentlich wollen! Was ist uns wirklich wichtig? Was will ich? Für mich? Für meine Familie? Für meinen Ort, mein Land, meine Kirche? Was will ich eigentlich? Manchmal sind wir so drin im Getriebe, dass wir das Ziel aus den Augen verlieren.
Der blinde Mann damals hat geseufzt: „Ich will sehen. Das ist mein Wunsch seit Kindheitstagen. Ich will die Farben wieder sehen und das Lachen in den Augen der Menschen. Ich will sehen, wie die Kinder spielen, will die Knospen der Bäume sehen. Ich will am Leben teilhaben mit allem, was dazugehört, will nicht länger am Rand stehen. Mach mich wieder sehend, Herr!“
Und Jesus?  Er sagt: „So soll es sein. Dein Wunsch soll sich erfüllen, sei wieder sehend. Dein Glaube hat dir geholfen!“
Das, was sich an Vertrauen, an Liebe, an Kraft in dir angesammelt hat, das hat dir geholfen, sagt Jesus.
Mein Glaube, liebe Gemeinde, ist längst nicht so groß, dass ich ihm so etwas zutrauen würde. Das denke ich zumindest.
Und doch lehrt uns diese Geschichte; Manchmal kann dein Glaube viel mehr, als du glaubst. Er hilft Dir, das Gute in Menschen zu sehen. Er hilft Dir, Vertrauen zu wagen trotz Enttäuschungen. Er hilft dir, nicht nur auf Geld und Macht und Zahlen zu schauen, sondern auf Menschen und darauf, dass Gott etwas vorhat mir Dir. Dein Glaube hilft Dir, den Kopf nicht in den Sand zu stecken, sondern Zuversicht und Hoffnung zu bewahren, das Feuer im Herzen am Lodern zu halten.
Von Antoine de Saint-Exupéry stammt der inzwischen etwas abgedroschene aber für mich trotzdem so wahre Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Denn das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Eben dazu hilft uns der Glaube: Mit dem Herzen zu sehen. Weil er sich nämlich nicht mit der Oberfläche der Welt zufrieden gibt, sondern tiefer blickt.
Damit sind wir am Ende dieser wunderbaren Geschichte angekommen und es stellt sich die Frage: Auf welcher Seite stehen wir? Sind wir wie die Freunde Jesu, die ihm ganz nahe sind und doch blind sind, weil sie das nicht sehen wollen, was ihnen nicht gefällt? Oder auf der Seite des Bettlers, des Außenseiters, dem am Ende die Augen geöffnet werden.
Ich spüre, dass auch ich manchmal blind bin für mich und meine Wünsche und darum auch blind für andere. Und dass ich so jemanden wie Jesus brauche, der mich fragt: „Was willst du? Was willst du wirklich?“ Jemand, der mir die Augen öffnet, für das tagtägliche Unrecht, an das ich mich gewöhnt habe. Jemand, der mir die Augen öffnet und mich lehrt, die anderen mit dem Herzen zu sehen. Denn nur mit dem Herzen sehen wir wirklich. Ansonsten sind wir blind.
Helfe uns Gott zu diesen offenen Augen des Herzens.
 
AMEN
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Gottesdienst 
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
am 11. Januar 2026 – 1.S.n.Epiphanias
Pfarrer Joachen Maer
 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Matthäus 3,13-17 (Reihe nF II)


 

Liebe Gemeinde,

es gibt Sätze, die tun uns einfach gut! Sätze, Worte, bei denen uns das Herz aufgeht. Das sind oft ganz kurze Sätze, aber die gehen unter die Haut. Die haben Wirkung, die lassen über uns ein Stück weit den Himmel aufgehen.
Da treffe ich zum Beispiel nach vielen Jahren einen alten Freund wieder: „Ich hab‘ Dich echt vermisst!“ Strahlt er mich an.
Oder da kommt unsere Tochter nach ihrem Studienjahr in den USA wieder zurück: „Wie schön, wieder bei Euch daheim zu sein!“ Sagt sie uns auf dem Flughafen, als wie sie abholen.
„Du schaffst sagt!“ ermutigt die Mutter ihren Sohn vor einer Klassenarbeit in seinem Angstfach.
„Es ist ein gesundes Mädchen!“ verkündet die Hebamme den Eltern.
„Ich hab‘ dich ganz doll lieb!“ verkündet die kleine Enkelin ihrer Oma.
„Wie gut, dass es Sie gibt!“ sagt der Chef zu einem Mitarbeiter.
Das alles sind solche kurzen Sätze, die einfach gut tun.
Ich hoffe sehr, dass Sie, dass Ihr solche Sätze in Ihrem, in Eurem Leben auch schon gehört habt, gehört haben.
Wer das hört und spürt, das ist ernst gemeint, bei dem verändert sich etwas. Dem wird es warm ums Herz, dem geht ein Stück weit der Himmel auf.
Unser heutiges Predigtwort aus dem Matthäusevangelium erzählt auch davon, dass der Himmel aufgeht und dann kommt da auch so ein Mutmachsatz. Es ist die Erzählung von der Taufe Jesu.
Ich lese einen Abschnitt aus Matthäus 3:
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
AMEN
Liebe Gemeinde, dieser eine Satz ganz am Ende dieser kleinen Geschichte, der hat es in sich:
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Man kann das auch etwas freier übersetzen: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Freude!“
Was für ein Satz! Kurz und prägnant. Voller Wärme und voller Liebe.
Die Sätze, die wir im Alltag hören, die klingen ja leider oft ganz anders: 
„Haben Sie das schon erledigt?“ Sagt der Chef.
„Sie sollten mehr Sport treiben und ein paar Kilos abnehmen!“ Mahnt der Arzt.
„Bring noch schnell den Müll raus!“ fordert die Ehefrau, obwohl es im Sofa so bequem ist.
Von klein auf haben wir das gelernt: Wenn mein Name gerufen wird, dann will meistens jemand was von mir. „Jochen, übersetze den nächsten Abschnitt!“ Die Französischlehrerin blickt mich scharf an. Sie hat mich dabei ertappt, dass ich gerade mit was völlig anderem beschäftigt war.
Unser Name wird gerufen – und meistens folgt eine Aufgabe, eine Erwartung, eine Leistung.
Unser Wert wird ja in der Regel daran gemessen, was wir leisten, ob wir mithalten können. Ob wir funktionieren.
Und wenn ich das einmal nicht mehr kann? Was dann? Dann fühle ich mich schnell abgeschrieben, wertlos.
Aber heute in dieser Geschichte von der Taufe Jesu, da hören wir etwas ganz anderes. Einen Satz, der nicht fordert, sondern schenkt. Gott sagt: „Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Freude!“
Die Geschichte von der Taufe Jesu beginnt ja zunächst mit einem Einwand: Johannes weigert sich anfangs, Jesus zu taufen. Viele waren zu ihm an den Jordan gekommen. Manche wahrscheinlich aus reiner Neugier. Er war ja schon ein etwas schräger Typ, dieser Täufer Johannes: Ein antiker Hippie, wenn man so will. Gekleidet in einen zotteligen Mantel aus Kamelhaar, lange Haare und zotteliger Bart vermutlich und ernährt hat er sich von wildem Honig und Heuschrecken. 
Und er war einer, der den Menschen mit klaren Worten die Meinung gesagt hat, er hat das Unrecht beim Namen genannt, ohne Scheu, ohne Rücksicht zu nehmen. Er hat sich von niemandem den Mund verbieten lassen. Vielen hat er die Augen geöffnet, sie ließen sich taufen und wollten ein neues Leben beginnen, wollten sich ändern.
Jesus hatte das nicht nötig, das hat Johannes erkannt, darum wollte er Jesus zunächst nicht taufen. Aber Jesus bestand darauf: „Lass es geschehen!“ hat er gesagt.
Und dann diese Szene: Der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes kam wie eine Taube auf ihn herab. Und eine Stimme spricht ihm liebevoll zu:  Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Oder eben etwas freier übersetzt: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Freude!“
Für Jesus war das der Auftakt für den Weg der vor ihm lag. Das war ihm Stärkung und Ermutigung. Jesus ging seinen Weg mit der Gewissheit im Herzen: Gott, der Vater, hat Freude an mir.
Und wir? Wie ist es bei uns?
Unsere Taufe ist nicht dieselbe wie die Taufe Jesu. Aber auch unsere Taufe verbindet uns mit Jesus, unserem Bruder und seinem und unserem Vater. Auch über uns öffnet sich der Himmel. Auch uns sagt Gott: „Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Freude!“
Ich vermute mal, die allermeisten von uns wurden so wie ich als kleine Kinder getauft – viele von Ihnen und Euch hier über diesem Taufstein. Wir können uns nicht daran erinnern. Aber unsere Eltern und Paten haben es bezeugt. Und das, was uns damals zugesagt wurde, das gilt ein Leben lang.
Es war das Versprechen und auch wenn wir selbst es vielleicht vergessen haben: Gott vergisst es nicht. 
Niemals.
Seither gab es viele andere Stimmen, die auf uns eindrangen – und sicher nicht alle wertschätzend und ermutigend: „Du bist zu langsam!“ „Andere können das besser!“ „Du bist zu alt!“ Und manchmal ist es vielleicht auch die eigene innere Stimme, die uns sagt: „Das schaffe ich nicht!“ „Ich bin nichts wert!“ Am Freitag stand in der Mainpost ein Artikel, der genau davon handelte, dass wir uns gar zu leicht mit dem scheinbar erfolgreicheren, schlankeren, glücklicheren Leben anderer vergleichen und dann selbst abwerten. Vielleicht haben Sie den Artikel gelesen.
Aber genau dann höre ich wieder diesen Satz, höre ihn aus Gottes Mund: „Ich habe Freude an dir!“ Und damit kann er uns aus der Vergleichsfalle holen.
Denn das sagt Gott nicht nur zu Jesus, das sagt er jedem von uns, das sagt er dir und das sagt er mir. Ganz persönlich.
„Ich habe Freude an dir!“
Und er meint das ernst. Das ist nicht einfach so daher gesagt. Das gilt bedingungslos. Nicht: „Ich habe Freude an dir, wenn du das und jenes tust und leistest.“ Sondern: „Ich habe Freude an dir!“ Punkt.
Wie schön und passend, dass wir gerade heute hier in unserer Kirche eine Taufe feiern dürfen und da sagt Gott das dann auch der kleinen Emma: „Ich habe Freude an dir!“ Sie wird das jetzt noch nicht begreifen. Vielleicht weint sie auch, mal schauen.
Aber das gilt.
Und wir, zu denen Gott das auch gesagt hat, ein für allemal, wir dürfen diese Zusage mitnehmen hinein in dieses noch junge Jahr von dem wir nicht wissen, was es alles bringen wird.
Und wir dürfen diesen Satz nicht nur hören, wir dürfen ihn auch weitersagen, zu unseren Partnern, unseren Kindern und Enkeln, unseren Nachbarn. Zu den Menschen, die uns begegnen.
Wir sind von Gott geliebt. Einfach so.

AMEN
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