Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
am 11. Januar 2026 – 1.S.n.Epiphanias
Pfarrer Joachen Maer
Matthäus 3,13-17 (Reihe nF II)
Liebe Gemeinde,
es gibt Sätze, die tun uns einfach gut! Sätze, Worte, bei denen uns das Herz aufgeht. Das sind oft ganz kurze Sätze, aber die gehen unter die Haut. Die haben Wirkung, die lassen über uns ein Stück weit den Himmel aufgehen.
Da treffe ich zum Beispiel nach vielen Jahren einen alten Freund wieder: „Ich hab‘ Dich echt vermisst!“ Strahlt er mich an.
Oder da kommt unsere Tochter nach ihrem Studienjahr in den USA wieder zurück: „Wie schön, wieder bei Euch daheim zu sein!“ Sagt sie uns auf dem Flughafen, als wie sie abholen.
„Du schaffst sagt!“ ermutigt die Mutter ihren Sohn vor einer Klassenarbeit in seinem Angstfach.
„Es ist ein gesundes Mädchen!“ verkündet die Hebamme den Eltern.
„Ich hab‘ dich ganz doll lieb!“ verkündet die kleine Enkelin ihrer Oma.
„Wie gut, dass es Sie gibt!“ sagt der Chef zu einem Mitarbeiter.
Das alles sind solche kurzen Sätze, die einfach gut tun.
Ich hoffe sehr, dass Sie, dass Ihr solche Sätze in Ihrem, in Eurem Leben auch schon gehört habt, gehört haben.
Wer das hört und spürt, das ist ernst gemeint, bei dem verändert sich etwas. Dem wird es warm ums Herz, dem geht ein Stück weit der Himmel auf.
Unser heutiges Predigtwort aus dem Matthäusevangelium erzählt auch davon, dass der Himmel aufgeht und dann kommt da auch so ein Mutmachsatz. Es ist die Erzählung von der Taufe Jesu.
Ich lese einen Abschnitt aus Matthäus 3:
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's ihm zu.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
AMEN
Liebe Gemeinde, dieser eine Satz ganz am Ende dieser kleinen Geschichte, der hat es in sich:
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Man kann das auch etwas freier übersetzen: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Freude!“
Was für ein Satz! Kurz und prägnant. Voller Wärme und voller Liebe.
Die Sätze, die wir im Alltag hören, die klingen ja leider oft ganz anders:
„Haben Sie das schon erledigt?“ Sagt der Chef.
„Sie sollten mehr Sport treiben und ein paar Kilos abnehmen!“ Mahnt der Arzt.
„Bring noch schnell den Müll raus!“ fordert die Ehefrau, obwohl es im Sofa so bequem ist.
Von klein auf haben wir das gelernt: Wenn mein Name gerufen wird, dann will meistens jemand was von mir. „Jochen, übersetze den nächsten Abschnitt!“ Die Französischlehrerin blickt mich scharf an. Sie hat mich dabei ertappt, dass ich gerade mit was völlig anderem beschäftigt war.
Unser Name wird gerufen – und meistens folgt eine Aufgabe, eine Erwartung, eine Leistung.
Unser Wert wird ja in der Regel daran gemessen, was wir leisten, ob wir mithalten können. Ob wir funktionieren.
Und wenn ich das einmal nicht mehr kann? Was dann? Dann fühle ich mich schnell abgeschrieben, wertlos.
Aber heute in dieser Geschichte von der Taufe Jesu, da hören wir etwas ganz anderes. Einen Satz, der nicht fordert, sondern schenkt. Gott sagt: „Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Freude!“
Die Geschichte von der Taufe Jesu beginnt ja zunächst mit einem Einwand: Johannes weigert sich anfangs, Jesus zu taufen. Viele waren zu ihm an den Jordan gekommen. Manche wahrscheinlich aus reiner Neugier. Er war ja schon ein etwas schräger Typ, dieser Täufer Johannes: Ein antiker Hippie, wenn man so will. Gekleidet in einen zotteligen Mantel aus Kamelhaar, lange Haare und zotteliger Bart vermutlich und ernährt hat er sich von wildem Honig und Heuschrecken.
Und er war einer, der den Menschen mit klaren Worten die Meinung gesagt hat, er hat das Unrecht beim Namen genannt, ohne Scheu, ohne Rücksicht zu nehmen. Er hat sich von niemandem den Mund verbieten lassen. Vielen hat er die Augen geöffnet, sie ließen sich taufen und wollten ein neues Leben beginnen, wollten sich ändern.
Jesus hatte das nicht nötig, das hat Johannes erkannt, darum wollte er Jesus zunächst nicht taufen. Aber Jesus bestand darauf: „Lass es geschehen!“ hat er gesagt.
Und dann diese Szene: Der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes kam wie eine Taube auf ihn herab. Und eine Stimme spricht ihm liebevoll zu: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Oder eben etwas freier übersetzt: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Freude!“
Für Jesus war das der Auftakt für den Weg der vor ihm lag. Das war ihm Stärkung und Ermutigung. Jesus ging seinen Weg mit der Gewissheit im Herzen: Gott, der Vater, hat Freude an mir.
Und wir? Wie ist es bei uns?
Unsere Taufe ist nicht dieselbe wie die Taufe Jesu. Aber auch unsere Taufe verbindet uns mit Jesus, unserem Bruder und seinem und unserem Vater. Auch über uns öffnet sich der Himmel. Auch uns sagt Gott: „Du bist mein geliebtes Kind. An dir habe ich Freude!“
Ich vermute mal, die allermeisten von uns wurden so wie ich als kleine Kinder getauft – viele von Ihnen und Euch hier über diesem Taufstein. Wir können uns nicht daran erinnern. Aber unsere Eltern und Paten haben es bezeugt. Und das, was uns damals zugesagt wurde, das gilt ein Leben lang.
Es war das Versprechen und auch wenn wir selbst es vielleicht vergessen haben: Gott vergisst es nicht.
Niemals.
Seither gab es viele andere Stimmen, die auf uns eindrangen – und sicher nicht alle wertschätzend und ermutigend: „Du bist zu langsam!“ „Andere können das besser!“ „Du bist zu alt!“ Und manchmal ist es vielleicht auch die eigene innere Stimme, die uns sagt: „Das schaffe ich nicht!“ „Ich bin nichts wert!“ Am Freitag stand in der Mainpost ein Artikel, der genau davon handelte, dass wir uns gar zu leicht mit dem scheinbar erfolgreicheren, schlankeren, glücklicheren Leben anderer vergleichen und dann selbst abwerten. Vielleicht haben Sie den Artikel gelesen.
Aber genau dann höre ich wieder diesen Satz, höre ihn aus Gottes Mund: „Ich habe Freude an dir!“ Und damit kann er uns aus der Vergleichsfalle holen.
Denn das sagt Gott nicht nur zu Jesus, das sagt er jedem von uns, das sagt er dir und das sagt er mir. Ganz persönlich.
„Ich habe Freude an dir!“
Und er meint das ernst. Das ist nicht einfach so daher gesagt. Das gilt bedingungslos. Nicht: „Ich habe Freude an dir, wenn du das und jenes tust und leistest.“ Sondern: „Ich habe Freude an dir!“ Punkt.
Wie schön und passend, dass wir gerade heute hier in unserer Kirche eine Taufe feiern dürfen und da sagt Gott das dann auch der kleinen Emma: „Ich habe Freude an dir!“ Sie wird das jetzt noch nicht begreifen. Vielleicht weint sie auch, mal schauen.
Aber das gilt.
Und wir, zu denen Gott das auch gesagt hat, ein für allemal, wir dürfen diese Zusage mitnehmen hinein in dieses noch junge Jahr von dem wir nicht wissen, was es alles bringen wird.
Und wir dürfen diesen Satz nicht nur hören, wir dürfen ihn auch weitersagen, zu unseren Partnern, unseren Kindern und Enkeln, unseren Nachbarn. Zu den Menschen, die uns begegnen.
Wir sind von Gott geliebt. Einfach so.
AMEN
