Gottesdienst am 19.04.2020


Andacht für Sonntag Quasimodogeniti, 19.04.2020
Pfarrerin Irene Maier


Wochenspruch: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." 1.Pertus 1,3
Predigttext: Jesaja 40,26-31

Israels unvergleichlicher Gott
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

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Liebe Gemeinde,

hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
So ruft der Prophet den Menschen in der Fremde zu. Weit weg von ihrer Heimat hatten sie das Gefühl, von Gott vergessen und verlassen zu sein. Ihre Hoffnung, einmal wieder heimzukehren, haben sie längst aufgegeben.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ein Aufruf, der uns in unserer aktuellen Lage genauso gilt wie den Menschen damals.
Manchmal haben auch wir den Eindruck, mit unseren Ängsten und Sorgen allein zu sein. Allzu mächtig erscheint uns der Tod, wenn wir Bilder aus Kliniken sehen oder merken, wie Lebensträume zerplatzen, wie der Betrieb den Bach runter geht und die Isolation den Menschen zusetzt.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ich möchte ergänzen: Seht, was Gott für euch getan hat! Ihr habt es doch erlebt und besungen am Ostermorgen: Die Sonne geht auf. Christ ist erstanden! Halleluja!
Haben wir’s wirklich gesehen? "Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meine Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich‘s nicht glauben".
Dem Jünger Thomas sind wir oft sehr nahe. Sehen wollen wir mit unseren bloßen Augen. Mit unseren Fingern berühren und begreifen.
Doch es geht hier um mehr als ein Sehen mit bloßen Augen.
Ihr, die ihr den Kopf hängen lasst, „hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?"
Mit dieser Frage will uns der Prophet herauslocken aus all dem, was uns resigniert sein lässt, was uns nach unten zieht und uns den Blick verstellt. Er will uns dazu bewegen, Gottes Größe in der Schöpfung zu entdecken. Und das geht nicht mit bloßen Augen.
Die Größe Gottes in der Schöpfung entdecken.
Besonders leicht fällt dies frisch gebackenen Eltern. Ich beobachte das immer wieder bei Taufgesprächen: Wenn ein junger Vater sein Kind im Arm hält und begeistert von den ersten Minuten nach der Geburt erzählt: Wie froh sie sind, dass das Kind gesund ist. Wenn Eltern staunen, wie sich das Kind in den ersten Wochen schon entwickelt hat. Ja, das schenkt uns eine tiefe Ahnung von der Größe des Schöpfers, ein Staunen und Sehen, das nur mit dem Herzen möglich ist.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Auf einem Bild in der Kinderbibel, mitten in den Geschichten von Abraham, steht der alte Mann staunend unter dem weiten Sternenzelt. Dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl. So schauen doch auch wir manches Mal in den Himmel. Sehen den weiten Horizont. Sehen die Wolken fliegen.
Dabei ahnen auch wir etwas von Gottes Größe und spüren zugleich unsere verschwindend kleine Macht. Und doch, Gott ruft seine Geschöpfe alle mit Namen. Dich und auch mich. Wir staunen. "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitest hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?", so staunen wir mit dem Psalmbeter (Ps. 8).
Als Christen kommen wir von Ostern her. Die Auferstehung Jesu lässt uns hoffen, dass Gottes Macht größer ist als der Tod, größer als die zerstörerische Macht eines unsichtbaren Feindes, dieses  Virus.
 „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“ Zu sehen gab es an Ostern 2020 viele große und kleine Zeichen, mit denen Freude und Hoffnung an vielen Orten dieser Erde weitergegeben wurden. Unzählige Menschen brachten sich ein mit ihren Talenten und kreativen Ideen. Den widrigen Umständen zum Trotz, die Osterbotschaft wurde vielleicht stärker als in vielen Jahren zuvor unter den Menschen verbreitet.
Für mich wurde in diesen vielen Zeichen Gottes große Kraft spürbar, die gerade dann für uns da ist, wenn Zweifel in uns nagen und wir nicht wissen, wie es weitergeht.
Von dieser Kraft Gottes spricht auch das Prophetenwort.
Es macht uns Mut, dass wir uns Gottes Stärke immer wieder vor Augen halten. Es tut uns gut, wenn wir uns an seine Größe und Kraft erinnern, die uns von außen zuwächst und uns sagt, dass wir nicht alles alleine schaffen müssen. „Denn, die auf Gott harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler“. Ein wunderschönes Bild, das Leichtigkeit und Freiheit ausdrückt.
Wenn wir müde werden und mit unserer Geduld am Ende sind, lasst uns an Gott festhalten und auf seine Kraft hoffen, die alles Schwere leicht machen kann, die uns Flügel verleiht.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies erschaffen? Am Ostermorgen geht die Sonne auf. Christ ist erstanden. Hoffnung auf neues Leben kündet sich an.
Heben auch wir unsere Augen, unser Gesicht Gott entgegen. Und es wachsen uns Flügel der Hoffnung.
AMEN
(Pfr.in Irene Maier)
 
Gebet
Du, Gott der Schöpfung,
Lehre uns Menschen, die Welt zu pflegen und zu erhalten.
Du, Gott der Kraft,
stärke alle Menschen, die an die Grenzen ihrer Kraft stoßen:
Die Eltern, denen die Geduld mit ihren Kindern ausgeht,
alle, die sich in Krankenhäusern und Heimen für Bewohner und Patienten einsetzen, die Lehrer und Lehrerinnen, die sich um ein Weiterkommen ihrer Schüler bemühen, alle, die sich weltweit um die Flüchtlinge in den Lagern kümmern.
Du, Gott des Lebens,
wir bitten dich für alle, die sich in dieser schwierigen Zeit nach Zeichen deiner Gegenwart sehnen. Wir bitten dich für die Kranken, die Einsamen und für die, die um einen lieben Menschen trauen. Sei ihnen nahe!
Du Gott der Ewigkeit,
wir danken dir, dass du uns Flügel verleihst.
Lass uns auch dann nicht los, wenn wir resignieren wollen und gib uns neue Kraft, an dir festzuhalten.
AMEN

Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

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