Aktuelle Gottesdienste und Predigten in der Corona-Zeit


 


 

Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für den Ewigkeitssonntag, 22.November 2020
Pfarrer Jochen Maier

 
St. Bartholomäuskirche Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen." Lk 12,35
Predigtwort: 1.Korinther 15,35-38.42-44a

 

 

Liebe Gemeinde,

ein Militärpfarrer hatte einmal vor jungen Soldatinnen und Soldaten lebenskundlichen Unterricht zu halten. Und wie üblich saßen hinterher noch einige aus der Gruppe gemütlich bei einem Glas Bier beisammen. Man redete in lockerer Runde über dies und das, es wurde viel gelacht, die Stimmung war gut. Man sprach über Gott und die Welt. Mit der Zeit kamen auch ernste Themen auf den Tisch. Man diskutierte über mögliche Auslandseinsätze und die damit verbundenen Gefahren. Schließlich kam man auch auf den Tod zu sprechen.
Dieser Militärpfarrer wusste damals sehr genau, dass seine Tage gezählt waren. Er hatte Krebs. Er wusste, dass er nur noch wenige Monate zu leben hatte, Regelmäßig ging er zu den ärztlichen Untersuchungen, Die Ergebnisse bestätigten den Krankheitsverlauf. Noch hielten sich seine Beschwerden in Grenzen und so lange es ging, wollte er ein möglichst normales Leben führen und dazu gehörte für ihn auch sein Dienst als Militärpfarrer.
Offen und ehrlich erzählte er den Soldaten, wie es um ihn stand. Da wurden die jungen Männer und Frauen wurden ganz still. Sie sahen ihn entsetzt an. In ihr schockiertes Schweigen hinein sagte er: „Wenn das stimmt, was ich Sonntag für Sonntag predige, dann kann das, was kommt, doch gar nicht so schlimm sein!“
Liebe Gemeinde, wir denken heute an die Menschen aus unserer Kirchengemeinde, die wir im nun zu Ende gehenden Kirchenjahr bestattet haben. Einige hatten ein langes erfülltes Leben hinter sich, bei manchen haben die Kräfte in den letzten Monaten, manchmal auch schon Jahren spürbar nachgelassen. Manche waren im Geist schon in einer anderen Welt. Von Abraham wird im Alten Testament erzählt: „Er verschied und verstarb in einem guten Alter, als er alt war und lebenssatt.“
Das ist wie so ein Idealbild, wenn jemand so zufrieden und erfüllt wie Abraham sein Leben aus der Hand geben kann. So wünschen wir uns das wohl auch für uns selbst. Zufrieden zurückschauen können auf die eigene Lebenszeit und dann reich an Lebenserfahrung die Augen schließen dürfen.
Aber viele uns haben leider auch andere Bilder vor Augen: Da wird jemand viel zu früh aus dem Leben gerissen, manche von uns mussten ein langsames Sterben begleiten, fühlen sich hilflos, ohnmächtig. Die Medizin war an ihre Grenzen gekommen. Sie, die Angehörigen haben gebangt, gehofft, gebetet und vielleicht haben Sie gefragt: Warum? Warum mussten wir das durchmachen? Warum mutet Gott uns das zu? Der Verlust eines geliebten und vertrauten Menschen wiegt schwer.
Manche von uns stecken tief drin in ihrer Trauer, können und wollen es nicht wahrhaben, was da geschehen ist. Beim Trauern gibt es kein richtig oder falsch. Jeder Mensch trauert anders: Die einen wollen in Ruhe gelassen werden, die anderen können in dieser Zeit nicht allein sein. Die einen wollen gehalten werden, die anderen darf man überhaupt nicht berühren. Es gibt so viele Arten traurig zu sein, und jede ist in Ordnung.
Manchmal muss aber auch etwas sterben, damit etwas Neues entstehen kann. Aber es fällt uns schwer, uns die Auferstehung vorzustellen. Das ging schon den Leuten damals in Korinth so, den Leuten, denen Paulus seinen Brief geschrieben hat. Sie haben gefragt: Wie wird das sein, wenn wir auferstehen? Was für einen Leib werden wir dann haben? Manche haben die Auferstehung auch komplett in Frage gestellt.
Paulus sagt: Die Auferstehung übertrifft alle unsere Erwartungen. Unser irdisches Leben ist wie das Weizenkorn, das ausgesät wird und die Auferstehung ist wie die Ähre, die sich im Winde wiegt. Sie sieht ganz anders aus, hat eine andere Form, ist einfach anders. Sie hat einen ganz anderen Leib, wie er es nennt.
Der Mensch stirbt wie das Korn.
Er stirbt ganz und gar und Gott schenkt ihm einen neuen Leib, der unsere Erwartungen und Vorstellungen übersteigt.
Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.
Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit.
Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.
In unserer deutschen Sprache sagen wir ja auch: jemand ist „entschlafen“. Er hat die Augen für immer verschlossen. Der Tod ist Schlafes Bruder. Ausruhen dürfen, ablegen und loslassen, was schwer war, die Bürden und Lasten des Lebens ablegen.
All das ist der Tod und doch spricht Paulus ja zugleich von einem kraftvollen Neuanfang, einer Neuschöpfung.
Aus dem sterben Korn wird eine Ähre, aus der Raupe ein Schmetterling. Nur da, wo etwas stirbt, kann etwas Neues entstehen.
Natürlich sind das alles Bilder, Vergleiche, die alle irgendwie auch hinken. Aber vom Leben nach dem Tod und von der Auferstehung kann man eben nur in Bildern reden. Aber es sind doch genau diese Bilder, die Trost geben könne. Ich kann die Auferstehung nicht beweisen. Das kann kein Mensch. Und trotzdem vertraue ich darauf. Warum? Weil Gott es uns vorgemacht hat. Gott hat uns gezeigt, dass es geht. Er hat seinen Sohn als einen Menschen in die Welt geschickt, als einen von uns. In wenigen Wochen, an Weihnachten, erinnern wir uns wieder daran.
Und Jesus ging seinen Weg. Er wurde angefeindet, wurde verraten und verleugnet. Er starb am Kreuz aber der Tod war eben nicht das Ende. Am dritten Tage ist er auferstanden von den Toten. Und die Auferstehung Jesu von den Toten hat Folgen. Sie gibt Hoffnung: Es gibt ein Morgen. In allem Dunkel gibt es ein Licht. Gott zeigt, dass er da ist. Ganz gewiss. Auch mitten im Leid. „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“  So hat es der Psalmdichter einst erlebt und so gilt das auch heute noch: Zu Gott kann ich immer kommen, er lässt mich nicht fallen.
Von einem neuen Himmel und einer neuen Erde schreibt der Seher Johannes in seiner Offenbarung. Wir haben das vorhin in der Lesung gehört.
Gott ist da. Und vielleicht schickt er dir einen Menschen, der genau weiß, was du jetzt gerade brauchst. Ein tröstendes Wort, eine Geste oder die tatkräftige Hilfe, weil du es allein gerade nicht mehr schaffst. Eine breite Schulter, an der du weinen kannst und darfst oder einen Menschen, der mit dir gemeinsam weint.
„Wer könnte atmen ohne Hoffnung?“ So fragt die Dichterin Rose Ausländer in einem ihrer Gedichte. Ohne Hoffnung kann man nicht leben. Und Gott schenkt uns diese Hoffnung, die Hoffnung, die über den Tod hinaus reicht. Diese Hoffnung ist die Mitte unseres Glaubens. Diese Hoffnung hat der Bundeswehrpfarrer, von dem ich eingangs erzählt habe den jungen Rekruten bezeugt und an dieser Hoffnung können auch wir uns aufrichten.
Das schenke Gott uns allen.

AMEN

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Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für den Buß- und Bettag, 18.11.2020
Pfarrerin Irene Maier

 

St. Bartholomäuskirche Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Gerechtigkeit erhöht ein Volk;
aber die Sünde ist der Leute Verderben." Spr 14,34
Predigttext: Jona 2, 1-11

 

 

Liebe Gemeinde,

Ein Fragebogen im Konfirmandenunterricht wird ausgeteilt. Die Präparanden und Konfirmanden kennen das.
Das ist schnell gemacht, denkt eine Konfirmandin. 10 Sätze. Sie soll nur ankreuzen ob sie zustimmt oder nicht. Es geht dabei um das Thema „Gebet“.
Gleich beim ersten Satz bleibt sie hängen: "Beten nutzt doch nichts. Ja oder Nein?" Das ist schwer zu sagen.
Dann zur nächsten Frage: "Im Gebet kann man alles sagen." Ja. Das stimmt.
"Beten lernt man in der Not." Das hat zumindest ihre Oma gesagt.
Und dann zurück zum schwersten Satz: "Beten nutzt doch nichts." Hier macht sie ein Fragezeichen.
Sie weiß es einfach nicht.
Bei der Vorbereitung zum Buß-und Bettag habe ich ein Bild entdeckt. Da sitzt ein Mann mit gefalteten Händen auf dem Boden. Andere Menschen stehen um ihn herum. Das scheint ihn nicht zu stören. Er sitzt da, ganz in Gedanken versunken.
Was ihm wohl durch den Kopf geht? Sind es schwere Gedanken? Kann er sie überhaupt in Worte fassen?
Vieles geht durcheinander:
Die Sorgen um seine Kinder.
Sein Sohn liegt im Clinch mit seiner Freundin. Richtig helfen kann er ihnen nicht mehr.
Und die Welt, in der sie sich zurechtfinden müssen, wird durcheinander gewirbelt von einem kleinen Virus. Wie wird die Zukunft für sie aussehen, wenn Gesundheitssysteme an ihre Grenzen kommen und immer mehr Unternehmen in die Insolvenz geraten?
Vielleicht ist es auch die Sorge um die eigene Existenz, die ihn umtreibt. Wie bei dem Dorfwirt, der sein Gasthaus von den Eltern und Großeltern übernommen hat, und nun aufgeben muss. Was heißt das nun für ihn?
Am liebsten würde er auf und davonlaufen, einfach nur weg. Zurück in die Zeit vor Corona. In eine Zeit, in der alles einfacher war.
Ob es in biblischer Zeit einfacher war?
Es wird erzählt vom Propheten Jona. Er soll etwas tun. Er soll etwas sagen. Seit Tagen hört er es.
Immer wieder ist da die Stimme Gottes in seinem Ohr: "Mach dich auf! Geh in die große Stadt Ninive und sag den Leuten: Ihr müsst euch bessern."
Ausgerechnet "Ninive"! Die persische Metropole der Macht im Osten! Dort sind schon immer die Feinde seines Landes gewesen. Dort sind Angst und Schrecken zuhause. Und die Leute dort sind böse von Grund auf. Schon als Kind hat er das so gehört.
Die Leute in Ninive werden nicht gerade auf ihn warten. Wer hört schon gern, dass er sich ändern soll. Allein wird er eh nichts ausrichten können, sie werden ihn im besten Fall auslachen. Wahrscheinlich wird noch Schlimmeres passieren. Nach Ninive geht er auf gar keinen Fall. Darüber will er nicht einmal mit Gott reden.
Jona will möglichst weit weg. Drum steigt er in ein Schiff nach Tarsis, das liegt im Westen, also am andern Ende der Welt.
Dort will er endlich zur Ruhe kommen. Nur noch schlafen. Ja er verschläft sogar den Sturm, in den das Schiff gerät. Die Schiffsleute beten zu ihren Göttern. Aber die Wellen hören nicht auf und schlagen immer weiter. Bald wird das Schiff sinken. Seltsamerweise merkt Jona nichts davon Er schläft weiter bis ihn die Seeleute wecken.. Hinter diesem Sturm muss eine Macht stecken. Vielleicht der Gott dieses Fremden unter Deck? Jona betet nicht zu ihm. Auch jetzt nicht. Doch als der Sturm nachlässt, lässt er sich ins Meer werfen.
Und dann passiert, was die meisten von uns aus der Bibel wissen:
Ein großer Fisch kommt und verschlingt Jona bei lebendigem Leib, ohne ihm auch nur ein Haar zu krümmen. Ein Wunder! Im Bauch des Fisches ist es eng und stickig. So eng, dass er sich kaum regen kann. Aber er kann fühlen und sagen, was er fühlt.
Wir hören Jona 2, 1-11

 

Liebe Gemeinde,
drei Tage und drei Nächte ist Jona wie eingeschlossen. Da geht nichts mehr. Aber eins geht noch. "Jetzt hilft nur noch beten", vielleicht hat er so gedacht. Jona redet jetzt mit seinem Gott, er schreit sogar. Er findet Worte, die er nicht erfinden muss. Er hat sie von seinen Vorfahren gelernt: "Wogen und Wellen gingen über mich, der Erde Riegel schlossen sich über mir." Er hat Angst, dass es hier kein Zurück gibt. Eigene Worte hat er nicht. Aber er betet. Und er vertraut auf Gottes Macht, auf Gottes Kraft, die allein sein Leben retten kann. Nach drei Tagen speit ihn der Fisch wieder aus.
Im Nachhinein weiß er: Es muss Gott selbst gewesen sein, der ihm Hilfe geschickt und nach drei Tagen wieder auf die Füße gestellt hat.
Ja, eine wundersame Geschichte ist das. Und doch ist uns die Lage des Jona vertraut.
Auch wir kennen Momente, in denen es eng ist. Situationen, in denen wir keinen Spielraum haben und nichts tun können. Sorgen um die 'Allernächsten überfallen uns manchmal wie eine Welle. Sie lassen sich nicht abstellen. Sie kommen immer wieder.
Jona sucht Worte für seine Lage. Er flieht hin zu Gott mit all seiner Angst. Die Angst darf sein. Gott redet sie ihm nicht aus.
Wer sich bei Gott aussprechen kann, auch wenn er nur stammelt oder stottert, der kann spüren: Das was so übermächtig ist, was Angst macht, wird kleiner.
Jona ist verändert nach diesen drei Tagen und drei Nächten.
Wieder an Land nimmt er den Auftrag an, vor dem er davongelaufen ist. Es gelingt ihm, die Menschen von Ninive aufzurütteln, sie hören auf zu freveln, sie rufen Gott an und tun Buße.
Und Gott lässt sich erweichen. Er lässt sie leben und schenkt neue Zukunft.
Jona kann das erst gar nicht glauben. Was machst du Gott?
Das biblische Buch endet mit einer Gegenfrage Gottes an Jona: "Sollten mich diese 120000 Menschen nicht jammern, wenn sie mich rufen, diese Menschen, die nicht wissen, was rechts und links ist?"
Ein Mensch hat beim Beten Kraft bekommen. Er steht auf und redet in Gottes Namen. Und Gott wirkt durch ihn. Beten hat ihn und die Menschen von Ninive verändert und Gott schenkt ihnen eine neue Zukunft.
Nun nochmal zur Ausgangsfrage:
Beten: Bringt das etwas?
Heute hier im Gottesdienst?
Bringt das etwas für morgen, für unsere Zukunft, in der wir wohl noch lange mit der Pandemie und ihren Folgen zu kämpfen haben?
Ich kann mir vorstellen, dass uns Gott heute ähnlich zurückfragen könnte: "Sollten mich nicht die Menschen jammern hier in Sommerhausen und anderswo? All die Menschen, die manchmal nicht wissen, was rechts und links ist? Mit ihren Gedanken, die sie sich um ihr Leben und ihre Gesundheit machen; mit den Sorgen um ihre Liebsten, mit ihrer Sehnsucht nach Nähe und Gemeinschaft. Sollte ich mich nicht derer annehmen, die ich ins Leben gerufen habe?"
Stille
Das Buch Jona zeigt uns:
Gott ist einer, der sich all seiner Geschöpfe erbarmt. Darauf dürfen wir vertrauen und mit Franz von Assisi beten: O Herr, in deinen Armen bin ich sicher. Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten. Ich weiß nichts von der Zukunft. Aber ich vertraue auf dich.

 

Amen.  

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Gottesdienst
der evang.-luth. Kirchengemeinde Sommerhausen-Eibelstadt
für den Volkstrauertag, 15.November 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Denn wir müssen alle offenbar werden
vor dem Richterstuhl Christi."  2. Kor 5,10a
Predigtwort: Lukas 16,1-9

 


Liebe Gemeinde,

 

der US-Amerikaner David Benioff erzählt in seinem Roman „Stadt der Diebe“ von zwei jungen Männern während der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht von 1941 bis Januar 1944. Der 17-jährige Halbjude Lew wird von Soldaten der Roten Armee verhaftet, weil er einem toten deutschen Fallschirmspringer eine Flasche Cognac aus der Tasche genommen hat. Das galt als Plünderung und darauf stand die Todesstrafe. So landet er im Gefängnis, wo er auf den 2 Jahre älteren Soldaten Kolja trifft, der als Deserteur ebenfalls zum Tode verurteilt wurde.
Aber der Geheimdienstchef lässt die beiden nicht gleich hinrichten, sondern stellt ihnen die Aufgabe binnen sechs Tagen in der völlig ausgehungerten Stadt 12 Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter zu besorgen. Wenn es ihnen gelänge, die Eier herbeizuschaffen, dann wären sie frei.
Die Sache scheint völlig aussichtslos. Die Stadt ist von der deutschen Wehrmacht eingekesselt und es fehlt an allem. Die Menschen hungern. Woher da 12 Eier nehmen?
Mehrmals kommen die beiden in lebensbedrohliche Situationen. Aber durch Koljas Unverfrorenheit, seine Redegewandtheit und auch Durchtriebenheit und durch Lews Meisterschaft im Schachspiel schaffen die beiden es schließlich nicht nur, zu überleben, sondern tatsächlich auch noch, die geforderten Eier aufzutreiben.
Benioff beschriebt, dass unter solch ungewöhnlichen Bedingungen wie Krieg, Belagerung und Todesgefahr, dass da andere Maßstäbe gelten. Gut bleibt gut und falsch bleibt falsch aber zuallererst geht’s da ums nackte Überleben.
Und darum geht es auch in Gleichnis Jesu. Auch für den Verwalter geht’s ums Überleben – wirtschaftlich und gesellschaftlich!
Wir erfahren nicht, was damit gemeint ist, dass er den Besitz seines Dienstgebers „verschleudert“ hat. Ob er sich wirklich etwas hat zuschulden kommen lassen, ob er wirklich Gelder unterschlagen hat oder vielleicht auch nur zu weich war und aus den Untergebenen nicht das Letzte herausgequetscht hat, das bleibt offen. Das ist für den Fortgang der Geschichte aber auch nicht entscheidend.
Jedenfalls wird er gefeuert, ist seinen Job los und wird so schnell auch nichts mehr finden in dieser Richtung. Es geht also um seine Zukunft.
Und was tut er nun? Er lässt die Schuldner, mit denen er im Auftrag seines Herrn Geschäfte gemacht hat antanzen und gemeinsam ändern sie die Schuldscheine. Sie reduzieren einfach die darauf vermerkte Schuldsumme. Die Schuldner müssen weniger zurückzahlen.
Nun klingen die Zahlen da zwar ziemlich bescheiden – da sind wir bei den Summern, die derzeit im Zusammenhang mit Corona-Hilfsgeldern verhandelt werden ganz andere Summer gewöhnt, aber für damalige Verhältnisse waren das schon ordentliche Beträge.
Der Verwalter tut das, weil er sich Freunde machen will. Er weiß, an wessen Tür er später, wenn er entlassen ist, einmal anklopfen kann. Er weiß, wer ihm den einen oder anderen Gefallen schuldet.
Und das Skandalöse an diesem Gleichnis ist, dass Jesus diesen betrügerischen Verwalter am Ende sogar lobt: „Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.“
Das ist nun schon ein starkes Stück! Da geht’s um Betrug, Urkundenfälschung und Unterschlagung im großen Stil und das wird auch noch gelobt. Was soll nun solch eine Skandalgeschichte ausgerechnet am Volkstrauertag?
Nun, ich glaube, um wirklich zu verstehen, worauf es Jesus ankommt und wo er hinauswill, da muss man genauer hinschauen. Jesus lobt hier ausdrücklich nicht, das Urkundenfälschen und Geldunterschlagen, das wäre ja auch ein absolutes Unding, nein, sondern was Jesus lobt, das ist die Tatsache, dass dieser Verwalter den Ernst der Stunde erkannt hat. Darauf kommt es an und das ist brandaktuell.
Er hat gemerkt: Jetzt muss ich handeln, sonst ist es zu spät. Er lässt nicht den Kopf hängen und sagt deprimiert: „Es ist eh zu spät, da kann man nichts mehr machen!“ Sondern er ergreift die Chance, die er jetzt noch hat.
Eigentlich wollte ich heute nicht schon wieder auf Corona zu sprechen kommen, da wir alle das wohl kaum mehr hören können. Aber diese Geschichte, die Jesus da erzählt ist eben auch in dieser Hinsicht brandaktuell: Jetzt geht es darum, zu tun was wir könne. Jetzt heißt es Maske tragen und Abstand halten und auf manches zu verzichten, auch wenn es schwer fällt. Darum haben Bürgermeister Willi Saak und ich lange überlegt, wie wir diesen Gottesdienst und diese Gedenkstunde zum Volkstrauertag so organisieren, dass das Risiko so gering wie irgend möglich ist.
Und genau das ist es, was Jesus uns ins Stammbuch schreibt: Er lobt nicht den Betrug, den der Verwalter begangen hat, sondern seine Energie und seine Entschlossenheit.
Jesus sagt: Verschenke und vergeude doch nicht die Gaben und Möglichkeiten, die dir gegeben sind! Die Talente und Chancen, die Gott dir anvertraut hat. Setze sie ein! Setze sie jetzt ein!
Das Leben ist wertvoll, es ist wertvoll, weil es begrenzt ist. Es ist viel zu wertvoll, um es einfach hinzuschmeißen.
So ist es übrigens auch in dem Roman von David Benioff: Dieser Lew und sein Freund Kolja nützen die Gunst der Stunde, um ihr Leben zu retten. Sie bringen ihre eigenen Gaben ein: das Schachspiel, die Wortgewandtheit, die Freundschaft.
Und auch wir sollen unsere Gaben und Talente nützen und das Beste aus unserem Leben und den uns anvertrauten Gaben machen.
Jesus ist kein weltfremder Träumer. Er weiß, wie es zugeht in unserer Welt. Und deshalb wählt er ein Beispiel aus der knallharten Geschäftswelt, wo manchmal mit harten Bandagen gekämpft wird.
„Wenn ihr schon rechnen müsst!“, so sagt er, „Wenn ihr schon rechnen müsst in einer durch und durch geschäftigen Welt, dann rechnet wenigstens richtig. Dann rechnet damit, dass irgendwann einmal abgerechnet wird. Dass einmal alles auf den Tisch kommt, wirklich alles, dass einmal alles offenbar werden wird vor dem Richterstuhl Jesu Christi. Das Leben ist weder eine Schnäppchenjagd in der Fundgrube, wo es darum geht, möglichst günstige Angebote einzufahren noch ist es ein ewiger Funpark, wo du möglichst viel Spaß haben sollst. Das kann nicht der Sinn des Lebens sein. Ganz gewiss nicht.
Wer so lebt und handelt, der wird irgendwann unweigerlich gewaltig auf die Nase fallen.
Rechne vom Ende her.
Das hat der Verwalter begriffen und drauf kommt es an.
Hab‘ das Ende im Blick.
Rechne so, dass ganz am Ende, dass vor dem Richterstuhl Gottes viele Menschen aufstehen werden und dir freudig die Hand reichen.
Die Geschichte von Lew und Kolja hat übrigens leider kein Happy End. Während Lew den Krieg übersteht und sogar die Liebe seines Herzens wiedertrifft, wird Kolja von den eigenen Leuten angeschossen und stirbt, bevor die Belagerung der Stadt ein Ende findet.
Aber anders als im Roman wird uns Christinnen und Christen im Gleichnis wirklich ein Happy End verheißen: Da werden sich die Kinder des Lichts als die Klügeren herausstellen, weil sie ihre Kraft, ihre Phantasie, ihre Möglichkeiten dafür einsetzen, sich Freunde zu machen, solange Gott noch Zeit gibt dafür.

 

Schenke uns Gott, dass wir diese Chance auch ergreifen.
AMEN

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Festgottesdienst zur Goldenen Konfirmation
St. Bartholomäus, Sommerhausen
8. November 2020
Pfarrer Jochen Maier

Kind schaukelt
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt

 

„Dennoch bleibe ich stets an dir;
Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“
Psalm 73,23

 

 

Liebe Goldenen Konfirmanden, liebe Gemeinde,

 

ein eher unbekannter Maler bekam einmal von einem reichen Industriellen den Auftrag, „das Leben“ zu malen, einfach das Leben, wie es halt so ist. Der Künstler nahm den Auftrag an und hat versprochen, sich unverzüglich ans Werk zu machen. Der Industrielle war natürlich nun gespannt, was der Maler wohl auf die Leinwand bringen würde. „Vielleicht einen Baum“, dachte er bei sich - den Baum des Lebens mit tiefen Wurzeln, weit ausladend, oder einen Weg, den Lebensweg, manchmal steinig, manchmal steil und manchmal einladend und bequem oder vielleicht eine Flusslandschaft,  der Fluss, das Wasser als Symbol für den Ursprung und die Quelle allen Lebens.
Vieles hätte der Industrielle sich vorstellen können, aber als der Künstler ihn dann schließlich zur Staffelei führte und ihm das entstandene Ölgemälde zeigte, da staunte er dann doch nicht schlecht.
Denn der Künstler hatte keinen Baum gemalt, auch keinen Weg oder Flusslauf - sondern: eine Schaukel!
Ja, meinte der Maler, eine Schaukel versinnbildlicht für mich am besten das Leben! Und darum hängt heute hier auch eine Schaukel!
Die Schaukel auf dem Bild des Künstlers hing nicht starr nach unten, sondern nahm Anlauf zum Aufschwung. Und der Künstler meinte: „Wenn Kinder auf der Schaukel sitzen oder wenn Verliebte darauf sitzen, dann ist sie ständig in Bewegung, so wie alles im Leben. Ihr Prinzip ist das Auf und Ab, so wie die Höhen und Tiefen, die in jedem Leben vorkommen.“
Liebe Goldenen Konfirmanden! Als sie damals vor 50 Jahren, am 22. März 1970 von Pfr. Arno Schneider hier konfirmiert wurden, da war Ihre Lebensschaukel so richtig im Aufschwung.
Das Leben lag vor Ihnen, das Ende der Schulzeit war in greifbare Nähe gerückt. Das waren ja schon auch bewegende Zeiten, so um 1970 herum: Manche Mädchen, so haben Sie mir erzählt, haben bei der Konfirmation ein Blumenkränzchen getragen – andere haben das entschieden abgelehnt. Eine Zeit im Wandel
In 50 Jahren ist eine Menge geschehen - in der großen weiten Welt, und vielleicht noch mehr im eigenen Leben.
Die USA hatten auch damals ihre Probleme – da war der Vietnam-Krieg!
1970 war aber auch das Jahr, in dem Willi Brand seinen berühmten Kniefall tat vor dem Warschauer Ghetto-Ehrenmal.
Aber auch in anderen Bereichen gab es gewaltige Veränderungen: Dass zum Beispiel viele oder die meisten einmal privat daheim einen Computer oder gar mehrere stehen haben würden, das war undenkbar. Das Telefon hatte damals noch selbstverständlich ein Kabel, hing bei vielen an der Wand und im Fernseher liefen höchstens drei Programme und die auch noch meist in Schwarzweiß!
Sie, liebe Jubilare, sind damals so nach und nach den Kinderschuhen entwachsen - die Mädchen meist etwas früher, die Jungs haben das dann aber wohl schnell nachgeholt.
Sie haben dann die Schule abgeschlossen, viele haben eine Ausbildung gemacht, sind ins Berufsleben eingetreten. Manche haben geheiratet, manche eine Familie gegründet und viel von Ihnen haben inzwischen auch Enkelkinder.
Jeder und jede von Ihnen ist seinen ganz eigenen und persönlichen Weg gegangen. Und manches kam wohl auch anders, als sie es mit 14 gedacht haben.
Und wahrscheinlich war es wie bei der Schaukel: Da geht es nicht immer nur aufwärts, sondern da gibt es auch Tiefs. Niemand bleibt im Leben von Enttäuschungen, Leid und bitteren Erfahrungen verschont. Aber in allem Leid und in allen bitteren Erfahrungen dürfen wir wie auf der Schaukel doch wissen: Es geht auch wieder aufwärts.
Wer sich vor dem Schmerz, dem Leid und den bitteren Erfahrungen schützen möchte, der muss auf das Leben verzichten! Wer sich auf eine Schaukel setzt und sie im Ruhezustand belässt, der erfährt nichts von der Freude und dem Spaß eines Kindes, wenn es immer höher schwingt - dem Himmel entgegen!
Die Schaukel wird erst dann zur Schaukel, wenn sie in Bewegung gesetzt wird. Sonst ist sie nichts anderes, als eine Sitzbank!
So ist das auch mit dem Leben: Erst wenn wir uns auf das Leben mit seinem Leid, seinem Schmerz und seinen bitteren Erfahrungen einlassen, dann erst bekommen wir auch die schönen Dinge geschenkt: die Freude, das Glück und die Liebe!
Und wenn wir Kinder beim Schaukeln beobachten, dann sehen wir, dass die Hochs überwiegen: Auf zwei Hochs, nämlich vorne und Hinten kommt ein Tief! Das Gute also überwiegt und das kann uns doch auch ermutigen, was das Leben betrifft.
Aber den wichtigsten Punkt, den habe ich bisher ausgespart: Das ist nämlich der da oben, dort, wo die Schaukel befestigt ist. Wenn wir glücklich und zufrieden leben wollen, wenn wir nicht nur die Zeiten des Glücks der Liebe und der Zufriedenheit erleben wollen sondern die Zeiten des Leids und der bitteren Erfahrungen in Gelassenheit und Ruhe durchstehen wollen, dann brauchen wir Vertrauen ins Leben.
Dann brauchen wir einen festen Halt im Leben.
Einen Halt, den wir uns nicht selbst geben können, sondern der uns gegeben wird.
Dann brauchen wir Gott.
Davon bin ich fest überzeugt.
Wenn Sie genau hinschauen, dann sehen Sie, dass das Seil dieser Schaukel schon etwas in die Jahre gekommen ist. Das war bei uns im Garten Jahrelang der Sonne, den UV-Strahlen ausgesetzt - das muss mal wieder erneuert werden.
So ist es auch mit dem Glauben: Der kann auch nicht für alle Zeit konserviert werden, der muss genauso gepflegt, und erneuert werden wie diese Seil.
Glaube ist etwas Lebendiges - und wenn der Glaube erstarrt, dann stirbt er ab.
Damals, bei Ihrer Konfirmation wurde Ihnen hier vorne am Altar der Segen Gottes zugesprochen und ich hoffe, dass sie diesen Segen, diesen Halt immer wieder auch gespürt haben im Auf und Ab ihres bisherigen Lebens.
Dennoch bleibe ich stets an dir; Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“
Diesen Vers aus Psalm 73 möchte ich Ihnen heute zusprechen. Dennoch bleibe ich stets an dir; Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“
Trotz allem manchmal Schweren und Belastenden möchte ich an Gott festhalten weil er mich hält. Weil er mich nicht fallen lässt.
Das ist es, was zählt.
In der Hand Gottes können wir umfallen, krank werden, wir können straucheln und bittere Erfahrungen bleiben uns nicht erspart. Aber eines, eines können wir nicht: Wir können nicht aus dieser Hand Gottes herausfallen. Er hält uns, egal was kommen mag so wie er Sie auch bisher auf Ihrem Lebensweg gehalten hat.
Die Schaukel ist also ein Bild für das Leben - ein ständiges auf und ab. Wenn du im Aufschwung bist und Erfolg hast und im Hoch der Gefühle bist, dann sei dir bewusst: es kann nicht immer nur aufwärts gehen, es kommt auch wieder der Umschwung. Und wenn du auf dem Weg nach unten bist, dann halt dir das Bild der Schaukel vor Augen und sag dir: Eine Fahrt ins Tief ist gleichzeitig der Anlauf für den Aufschwung. Und wenn du länger unten im Tief hängst, dann vertraue darauf: Auch im Tief wirst du von oben gehalten und nicht fallen gelassen.
Dennoch bleibe ich stets an dir; Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“
So sei es.
AMEN     

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Kirchweihpredigt für Montag, den 05. Oktober 2020
Pfarrer Jochen Maier

 
Heiliger Bartholomäus
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.“
Psalm 84, 2-3

 

 
Liebe Kirchweihgemeinde,

 

nach einer Taufe fragte mich einmal ein Vater, was das denn für ein
eigenartiges Bild sei und zeigte auf die Bartholomäusdarstellung
drüben an der Südwand.
Seine Tochter habe die ganze Zeit da rüber geschaut und auch er
würde nicht recht schlau aus diesem Bild.
Ich erzählte ihm dann, dass das der Heilige Bartholomäus sei,
der Namenspatron unserer Kirche.

 

Das Bild stammt von Curt Lessig, einem letztes Jahr im Mai im hohen Alter von 94 Jahren verstorbenen Würzburger Künstler. Geboren wurde Curd Lessig zwar mit seinem Zwillingsbruder am 24.11.1924  in Stuttgart, aber  beide Eltern stammten aus Würzburg, genauer aus Grombühl und dort ist er dann auch in recht einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Er lernte Kirchenmaler, wurde dann aber noch zur Wehrmacht eingezogen.
Nach dem Krieg studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München und wurde freischaffender Künstler. Sein künstlerischer Schwerpunkt lag auf der Gestaltung von Glasfenstern, aber er war auch Maler und Grafiker, hat also mit unterschiedlichen Materialien und Techniken gearbeitet. Er hat ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen – war in Bundeswehrkasernen tätig und in Aussegnungshallen, in Kirchen und in Schulen.
Das Werk hier in unserer Kirche war wohl eine Spende von Goldenen Konfirmanden und kam 2001 hierher in unsere Kirche.
Ob das nun vom Stil her in unserer Kirche passt oder nicht – es zeigt den Namenspatron unserer Kirche und die alten Märtyrerlegenden sind ja oft so grausam, dass sie heute unter das Jugendschutzgesetz fallen würden – so auch die Legenden, die von Bartholomäus erzählen.
Der Name ist hebräisch und bedeutet Bar-Tolmay – also Sohn des Tholmai. Im Neuen Testament wird er nur in den sogenannten Apostellisten erwähnt (Mt 10, Mk 3 und Lk 6). Manches setzen ihn gleich mit dem Nathanael aus dem Johannesevangelium, den Jesus einen „wahren Israeliten ohne Falsch“ nennt. Dann wäre Nathanael der Eigenname und Bar-Tholmai so etwas wie der Familienname, der Herkunftsname. Aber das wissen wir schlicht nicht.
Der Legende nach soll er in Indien, Mesopotamien und vor allem in Armenien als Zeuge Jesu Christi das Evangelium gepredigt haben. Dort in Armenien soll er dann auch das Martyrieum erlitten haben, das heißt er wurde um seines Glaubens willen ermordet. Ein gewisser Astyages soll den Befehl gegeben haben, ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen und ihn anschließend kopfüber zu kreuzigen. Darum ist sein Symbol das Schindermesser. Auch hier auf Curt Lessigs Bild hat er das Messer in der Hand und trägt seine eigene Haut über dem Arm, man erkennt sogar das Gesicht darin!
Michelangelo hat ihn so auch in der Sixtinischen Kapelle in Rom bei seiner Darstellung des Jüngsten Gerichtes gemalt. Dabei gilt dort das Antlitz auf der abgezogenen Haut als Selbstbildnis Michelangelos.
Eine fürwahr grausame Geschichte! Kaiser Otto III ließ seine angeblichen Gebeine 983 nach Rom bringen, wo sie seither in der Kirche San Bartholomeo all’Isola aufbewahrt werden. Daraufhin wurde Bartholomäus zum Patron vieler deutscher Kirchen von Frankfurt bis Nürnberg und von Berlin bis zu St.Bartholomä Königssee.
Wie Bartholomäus nun nach Sommerhausen kam, das weiß ich nicht. Vielleicht hat es früher hier auch eine Reliquie von ihm gegeben – damit wurde im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein ja ein schwunghafter Handel getrieben. Jedenfalls gab dieser Bartholomäus unserem Ort ja sogar seinen ersten Namen und dann, wegen des Heiligentages am 24. August, also im Sommer, den Namen Sommerhausen. Man kann also schon sagen, dass er prägend war für unseren Ort. Und sein Symbol des Messers findet sich ja heute noch auf den Grenzsteinen!
Bartholomäus gilt als Patron zahlreicher Handwerksberufe – vom Metzger bis zum Buchbinder, vom Schuhmacher bis zum Sattler. Und er gilt - neben einigen anderen – als einer der Patrone der Winzer – und das passt dann ja wieder hierher nach Sommerhausen.
Über das Leben dieses Bartholomäus wissen wir sonst gar nichts. Es gibt zwar ein apokryphes Bartholomäusevangelium, das aber lange nach den biblischen Evangelien entstanden ist und wohl in das Reich der Legenden zu verbannen ist.
Jedenfalls scheint er einer gewesen zu sein, der seinen Glauben sehr ernst genommen hat und sein Leben der Verbreitung des Evangeliums geweiht hat. Er starb für seinen Glauben!   
Curt Lessig hat ihn hier als aufrechten Menschen mit großen Augen dargestellt. Ernst schaut er drein, hat ein schmales Gesicht. Aber die Feinde konnten ihn nicht beugen, Leid und Schmerz nicht brechen. Er hatte immer einen Halt, so deute ich seine aufrechte Haltung.
Im Hintergrund sehen wir verschiedenfarbige Felder, etwas braun, blau, viel schwarz und was auffällt: Das rote Feld links hinter seinem Haupt. Rot ist die Farbe der Liebe aber auch die Farbe der Kirche, darum hänget heute dir roten Paramente an Kanzel und Altar. Um das Haupt des Heiligen ist der Heiligenschein, der Nimbus angedeutet. In der Linken hält Bartholomäus das berühmte Messer und die Linke ist wie zur Mahnung erhoben. So als wolle er sagen:
Mensch vergiss deine Wurzeln nicht! Vergiss deinen Glauben nicht!
Die Heiligenverehrung spielt in unserer evangelischen Kirche keine große Rolle. Wir beten sie nicht an, sehen in ihnen auch keine Mittler zwischen uns und Gott.
In der Confessio Augustana heißt es im 21. Artikel: Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen, ein jeder in seinem Beruf.
Vorbilder im Glauben und im Leben sollen sie sein, die Heiligen. Das kann nun nicht heißen, dass wir solche ein grausames Schicksal, wie das des Bartholomäus auf uns nehmen müssen, aber von seiner Glaubensstärke würde uns allen wohl die ein oder andere Scheibe nicht schaden!
Unser Glaube soll nicht nur hier im Kirchenraum seinen Ort haben, sondern er will ausstrahlen in unser Leben, unser Handeln, unser Denken und Hoffen.
Sie daran immer wieder erinnern zu lassen, das kann uns wohl nicht schaden!
AMEN

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Kirchweihpredigt für Sonntag, den 04. Oktober 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.“
Psalm 84, 2-3

 

 

Liebe Kirchweihgemeinde,

 

eine kleine jüdische Geschichte erzählt davon, wie ein junger Mann einmal zum Rabbi, dem jüdischen Lehrer kam und ihn fragte: „Rabbi, Lehrer, ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagst: Wo wohnt Gott?“ Der Rabbi antwortete ohne zu zögern: „Und ich gebe dir zwei Gulden, wenn du mir sagen kannst, wo er nicht wohnt!“
Ja, liebe Kirchweihgemeinde, wo wohnt Gott?
Was hättet Ihr, was hätten Sie geantwortet?
Vielleicht: Gott wohnt im Himmel! Oder: Er wohnt hier in der Kirche, im Gotteshaus. Oder so wie der weise jüdische Rabbi: Er wohnt überall, in der Natur, in der Schöpfung, es gibt keinen Ort, wo er nicht wohnt.
Liebe Gemeine, merkwürdiger Weise ist das alles richtig! Gott wohnt im Himmel. Das meint natürlich nicht den manchmal grauen und manchmal weiß-blauen Himmel über uns, sondern das meint eine andere Wirklichkeit. Wir können Gott mit unseren Augen nicht sehen, ihn nicht hören, ihn nicht begreifen – er übersteigt unseren Verstand, unsere Möglichkeiten. Wir können Gott nicht beschreiben, ohne ihn auf unsere irdischen Möglichkeiten zurechtzustutzen. Und doch ahnen wir, glauben wir, vertrauen dir darauf, dass es da eine andere Wirklichkeit gibt, die viel größer, viel umfassender ist als das, was wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten begreifen können.
Es gibt ein altes mongolisches Sprichwort, das sagt; „Ein Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand.“  Das heißt, er hat nicht die leiseste Ahnung von der unendlichen Weites des Himmels. Er glaubt, es gibt nur das, was er von seinem Brunnenloch aus sieht. Ein Mensch, der sagt: Es gibt nur das, was ich sehe, der verhält sich im Grunde genauso. Nur wer die Sehnsucht nach dem Unendlichen in sich trägt, nur wer sich mit der Begrenztheit unserer sichtbaren Welt nicht abfindet, nur der kann die Größe Gottes wahrnehmen. Nur der versteht was es heißt: Gott wohnt im Himmel.
Und doch stimmt auch die andere Antwort: Gott wohnt in der Kirche. Eine Kirche ist ein besonderer Ort und darum feiern wir ja Kirchweih: Wir sind dankbar, dass wir diesen Ort, dass wir unsere wunderbare St.Bartholomäuskirche haben und dass Gott hier wirklich Wohnung nimmt. Als die Altvorderen sich Mitte des 13. Jahrhunderts ans Werk gemacht haben, diese Kirche zu bauen, die erste Kirche hier an diesem Ort zu errichten, da war das schon eine gewaltige Leistung. Sie taten das mit einfachsten Mittel und viel Einsatz an Kraft, Energie und auch Geld. Da gab es noch kein Rathaus, kein Schloss und keine Stadtmauer, da waren wohl die meisten Wohnhäuser noch aus Holz. Das Kirchschiff wurde zweimal durch einen Neubau ersetzt – der Turm aber stammt zumindest in seinem unteren Teil noch aus dieser Gründungszeit – ist also rund 750 Jahre alt – was hat er in all den Jahren nicht schon alles gesehen!
Sie also schon etwas ganz Besonderes, unsere St. Bartholomäus-kirche, ein Juwel und wir dürfen zurecht stolz darauf sein – und das an der Kirchweih auch feiern – wenngleich in diesem Jahr in bescheidenem Rahmen.
Ich sehe das ja vom Pfarrhaus aus, wie viele Menschen unsere Kirche besuchen. Die kommen her, schauen sich um. Manche werfen nur einen kurzen Blick herein, manche interessieren sich nur für die Architektur, die Kunstgegenstände – und manche sind auch enttäuscht, sie sehen das Lutherbild und sagen: Ach, die ist ja evangelisch!
Viele aber gönnen sich hier auch etwas Ruhe, setzten sich in eine Bank und genießen die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Wir sehen das auch daran, dass die Spruchkärtchen und Texte, die da auf dem kleinen Tischchen ausliegen, dass sie reißenden Absatz finden, wir müssen ständig nachliefern und immer wieder schreiben Menschen ins Gebetbuch oder zünden hier eine Kerze an.
Ja: die Kirche ist ein Ort, wo Gott wohnt, wo wir ihm in besonderer Weise nahe sein können und wir haben an Kirchweih allen Grund, für dieses schöne Gotteshaus von Herzen dankbar zu sein!
Aber auch die dritte Antwort stimmt: Gott wohnt überall! Er wohnt im Summen der Bienen, dem Zwitschern der Vögel, in den Bäumen und Blättern, im Wasser und im Wind. Er wohnt in der Natur und er wohnt in dir und mir, in uns Menschen. So sagt es Paulus den Athenern: „Fürwahr, er, Gott, ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“
Das Evangelium, das wir vorhin gehört haben, das gibt nun noch einmal eine andere Antwort auf die Frage: Wo wohnt Gott? Diese Erzählung von der Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus ist ja nicht von ungefähr für den Kirchweihtag ausgewählt worden.
„Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch“. So beginnt diese Erzählung. Wo Jesus hineingeht, da wohnt Gott, so könnte man es auf den Punkt bringen. Denn in Jesus wohnt Gott. Oder anders: In Jesus wohnt Gott bei den Menschen.
Und das hat Zachäus begriffen. Gott ist da und das verändert das Leben des Zachäus: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Wo Gott wohnt, da verändert sich das Leben der Menschen – es verändert sich zum Guten.
Da kehren Menschen um, sie ändern die Richtung. Sie versuchen gut zu machen, was falsch gelaufen ist.
Ich möchte noch einmal zurückkommen auf die kleine Geschichte vom Anfang und der Frage an den weisen Rabbi, wo denn Gott wohne. Nach einer anderen Version der Geschichte hat der weise Rabbi geantwortet: „Gott wohnt, wo man ihn einlässt!“  Und ich denke, das ist die beste Antwort!
Gott wohnt, wo man ihn einlässt. Gott wohnt nicht deshalb hier in diesem Gotteshaus, weil Menschen es so genannt, so bestimmt  haben. Weil es hier einen Altar gibt, eine Kanzel, eine Orgel. Gott wohnt in diesem Gotteshaus, weil, wenn und insofern seiner Gegenwart hier Raum gegeben wird. Wenn Menschen hier nach ihm fragen und suchen, wenn hier Gottes Wort gepredigt wird, wenn hier Menschen in seinem Namen getauft und Ehen eingesegnet werden. Wenn hier Brot und Wein im Heiligen Abendmahl geteilt werden. Gott wohnt in diesem Gotteshaus dann, wenn Menschen hier ihre Herzen für ihn öffnen. Wenn sie darum bitten: Herr komm auch zu mir, kehre bei mir ein.
Unser Herz und unser Leben, unser Leib und unsere Seele, sie sollen Gottes Wohnung sein.
Gott wohnt, wo man ihn einlässt – lassen wir ihn doch ein! Bitten wir ihn um seine Gegenwart.
AMEN

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Gottesdienst für den 15. Sonntag nach Trinitatis, 20. September 2020
Pfarrerin Irene Maier


 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: "Alle eure Sorgen werft auf ihn;
denn er sorgt für euch." 1.Ptr.5,7
Predigttext: Gen 2, 4b-9.15

 

 

 

 Liebe Gemeinde,

"Das kann doch wohl nicht alles gewesen sein", sagt einer im mittleren Alter. "Ja vieles hab‘ ich mir aufgebaut und erreicht bisher, ich hab ja auch tagtäglich dafür geschuftet... aber jetzt trete ich scheinbar auf der Stelle, es gibt nichts, was mich noch antreibt und motiviert... "
Auch ältere Menschen wissen manchmal nicht mehr um den Sinn und Zweck ihres Daseins. "Seit ich im Ruhestand bin, habe ich keine Aufgaben mehr. Das fehlt mir einfach.", so hör ich das hin und wieder.
Warum sind wir Menschen und diese Welt überhaupt da? Was gibt meinem Dasein in dieser Welt einen Sinn? Das fragen Menschen schon in früheren Zeiten.  Und in Geschichten geben sie Antwort auf diese Frage. Eine dieser Geschichten ist die sog. 2. Schöpfungserzählung, unser heutiges Predigtwort.
Sie erzählt uns etwas darüber, warum wir da sind und wo wir hingehören. Ich lese aus dem ersten Buch Mose im 2. Kapitel:

 

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.
5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. 7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. 9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen …..
15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

 

Liebe Gemeinde, die eben gehörte Geschichte ist eine Glaubensaussage. Sie erzählt von Gott, der sich wie ein Töpfer eine Welt erschafft. Erst sorgt er für seinen Werkstoff. Deshalb erschafft er Himmel und Erde. Danach lässt er regnen, damit der staubige Ackerboden befeuchtet wird und die Erde formbar ist. Danach schafft er aus der Erde vom Ackerboden den Menschen.
Alles zielt darauf, den Menschen zu erschaffen. Das ist des Schöpfers Plan. Gott gibt sich nicht mit sich selbst zufrieden, er will nicht allein bleiben. Er will sich ein Gegenüber schaffen, das sich mitfreut, mitdenkt und mitfühlt. Gott will sich mitteilen, will sich schenken.
Darum hat Gott uns geschaffen. Darum sind wir da, weil Gott es mit uns zu tun haben will. Und das macht uns unglaublich wertvoll. "Du bist von Gott gewollt", das gilt jedem Menschen ausnahmslos. Das gilt dir, der du gerade nicht vorwärts kommst oder dir, auch wenn du gerade keinen Sinn in deinem Leben siehst.
Von der Erde ist der Mensch genommen. Von der „adamah“ sagt der hebräische Text. Darum heißt der Mensch auch Adam. Der erste Mensch genauso wie jeder nach ihm. Für die Bibel ist jeder von uns Adam. Jeder ist ein Teil der Erde. Wir sind Erde, Materie. Und Materie ist endlich, ist vergänglich. Gleich im Kapitel nach unserm Predigtwort sagt Gott zum Menschen: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden.". Das wird uns bei jeder  Beerdigung schmerzlich bewusst, wenn wir den Körper eines lieben Menschen der Erde zurückgeben müssen.
Erde, Materie ist der Mensch und doch ist er noch weit mehr. Ja er wird viel mehr durch Gott. Denn: "Gott blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase!" Gott kommt dem Menschen ganz nah und haucht ihm den Atem ein. So ist Gott in mir, in dir und wir leben aus ihm. Also ist mein Leben, das ich jetzt führe eine Gabe, ein Geschenk Gottes. Durch seinen Atem schenkt mir Gott Leben und Lebendigkeit. Die Kraft meines Lebens kommt von ihm und nicht aus mir selbst.
Durch das Atmen sind und bleiben wir lebendig. So fährt der biblische Erzähler fort. Etwa 20000 Mal atmen wir in 24 Stunden und wir halten es nur kurze Zeit ohne Atmen aus. Atmen ist ein ganz selbstverständliches Bedürfnis.
Es ist auch viel mehr als nur Luftaustausch.
Wir wissen, dass die Art und Weise, wie wir atmen, etwas über unser seelisches Befinden aussagt. Das verraten ja nicht zuletzt unsere Redewendungen, wie “das hat mir den Atem verschlagen“, oder zieht sich etwas lange hin, dann sagen wir, „es hält uns in Atem“. Es gibt Momente, die wir als atemberaubend beschreiben. Und wenn wir aufatmen können, leben wir auf, fassen wieder Mut und Zuversicht.
Atmen kann auch therapeutisch wirken. Mit dem Ausatmen können wir loslassen, was uns beschwert und bedrückt. Wenn wir bewusst ein- und ausatmen werden wir ruhiger, gelassener. Die Anspannung lässt nach. Verspannung kann sich lösen.
Das Atmen macht uns zu lebendigen Wesen, heißt es in der Schöpfungserzählung. Deshalb können wir uns bewegen und handeln. Wir können sprechen, weil Luft an unsere Stimmbänder gelangt. Wir können Worte finden, die es uns möglich machen, mit anderen in Beziehung zu treten.
Das Atmen verbindet uns untrennbar mit unseren Mitgeschöpfen. Denn sie sind genauso wie wir auf dieselbe Luft angewiesen. Sie gehören zur gleichen Erde, zur gleichen Welt. Da wollen sie leben wie wir. Was ihnen gut tut, tut auch uns gut. Was ihnen schadet, schadet über kurz oder lang auch uns.
Zu unseren Mitgeschöpfen gehören die Pflanzen. Ohne sie wäre die Erde unendlich öde und unsere Luft wäre noch stärker belastet. In der Photosynthese entwickeln Pflanzen und Bäume den Sauerstoff. So versorgen sie alle anderen Geschöpfe mit guter Luft zum Atmen.
Das Evangelium handelt von Gottes Sorge für uns Menschen. Unter diesem Leitwort kann auch das Predigtwort gelesen werden.
Gott sorgt für die Existenz des Menschen. Er sorgt, dass dieser atmen kann. Und er gibt ihm einen Raum zur Entfaltung. Denn es heißt: "Er setzte ihn in den Garten Eden." Eden kann sowohl "Oase in der Wüste" als auch "Garten der Wonne" bedeuten. Ein paar Verse weiter heißt es, dass der Garten Adam entzückt. Alles ist verlockend anzusehen und gut davon zu essen.
Ich denke, das gilt für jeden Garten bis in unsere Tage. Viele von uns haben einen Garten am Haus und wissen, wie wohltuend es sein kann nach einem langen Arbeitstag im Garten zu stehen, die frische Luft einzuatmen, zu staunen über die Farbenpracht der Blumen, Beeren, Sträucher und Bäume. Gerade zu Coronazeiten war und ist es ein großes Geschenk, einen Garten zu haben oder die Weinberge in der Nähe. Bald beginnt sich wieder alles zu verfärben und die Blätter leuchten in allen Nuancen von Braun- bis Gelbtönen. Besonders wertvoll ist ja auch ein grüner Park für die Menschen in der Stadt, in Würzburg ist der Ringpark so eine Oase im Häusermeer. Ein Stück Erde, das Freude schenken kann.
So ist der Garten der Inbegriff von Erholung und Freiheit. Mit dem Garten sorgt Gott für Adam, also für einen jeden Menschen.
Und wenn wir gerade jetzt im Herbst wieder sehen und staunen, wie viele Früchte Gott hat wachsen lassen, trotz wenig Regen und trotz der Fröste im Frühjahr, dann ist das mehr als ein Zeichen dafür, dass Gott uns in dieser Welt nicht allein lässt, sondern noch immer für uns sorgt.
Mit all dem will er uns heute, wie den Menschen damals Lust machen, nun auch selber Verantwortung und Sorge für seine Schöpfung zu tragen. Bebauen und bewahren, lautet der Auftrag,   d.h. Sorge tragen, dass Pflanzen, Tiere und Menschen so zusammenleben können, ohne sich gegenseitig zu zerstören.
Bebauen und bewahren!
Junge Menschen, voran Greta Thunberg erinnern an diesen Auftrag, der auch in der Corona-Krise nicht vergessen werden darf.
Fürsorge tragen füreinander und für alles, was lebt, das braucht keine Last zu sein. Es kann uns vielmehr eine Ahnung davon geben, wozu wir da sind und zu wem wir gehören.
Denn „Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, damit wir auf ihr die Zeit bestehn.“
Amen

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Gottesdienst zum Bringen der ersten Trauben am 06.09.2020 mit dem
Landesbischof der evang.-luth. Kirche in Bayern und Ratsvorsitzenden der EKD,
Prof. Dr. Heinrich Bedford–Strohm

 

 

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Gottesdienst für den 7. Sonntag nach Trinitatis, 26. Juli 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Engel
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." Epheser 2,19
Predigttext: Hebräer 13,1-3

 

„Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten,
weil auch ihr noch im Leibe lebt.“

 

 

 

Liebe Gemeinde,
 
ungefähr 280 mal werden Engel in der Bibel erwähnt – so habe ich gelesen, nachgezählt habe ich es nicht. Aber unter allen Stellen die mir geläufig sind, ist mir die, die uns da heute aufgegeben ist besonders lieb. Engel, die Boten von Gottes Nähe können ganz unscheinbar sein. Man kann sie leicht übersehen. Den Boten des Heiligen sieht man ihre Heiligkeit nicht unbedingt an. Wer sie nicht verpassen möchte, der braucht einen offenen Blick und ein offenes Haus.
Wenn der Hebräerbrief dazu auffordert, gastfrei zu sein, um den Besuch eines Engels nicht zu versäumen, dann erinnert er damit an eine Geschichte aus dem Alten Testament. Da wird im 1. Buch Mose erzählt, wie Abraham in der Mittagshitze im Hain von Mamre vor seinem Zelt vor sich hin döst, als sich drei Männer dem Lager nähern. Abrahmen fährt aus seiner Siesta hoch, ist plötzlich hellwach und lädt die drei ein, bei ihm einzukehren. Er entpuppt sich als perfekter Gastgeber und bewirtet die Gäste im Schatten der Bäume.
Während Sara im Innern des Zeltes das Essen für die Gäste vorbereitet, hört sie, wie die Gäste davon erzählen, dass sie übers Jahr einen Sohn bekommen wird. Sara lacht über diese Ankündigung, denn sie ist nicht mehr gerade die Jüngste. Aber die Verheißung wird sich erfüllen. Diese drei Männer sind Boten der Gegenwart Gottes, sie sind Hoffnungsboten. „Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“
Vielleicht haben Sie, habt Ihr mit solch überraschenden Besuchen auch schon interessante Erfahrungen gemacht…. Und wer weiß, vielleicht war ja auch da schon ein Engel dabei!
Engel waren lange Zeit fast völlig aus der Mode gekommen und hatten höchstens noch in der Weihnachtszeit eine gewisse Saison. Und dann, so in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es so etwas wie eine Engel-Renaissance, eine Wiederentdeckung der Engel in allen Formen und Farben, zum Zeit aber mit etwas seltsamen esoterischen Einfärbungen. Das ist inzwischen aber wohl wieder etwas abgeebbt.
Hier in unserer Kirche gehören Engel einfach dazu. Sie können einem gefallen oder nicht. Die beiden Engel hier links und rechts des Altares lassen sich jedenfalls von der Mode nicht beeindrucken.
Nach dem Zeugnis der Bibel und das ist für uns entscheidend, da haben Engel eine durchaus wichtige Funktion. Sie bringen den Menschen die Botschaft von Gottes Gnade.
Im Neuen Testament ist es ja auch ein Engel der Maria die Nachricht von der Geburt des Heilandes bringt. Und später waren es auch wieder Engel, die den Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung das leere Grab gedeutet haben: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ So haben sie die Jüngerinnen und Jünger auf die Spur des Auferstanden gebracht.
Engel sind Interpreten, sind Wegweisen und Boten. Sie öffnen die Verbindung zwischen Himmel und Erde und deuten, was den Menschen sonst verborgen bleiben würde. Engel sind keine versteckten kleinen Götter, sie haben keine eigene Macht, sondern sind Boten für die Macht Gottes. Der große mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin meinte daher, dass Engel nicht einmal einen eigenen Körper hätten, sie seien immaterielle Wesen, schrieb er, völlig transparent für die Wirklichkeit Gottes.
Martin Luther hat in seinem wunderschönen Morgensegen gebetet: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“ Wir beten Engel nicht an, wir müssen nicht einmal an sie glauben, aber wir dürfen Gott um den Beistand der Engel bitten. Gott wirkt auf unterschiedlichste Weise und so können uns Menschen zu Engeln werden, ohne dass sie es selbst wissen oder spüren. Vielleicht haben sie das selbst ja auch schon erfahren, dass andere uns zum Engel wurden. Wenn jemand zur rechten Zeit am rechten Ort ist, dann kann er zum Engel werden und der Hebräerbrief mahnt uns, Augen und Ohren – vor allem aber das Herz offen zu halten für Gottes Erscheinen – „Vergesst nicht, einige haben ohne ihr Wissen Engel beherbergt!“
Der Engel, der vorne auf unserem Liedblatt abgedruckt ist, den haben wir vor zwei Jahren zur Begrüßung hier in Sommerhausen und Eibelstadt von einem lieben Menschen erhalten. Er steht bei uns im Wohnzimmer. Manchmal liegt ein Brief oder eine Adresse unter ihm: Menschen, die ich nicht vergessen will, denen ich einen Gruß schicken möchte, an die ich im Gebet denken möchte. So wie mich der Engel auf Gott verweist, so verweist er mich auch auf Menschen, die mir nahe sind oder denen ich näher kommen möchte. Engel schlagen Brücken.
„Lenk deinen Schritt engelwärts“ rät uns ein Gedicht von Rose Ausländer. Das meint: Öffne dich für Gott und für deinen Nächsten. Vielleicht können die beiden Engel hier oder auch alle anderen Engel daran erinnern: „Lenk deinen Schritt engelwärts.“
Insgesamt lautet diese kleine Gedicht von Rose Ausländer, mit dem ich schließen möchte, so:
Der Engel in dir
freut sich über dein Licht
weint über deine Finsternis
Aus seinen Flügeln rauschen Liebesworte
Gedichte  Liebkosungen
Er bewacht deinen Weg
Lenk deinen Schritt engelwärts

 

Das wünsche ich uns allen
AMEN

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Gottesdienst für den 5. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch:
Gottes Gabe ist es." Epheser 2,8
Predigttext: Lukas 5,1-11

 

 

Liebe Gemeinde,

„ja – aber“ – diese beiden unscheinbaren Wörtchen gehören oft zusammen. Manchmal klingen sie zögerlich, manchmal genervt, manchmal zornig und manchmal auch verzweifelt.
„Jetzt räum‘ endlich dein Zimmer auf!“ mahnt die Mutter – „Ja – aber jetzt hab‘ ich gerade gar keine Zeit. Ich mach’s später!“
Zumindest wer Kinder hat, dem ist dieses „Ja-aber“ wahrscheinlich nicht unbekannt.
Manchmal kann einen dieses „Ja – aber“ so richtig auf die Palme bringen – aber manchmal verbirgt sich hinter diesem „Ja – aber“ auch eine echte Not.
„Ja, ich würde ja gerne wieder mehr unter die Leute, aber ich kann einfach nicht. Ich fühle mich so lustlos, so müde.“
„Ja, ich hab‘ es immer wieder versucht, den Streit zu beenden. Ich hab‘ immer wieder die Hand ausgestreckt, aber es ist nichts daraus geworden.“
Hinter diesem „Ja – aber“ steckt manchmal die Frage nach dem Sinn. Die Frage danach, welchen Sinn es überhaupt noch macht, sich immer wieder neu aufzuraffen, manchmal sogar die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Unser heutiges Predigtwort erzählt von einer Begebenheit, an deren Anfang auch so ein „Ja – aber“ stehen könnte.
Ich lese Verse aus dem Lukasevangelium, Kapitel 5:
Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth.
Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
„Ja – aber…“ so mag sich Simon Petrus wohl gedacht haben.
Jesus war ja für ihn kein Unbekannter gewesen. Kurz zuvor war Jesus bei ihm daheim gewesen und hatte seine kranke Schwiegermutter geheilt. Die hatte hohes Fieber und Jesus hatte sie gesund gemacht.
Petrus wusste also, dass Jesus Macht hatte, dass er etwas Besonders war. Ja – aber … aber hatte er auch Ahnung vom Fischfang?
Auf dem Gebiet konnte dem Petrus keiner so schnell was vormachen. Da war er der Fachmann. Zum Fischen ging man in der Nacht, dann, wenn die Fische an die Oberfläche kamen – aber doch nicht mitten in der Hitze des Tages. Die anderen würden ihn ja für bescheuert halten, für völlig durchgedreht!
Und außerdem war er müde. Die ganze Nacht hatten sie geschuftet und nichts, absolut nicht hatten sie gefangen.
Vielleicht hatte er das Netz schon aus lauter Frust und Wut in die Ecke geschleudert.
Und Jesus?
Er hört sich das Murren des Petrus an. Aber er lässt sich auf keine Diskussion ein.
Mich erinnert das daran, wie mir mein Vater vor vielen Jahren im Hof unserer Schreinerei das Fahrradfahren beigebracht hat. „Los, steig noch einmal auf. Probier’s noch einmal!“ Keine Erklärung, nur die Aufforderung. Ich weiß nicht mehr, wie lange und wie oft ich es versucht habe, bis es endlich geklappt hat mit dem Radfahren!
So ähnlich ist es hier auch: Jesu Aufforderung ist klar und eindeutig: „Fahrt hinaus, wo es tief ist und werft die Netze aus zum Fang!“
Er erklärt nichts, gibt keine Garantien. Einfach die klare Aufforderung.
Und er muss das sehr überzeugend gesagt haben.
Mit fester Stimme.
Mit einer Autorität, die keinen Widerspruch zulässt.
Und was tut Simon Petrus?
Er gehorcht.
„Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“
Er überwindet seinen Zweifel, seine Resignation, seine Bedenken: Dieses „aber“ ist kein Einwand, sondern eine Einwilligung: Ja auf dein Wort hin – noch einmal!
Und dann passiert das Unvorhersehbare, das Wunder.
„Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.“
Petrus hat aufgehört, um seine eigenen Zweifel und Bedenken zu kreisen und das Wunder geschieht. Völlig überraschend und gegen alle Erfahrung. Ohne wenn und aber!
Im Vertrauen auf Jesu Worte sind Wunder möglich, auch heute noch.
Dort, wo Menschen neuen Lebensmut finden, wo Traurige getröstet werden und Niedergeschlagene neue Hoffnung bekommen.
Petrus, Jakobus und Johannes, die drei Fischer, die eben noch müde und resigniert am Strand kauerten und nicht wussten, wie sie ihre Familien ernähren sollten an diesem Tag, die erfahren in dieser Begegnung mit Jesus die Macht Gottes.
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten.“
Petrus kommt in diesem Augenblick nicht nur zu Jesus, er kommt auch zu sich selbst. Er erkennt sich selbst.
„Ich bin ein sündiger Mensch!“ sagt Petrus. Das heißt, er erkennt, dass er ohne Jesus nichts tun kann. Er kann sich abrackern, so viel er will – allein wird er’s nicht packen.
Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
Jesus lässt Petrus nach vorne blicken. Ich habe noch etwas vor mit dir, mit euch. Ich brauche euch.
Zum Menschenfischer will er Petrus machen. Das ist ein etwas schwieriger Begriff, das klingt so ein bisschen nach Bauernfängerei, darum, den Leuten etwas aufzuschwätzen wie ein Staubsaugervertreter.
Aber das ist nicht gemeint. Das ist ein Wortspiel - Petrus hat‘s verstanden, was Jesus gemeint hat.
Es geht darum, das Wort Gottes unter die Menschen zu bringen, damit sie sich daran festhalten können, damit sie einen Halt bekommen.
Es geht nicht um billigen Trost, sondern um Lebensmut, um Hoffnung und Zuversicht.
„Ja – aber…“ noch oft werden wir das hören und wohl immer wieder auch selbst denken und sagen. Manchmal aus Faulheit, manchmal aus Sorge, weil uns die Herausforderungen des Lebens zu groß erscheinen.
Jesus aber will uns Mut machen, es dennoch zu wagen.
Immer wieder. Auch wenn es Rückschläge gibt.
„Ja, doch, auf dein Wort hin, Herr will ich‘s wagen.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

AMEN
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Gottesdienst für den 3. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist."
Lk 19,10
Predigttext: Micha 7,18-20

 

 

 

„Du wirst Jakob die Treue halten“ so heißt es im letzten Satz dieses Prophetenwortes. Bis zu jenem sonderbaren Traum, den wir ja hier am Aufgang zu unserer Kanzel dargestellt haben, bis dahin scheint sich Jakob gar nicht besonders für Gott interessiert zu haben. Für den Segen schon, der war ihm wichtig, aber weniger der Segen Gottes, sondern der Segen seines Vaters Isaak.
 
Den hatte er sich ja mithilfe seiner Mutter Rebekka ziemlich raffiniert erschlichen. Wir kennen die Geschichte. Er hatte sich als seinen Bruder Esau ausgegeben, hat sich verkleidet, die Stimme verstellt und den blinden Vater getäuscht. Als die Sache dann aufgeflogen war, musste Jakob vor seinem Bruder Hals über Kopf fliehen. Esau fand das gar nicht lustig, sondern hat Jakob nach dem Leben getrachtet. Schließlich war das nicht der erste Streich. Schon zuvor hatte Jakob ihm mit einem Linsengericht schon das Erstgeburtsrecht abgekauft. Es sah nicht so aus, als hätte dieser Jakob wegen alledem ein besonders schlechtes Gewissen. Wenn sein Bruder so blöd war, bitteschön!
Man kann also wirklich nicht sagen, dass Jakob ein besonders gottesfürchtiger und rechtschaffener Mensch gewesen war – bis zu jener Nacht auf der Flucht, als er einen besonderen Traum hatte, in dem Gott ihm erschien, jenen Traum, in dem Boten Gottes auf einer Himmelsleiter auf und niederstiegen. Auch das sehen wir ja bildhaft hier auf dem Kanzelaufgang.
„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld.“ Der heutige Sonntag steht ganz im Zeichen der Barmherzigkeit Gottes. Der Psalm 103, den wir gebetet haben, spricht davon: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle deine Sünden vergibt… barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Im Evangelium haben wir von einem Vater gehört, der seinen untreuen und im Leben gescheiterten verlorenen Sohn wieder aufnimmt, ohne Vorwürfe einfach nur dankbar, ihn wiederzuhaben. So ist Gott, sagt Jesus mit dieser Geschichte.
Und der Prophet Micha ruft ganz begeistert: Wo ist ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld... der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!  
Gnade und Barmherzigkeit – das sind so etwas wie Markenzeichen Gottes. So erzählt es uns die Bibel immer wieder und das war es ja auch, was Luther als seine reformatorische Erkenntnis immer wieder betont hat.
Aber: Täusche ich mich oder ist es nicht tatsächlich so, dass diese Botschaft vom gnädigen Gott bei uns keine großen Begeisterungswellen mehr auslösen kann so wie einst beim Propheten Micha oder bei Martin Luther?
Dass Gott gnädig ist, das erscheint uns selbstverständlich. Ein strafender Gott ist aus dem Blick geraten. Gott als strafender und gerechter Richter hat abgedankt. Die Stelle des obersten Richters ist lange schon vakant und sie wird auch nicht wieder besetzt.
Nicht dass es bei uns keine Schuld, kein Versagen, keine Sünde mehr gäbe, aber die Schulfrage regeln wir ganz diesseitig, ganz unter uns.
Es ist gar noch nicht so lange her, da wurde von den Kanzeln mit Hölle und Fegefeuer gedroht. Siechen und Seuchen, Unwetter und Hagel, Sturm und Feuersbrunst galten als Strafen Gottes und die Hölle drohte für ewige Strafen.
Aber in modernen Zeiten ist die Hölle geschlossen und leer und mit dem meisten anderen Unheil straft nicht Gott den Menschen, sondern der Mensch straft sich selbst.
Dürren und Hochwasser sind ja nicht zuletzt Folgen des menschlichen Raubbaus an der Natur. An den jüngsten Corona-Ausbrüchen in Gütersloh und Co. sind ja wohl nicht die osteuropäischen Arbeiter Schuld sondern wir, die wir billiges Fleisch kaufen wollen. Die Sünden strafen sich selbst, der Mensch ist sein eigener Richter. Was nützt uns da Gottes Barmherzigkeit? Was ändert seine Güte?
Schauen wir noch einmal auf Jakob!
Jakob träumt. Er träumt von Gott. Im Traum sieht er eine Treppe, eine Himmelsleiter, auf der Engel, Gottesboten auf- und absteigen. Es sind eben Gottesboten, keine Gerichtsboten. Denn Gott hält ihm keine Strafpredigt, sondern sagt, er wolle ihm Land geben und viele Nachkommen. Ja noch mehr: Er, Gott, werde ihn begleiten und behüten und beschützen!
Eben diesem Jakob, diesem Betrüger, der sich bisher durchs Leben gemogelt hat, der für Gott nichts übrig hatte, der gar nicht weiß, was Treue ist, dem hält Gott die Treue.
Und genau das hinterlässt bei Jakob tiefe Spuren: Er erwacht aus dem Traum und erschrickt: „Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!“ So bekennt Jakob. Und nach dieser Nacht ist Jakob ein anderer. Die Begegnung mit dem gnädigen Gott hat ihn verändert.
Ja liebe Gemeinde: Es ist nicht der oberste gerechte Richter, der uns Ehrfurcht gebietet, es ist der gnädige Gott, der unseren Respekt gewinnt. Er, der trotz unseren Ausflüchten und Ausreden an unserer Seite bleibt, und uns nicht fallen lässt.
Wir leben nicht mehr im Mittelalter in ständiger Furcht vor dem strafenden Gott, in Angst und Zittern vor Hölle, Tod und Teufel. Wir leben eher wie Jakob. Wir mogeln uns durchs Leben und wenn wir mit einem nicht rechnen, dann doch damit, dass Gott kommt und uns überschüttet mit Gnade und Barmherzigkeit.
So vieles haben wir uns selbst eingebrockt. Kriege, Not, Pandemien. Das sind letztlich unsere Verfehlungen und nicht Strafen Gottes. Und trotzdem bleibt Gott gnädig. Trotzdem hat seine Geduld noch kein Ende. Trotzdem überlässt er diese Welt nicht sich selbst. Trotzdem überlässt er uns Menschen, uns, seine widerspenstigen Geschöpfe nicht uns selbst.
„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind … der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.“
Darum: Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der Bund und Treue hält ewiglich und nicht preisgibt das Werk seiner Hände.

AMEN

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Gottesdienst für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020
Pfarrer Jochen Maier

 

Kommt her zu mir
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
"Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."
Mt 11,28
Predigttext: Matthäus 11,25-30

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

einen Teil des Predigtwortes für diesen Sonntag haben wir heute sogar optisch vor Augen – nämlich hier vorne auf dem wunderschönen grünen Parament am Altar.
Ich habe leider noch nicht herausgefunden, wie alt dieses Parament schon ist, aber es scheint doch das wertvollste zu sein, das wir haben und seit vielen Generationen lädt es mit den Worten Jesu ein:
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“  
Wenn ich eine Rangliste der Jesusworte aufstellen sollte, die mich besonders ansprechen, dann stünde dieser sogenannte „Heilandsruf“ ziemlich weit oben. Hören wir den ganzen Abschnitt:
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.
Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Amen
Soweit dieser Abschnitt aus dem Matthäusevangelium Kapitel 11.
Das ist ein sehr berührendes Wort, einfühlsam und tröstlich, eine freundliche und warmherzige Einladung. Jesus lädt uns alle ein, in seiner Nähe, bei ihm Ruhe zu finden, Ruhe und Frieden.
Er lädt uns ein, abzulegen, was uns belastet, was wir mit uns herumschleppen, was uns umtreibt.
Das Gefühl, eine Last mitzuschleppen, manchmal überfordert zu sein, sozusagen „reif für die Insel“ zu sein, – das kennen wohl die meisten von uns. Den Wunsch, den Stress des Alltags und die Verantwortung für dies und jenes einmal hinter sich lassen zu können, den haben sicher viele. Die Sehnsucht nach einer Auszeit, in der man aufatmen und Kraft schöpfen kann, nicht an Corona und all die anderen großen und kleinen Sorgen des Alltags denken zu müssen – diese Sehnsucht dürfte wohl jeder und jede von uns von Zeit zu Zeit spüren.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Mir tut diese Einladung Jesu gut.
Und ich frage mich: Wie kann ich diese Einladung weitergeben? Wie können Menschen denn heute erleben, dass dieser Satz wirklich wahr ist, dass das stimmt – damals vor vielen Jahren, als jemand das auf unser schönes Parament gestickt hat ebenso wie heute im Corona-Jahr 2020? Wie können Menschen sich heute von dieser Einladung Jesu, bei ihm auszuruhen, angesprochen fühlen?
Ich glaube, dass uns da drei biblische Personen auf die Spur bringen können. Drei biblische Personen, die jeweils einen hilfreichen Tipp haben für uns: Die erste davon ist der Jünger Jakobus.
Den hat Jesus zusammen mit Petrus und Johannes beiseite genommen und auf einen Berg geführt: „Geht an einen einsamen Ort und ruht ein wenig!“ So fordert Jesus dir drei auf, als sie erschöpft von einer Missionsreise zurückkehren. Jesus weiß: Wir brauchen immer wieder Oasen der Ruhe und der Besinnung. Der Mensch braucht Zeiten der Ruhe, braucht Auszeiten, um wieder auftanken zu können.  Nicht umsonst heißt es ja schon im 2. Buch Mose: „Sechs Tage hindurch magst du arbeiten, aber am siebenten Tage sollst du ruhen.“ Natürlich weiß ich, dass es für die Obstbauern und Winzer in der Ernte oder Lese kaum möglich ist, einen Tag frei zu machen. Aber das Jahr besteht ja nicht nur auf Ernte und Weinlese! Und Kirchen und Kapellen sind solche besonderen Orte, die es uns leichter machen, ruhig zu werden. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen gerade jetzt im Sommer die Woche über – und besonders natürlich an schönen Wochenenden hierher in unsere Kirche kommen. Immer wieder werden Kerzen angezündet, setzen sich Leute einfach still in eine Bank und sie spüren: Das tut mir gut, solch eine kleine „Auszeit“ mitten im Alltag. Das ist ein Ort an dem ich mein manchmal gehetztes Leben hinter mir lassen und in der Nähe Jesu zur Ruhe kommen kann.
Das ist der Tipp, den Jakobus uns geben kann.
Und dann ist da Maria, die Schwester der Marta, wir kennen ihre Geschichte. Jesus war ja bei den beiden Frauen zu Besuch und währen Marta geschafft und gewerkelt hat, saß Maria einfach still zu Jesu Füßen und hat ihm zugehört. Marta hat sich darüber aufgeregt, hat versucht, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen. Aber Maria hat das ausgehalten. Wenn Jesus zu Gast ist, dann ist etwas anderes dran als in der Küche zu stehen. Dann ist es Zeit, zuzuhören und nicht herumzuwerkeln. Manchmal braucht es Mut, sich aus den Zwängen des Alltags zu verabschieden. Natürlich gäbe es immer auch etwas anderes zu tun. Es ist verführerisch zu sagen: Für Gott und Kirche, da habe ich Zeit, wenn ich alt bin. Maria kann uns lehren, die Zeiten, den Kairos, nicht zu verpassen, in denen wir aufnahmebereit sind für das Wort, das uns Orientierung geben und weiterbringen kann. Maria lehrt uns, uns diese Zeit zu nehmen, zu erkennen, wann das dran ist und anderes auch mal liegen zu lassen.
Und zuletzt ist da der Apostel Paulus, der einen letzten Hinweis für uns bereit hält, einen Hinweis darauf, wie wir heute zur Ruhe finden können. Er spricht z.B. am Ende des Römerbriefs im vorletzten Kapitel (Rm 15,31) von der Gemeinschaft, die er mit der Gemeinde in Rom erleben will. Menschen, die miteinander und füreinander beten, die einander annehmen, wie sie sind. Ruhe in der Gemeinschaft, das rät uns Paulus – so wie hoffentlich hier im Gottesdienst.
Wenn wir das zumindest ein Stück weit erleben und erfahren, dann sind wir auf einem guten Weg. Christlicher Glaube braucht Gemeinschaft, braucht Menschen, bei denen ich mich geborgen fühle – und an denen ich mich auch mal reiben kann. Eine christliche Gemeinde darf nicht nur an ihren Aktivitäten gemessen werden, daran, dass etwas los ist, dass es viele Angebote gibt, sondern in erster Linie daran, dass er Menschen sind, die sich nach Ruhe sehnen und einer Gemeinschaft, die trägt, die einfach da ist und nicht sofort etwas macht und etwas in die Hand nehmen will. Eine Gemeinschaft, die auch die Stille aushält.
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Unzählige Menschen vor uns und hoffentlich auch noch viel nach uns haben und werden das hier in unserer schönen St. Bartholomäuskirche erfahren. Ich stelle mir vor, in was für unterschiedlichen Situationen, Menschen schon hierher in unsere Kirche kamen und sich von diesem Heilandsruf einladen ließen. Während des Krieges, als sie um Männer und Söhne bangten, die im Krieg waren, in den schweren Jahren danach, als Heimatvertrieben hierher kamen, die alles verloren hatten, Menschen, die hier für die Geburt eines Kindes gedankt, die ihre Liebe gefeiert und den Tod lieber Menschenbetrauert haben, Touristen, die hierher in unsere Kirche kamen, die vielleicht lange schon den Draht zum Glauben verloren haben und doch berührt wurden von diesem schönen Ort. Dies soll ein Ort sein, wo ich daheim sein darf, wo ich mich tragen lassen darf vom Geiste Jesu Christi. Wo ich mich von ihm und seinem Wort berühren lassen darf.
Schenke uns Gott, dass dies immer wieder geschieht.

 

AMEN

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Gottesdienst für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020
Pfarrerin Irene Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch:
„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet,
der verachtet mich.“
Lukas 10,16a
Predigttext: Apostelgeschichte 4,32-37

 

Liebe Gemeinde,

was für eine Harmonie, die damals in der kleinen christlichen Gemeinde in Jerusalem herrschte! Fast wie eine verschworene Gemeinschaft wirkt sie auf mich. Sie können sich blind aufeinander verlassen. Einer steht für den andern ein. Ganz im Gegensatz zum Leben des reichen Mannes aus dem Evangelium für diesen Sonntag halten sie nicht fest an dem was sie haben, sondern geben ab und teilen, damit keiner Not leidet.
Wer ein Haus oder einen Acker hat, verkauft es zum Wohl der Ärmeren. Sie haben alles gemeinsam. Da gibt es keine Konkurrenz, keinen Neid auf das, was die Nachbarn haben. Alle sind sich einig, sorgen füreinander und halten zusammen. Ein Herz und eine Seele sind sie. Ja, die gute alte Zeit!
So unglaublich harmonisch wie Lukas die Urgemeinde schildert, ist heute wohl keine einzige Gemeinde auf der Welt.
Daher frag‘ ich mich, ob Lukas hier nicht eher ein Wunschbild, ein Idealbild beschreibt, denn schließlich war er nicht dabei als die Urgemeinde entstand; er hat erst einige Jahrzehnte später aufgeschrieben, was er von anderen gehört hat. Und wenn wir die älteren Paulusbriefe lesen, sehen wir, dass es schon sehr früh handfeste Konflikte in der Urgemeinde gab, z.B in den Gemeinden von Galatien und  Korinth.
„Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“, das kann daher nicht bedeuten, dass sie immer einer Meinung waren, dass sie immer ohne Streit auskamen. Gemeint ist wohl eine andere Art von Harmonie, die hier beschrieben wird, gemeint ist vielmehr ein Leben in Solidarität. So gab es niemanden, der Mangel hatte, jeder bekam, was er zum Leben brauchte. Und das war nur möglich, weil diejenigen, die einen Acker oder ein Haus hatten, dieses verkauft haben und den Erlös den Bedürftigen zur Verfügung stellten. So war das ein ganz praktisches Beispiel dafür, was es heißt „ein Herz und eine Seele sein.“
Eins sein, zusammengehören in der frühsten christlichen Gemeinde zeichnet sich also dadurch aus, dass Menschen wie selbstverständlich füreinander da sind, füreinander eintreten und sich unterstützen mit dem, was sie haben.
Mich beeindruckt diese Selbstverständlichkeit. Wie war das möglich? Von großer Kraft ist die Rede und durch diese wenigen Sätze hindurch wird ein neuer Geist spürbar, der die Menschen damals bewegt hat. Viele von Jesu Anhängern sind nach seiner Auferstehung aus Galiläa nach Jerusalem gekommen um ein neues Leben anzufangen, sie waren erleichtert, dass mit dem Kreuz nicht alles vorbei war.  Sie sind aufgebrochen und haben sich mitreißen lassen. Der Neuanfang hat sie begeistert. Lukas hat ja wenige Kapitel zuvor in der Pfingstgeschichte davon berichtet, davon, wie sie der Geist Gottes ergriffen hat.
Doch Lukas hat wohl auch erlebt, wie schnell die Begeisterung mancherorts abkühlt, sehr früh setzen Anfeindungen von außen ein, Zweifel kommen auf. War das nun alles? Nur ein Hochgefühl? Nur ein vorübergehender Gemütszustand?
Nun wirkt Gottes Geist ja meist im Verborgenen; das Geschehen von Pfingsten, bildet im Leben die Ausnahme. Normalerweise sieht man es jemandem nicht an der Nasenspitze an, ob er vom Geist Gottes berührt worden ist. Die Menschen, von denen unsere Erzählung handelt, waren schlichte Leute: ehemalige Bauern und Fischer aus der Provinz Galiläa, Handwerker und Angestellte aus der Stadt Jerusalem, nur ein paar wenige, die etwas betuchter waren. Geistesgrößen wie die großen griechischen Philosophen oder bedeutende Rabbis waren nicht darunter. Die Begeisterung wurde nicht durch menschlichen Geist entfacht. Sie kommt allein von Gott. Vor ihm sind wir alle gleich.
Worauf es ankommt, ist vielmehr das, was der Geist Gottes bewirkt. Der Geist Gottes ist ein Geist der Liebe. Er führt Menschen dazu, dass sie bereit werden, miteinander zu teilen. Das ist es, was Lukas hier herausstreicht. Und damit stellt er die frühe Gemeinde als Vorbild hin, als Vorbild für gelebte Solidarität. Freilich sieht Solidarität heute oft anders aus als damals, als man noch nicht langfristig geplant hat. So würde man heute einen Acker wohl eher einer Stiftung zukommen lassen statt ihn zu verkaufen.
Lukas will uns mit dieser Geschichte ans Herz legen und sagen: Bleibt dabei. Fallt nicht wieder auf euer Eigeninteresse zurück! Lasst euch weiterhin vom Heiligen Geist Gottes inspirieren und begeistern, damit die Sache Jesu auch in diesen schwieriger gewordenen Zeiten weitergeht! Sicher, das ist leichter gesagt als getan.
Wir könnten auf die diakonischen Einrichtungen unserer Kirche verweisen, die wir unterstützen. Gerne schieben wir so unsere persönliche Verantwortung für den notleidenden Nächsten auf solche Großorganisationen.
Doch es gibt auch viele andere Beispiele in unseren Tagen, Beispiele von Menschen, die ganz konkret ihre Kraft und Zeit mit anderen teilen. Denken wir an junge Leute, die ein freiwilliges soziales Jahr einschalten, bevor sie mit Ausbildung oder Studium beginnen. Denken wir an Menschen, die Flüchtlingen helfen, mit den Behörden zurechtzukommen und Arbeit zu finden. Viele engagieren sich seit der Corona-Zeit  bei verschiedensten Hilfsdiensten. In den USA und bei uns gehen Bürger auf die Straße, um ihre Solidarität mit Farbigen zu bekunden, um für Gerechtigkeit und gegen Rassismus zu demonstrieren.  Bilder von Polizisten sind zu sehen, die auf die Knie gehen , um sich mit Protestierenden zu solidarisieren. Wir hören Politiker, die sich kritisch über die Diskriminierung von Farbigen äußern. Auch das Tragen von Masken hier im Gottesdienst und im öffentlichen Leben ist ein Zeichen von Solidarität, weil wir dadurch in erster Linie nicht uns selber sondern andere schützen.
Das alles sind für mich Beispiele von gelebter Solidarität, die das eigene Interesse hinten anstellen. Es sind viele kleine Schritte, die dem Geist der Liebe Raum geben, Schritte auf dem Weg zu einer gerechteren Welt. Es ist ein langer Weg, doch der Anfang ist gemacht.
Begonnen hat dieser Weg mit der kleinen christlichen Gemeinde in Jerusalem. Sie waren „ein Herz und eine Seele“, sie waren füreinander da. Dieser Geist der Liebe hat ausgestrahlt über Grenzen hinweg, sonst säßen wir heute nicht hier. Gottes Geist wirkt noch heute, er wirkt auch unter uns, darauf vertraue ich.

 

Amen.

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Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt

Predigt an Exaudi 2020
24. Mai 2020
Text: Jer 31, 31-34 (Reihe II)

Pfarrerin Irene Maier

 

 

Liebe Gemeinde,

Himmelfahrt liegt hinter uns und Pfingsten vor uns. Eine besondere Zeit war das damals auch für die Jüngerinnen und Jünger. Jesus war weg, er hat sich von ihnen verabschiedet. Sie sehen ihn nicht mehr und warten darauf, dass sich erfüllt, was er versprochen hat: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein. “(Apg 1) Den Heiligen Geist hat er ihnen versprochen. Er ist aber noch nicht gekommen, also warten sie, hoffen und beten. Vielleicht mit den Worten aus Psalm 27, den wir vorhin gehört haben und den das Volk Israel schon immer gebetet hat, wenn sie unsicher waren, wenn sie Gott gern gehört oder gespürt hätten, wenn sie Gott um Hilfe angefleht haben.
So sitzen sie zusammen, beten und warten. Sie wissen nicht wie sich das Kommen des Geistes ereignen wird, wie die Zukunft aussieht, doch sie haben Jesu verheißungsvolle Worte im Ohr. Und all die schönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Jesus haben sie im Herzen. Das hilft ihnen vertrauensvoll zu warten.
Auch wir können in diesen Tagen nicht anders als zu warten. Am Anfang haben wir darauf gewartet, dass es endlich Lockerungen der vielen Beschränkungen gibt, jetzt warten wir darauf, dass wir noch mehr Freiheiten zurückbekommen. Je länger es dauert, umso schwerer fällt es uns. Wir wollen eine Perspektive, am besten ein Datum. Wann können wir endlich wieder Gottesdienst ohne Masken feiern? Wann ist wieder ein Geburtstagsfest in großer Runde möglich? Wann ist es wieder gut, also so wie vorher?
Viele werden ungeduldig und gehen auf die Straße. Manche blenden mit Verschwörungstheorien als schnelle und einfache Antwort und führen doch nur hinters Licht. Sie wollen ein schnelles Ende aller Einschränkungen. Am besten sofort. Sie wollen nicht mehr warten, ihr Geduldsfaden scheint zu reißen.
Warten ist ganz bestimmt nicht leicht, besonders für die nicht, die  Existenzsorgen haben und nicht wissen, wie es weiter geht.
Warten aber gehört auch zu unserem Glauben. Warten, weil wir vertrauen, wie die Jünger damals den verheißungsvollen Worten Jesu vertraut haben: “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!“
Warten mussten auch schon die Menschen aus dem Volk Israel, 600 Jahre vor Christus. Sie mussten eine grausame Niederlage hinnehmen, Tempel und Stadt waren zerstört, ihr Leben fand in Trümmern oder in der Fremde statt. Der Prophet Jeremia hatte das Unglück über Jerusalem kommen sehen, er wusste, dass die Israeliten selbst dran Schuld waren, weil sie Gottes Gebote vergessen und seinen Bund mit Füßen getreten haben. Vielleicht ahnten sie selbst etwas von ihrer Schuld.  
In dieser schwierigen Zeit hören sie die verheißungsvollen Worte des Jeremia, unser heutiges Predigtwort:
31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

„Siehe, es kommt die Zeit…., da will ich mit euch  einen neuen Bund  schließen.“ So macht der Prophet den Menschen wieder Mut und Hoffnung auf eine neue, gute Zukunft. Gott selber stellt sie ihnen in Aussicht, trotz ihrer Schuld und ihres Versagens. Damit wird nicht sofort alles wieder gut, sie können nicht gleich wieder zurück ihre Heimat, in ihr altes vertrautes Leben. Aber Sie dürfen und sollen voller Hoffnung darauf warten, dass Gottes Weg mit ihnen weitergeht, dass Gottes Liebe stärker ist als ihre Schuld. „Siehe, es kommt die Zeit…“
Ein neuer Bund. Für uns Christen ist der neue Bund Gottes schon da. Er ist erfüllt im Kommen Jesu. Wo Jesus ist, da ist der neue Bund.
Was hat dann unser christlicher Glaube noch mit Warten zu tun, wenn Gott sein Versprechen bereits erfüllt hat?
Worauf wir noch immer warten und hoffen, das ist, dass sich dieser neue Bund auch in unserm Leben durchsetzt, dass wir mehr und mehr erfahren und spüren, dass Gott mit seiner Liebe auf unserer Seite steht. Wir hoffen darauf, dass Gottes Geist immer neu Menschen bewegt, nach seinem Willen zu leben. So warten wir darauf, dass letztlich alles gut wird. Denn es ist längst nicht alles gut.
Durch die Corona-Krise erleben wir aufs Neue. Unser Leben ist eingeschränkt, sehr verletzlich und bedroht.
Daher gelten auch uns, wie den Israeliten die verheißungsvollen Worte: „Siehe, es kommt die Zeit!“ Es kommt etwas, das jetzt noch nicht da ist.
Die ungewohnte Situation, in der wir uns seit vielen Wochen befinden und die sicher auch noch länger bleiben wird, zeigt:
Es ist längst nicht alles gut. Darum dürfen und sollen auch wir erwartungsvoll mit dem Psalmbeter bitten: „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“
Dann sitzen wir wie die Jünger beieinander. Und doch anders, weit auseinander. Mit Mundschutz, dürfen nicht singen und musizieren, wie früher. Dürfen uns nicht begrüßen und  verabschieden, wie wir es gerne täten. Sondern warten. Warten, dass kommt, was Gott versprochen hat.
Ich möchte dankbar dafür sein, wie gut es mir geht. Dass ich habe, was ich zum Leben brauche. Dass ich gesund bin und mit vielen lieben Menschen verbunden bin. Aber ich vermisse die offene Gemeinschaft. Das Singen im Chor. Die aufgeschlossenen und fröhlichen Kinder im Minigottesdienst., die guten Gespräche in unserer Lebensrunde. Das alles ist noch nicht möglich. Und es gibt kein: Jetzt. Sofort. Wir warten. Ich warte. Das gehört zu dieser Situation dazu. Es gehört zu unserem Glauben dazu. Zu warten, dass sich Gottes Verheißung vollendet und das Leben bestimmt.
„Siehe, es kommt die Zeit.“ Und dann glauben wir nicht nur. Dann sprechen und bekennen wir nicht nur.  Dann erleben wir. Gottes Nähe nicht bloß im Kopf und auf den Lippen. Sondern im Herzen. Und darum im ganzen Menschen. Was in meinem Herzen wohnt, das bestimmt mein Leben. Was ich denke. Was ich glaube. Was ich hoffe, Worauf ich mich freue. Wenn ich liebe. Was ich liebe. „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.“ Von Jesus wissen wir, dass die Liebe Gottes Gesetz ist. Jesus hat die Liebe gelebt. Die Liebe ist das Gesetz, das uns sagt, was zu tun und zu lassen ist. Gott gibt sie uns ins Herz und schreibt sie in unsere Gedanken.
So macht Gott selbst seine Verheißungen wahr. Er meint es gut mit uns. Er hat eine Zukunft für uns, auch wenn wir sie jetzt noch nicht sehen. Darauf lasst uns vertrauen und mit seiner Hilfe geduldig warten und mit meinem Konfirmationsspruch bitten: “Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist!“ ( Ps51,12)

 

Amen
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Gottesdienst für Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

Pfarrer Jochen Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde
von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32
Predigttext: Johannes 17,20-26

 

 

 

Liebe Gemeinde,
 
ein Vater macht mit seinem sechsjährigen Sohn einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang hinaus in die Flur. Sie unterhalten sich über alles Mögliche, immer wieder gibt es etwas zu entdecken, interessante Steine, kleine Käfer, Vögel und manches mehr. Da zieht plötzlich ein Gewitter auf und weit und breit ist kein Unterschlupf in Sicht.
Ehe sie sich versehen fängt es auch schon zu regnen an, es schüttet wie aus Kübeln gegossen. Da nimmt der Vater den Sohn unter seinen weiten Lodenmantel. Und das ist ein Moment, an den sich der Sohn ein Leben lang erinnert: Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Als der Junge längst schon erwachsen ist, weiß er noch genau, wie es damals gerochen hat: der nasse Lodenstoff des Mantels und der vertraute Geruch des Vaters. Und als er viele Jahre später eines Nachts im Krankenhaus in seinem Bett liegt, in der Nacht vor einer schweren Operation, da holt der Junge von damals, der nun ein erwachsener Mann ist, diese Erinnerung wieder hervor. Und er merkt, wie er ruhiger wird. Wie es für ihn auch noch nach so langer Zeit funktioniert: Dieses Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit.
Ist das nicht etwas ganz Wunderbares? Wenn Vater und Sohn so etwas miteinander erleben? Wenn der Vater dem Sohn etwas mitgibt, was ein Leben lang hält? Ich weiß nicht, ob mir das als Vater bisher gelungen ist. Ich hoffe es jedenfalls von ganzem Herzen.
Und natürlich gibt es das auch in anderen Beziehungen, mit der Mutter, der Tochter, der Oma, dem besten Freund oder der besten Freundin. Mal ist es eine Umarmung im rechten Moment – aller Corona-Abstandsregeln zum Trotz, mal ein Gespräch, mal ein stilles Zusammensitzen, mal etwas ganz anderes. Glücklich darf sich schätzen, wer solche Momente selbst erlebt hat. Sie halten ein Leben lang und sie bringen so viel Gutes hervor: Nämlich Vertrauen und Zuversicht und auch Selbstbewusstsein. Erfahrungen, für die man wirklich nur dankbar sein kann.
Leider gibt es aber auch das Umgekehrte, dass sich Vater und Sohn nicht verstehen, dass sie es schwer haben miteinander.
Matthias Brand, der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers hat über seinen Vater Willy Brandt einmal gesagt: „Das Verhältnis zu meinem Vater war nicht besonders innig.“ Matthias Brandt wurde Schauspieler und hat im Film „Im Schatten der Macht“ Günter Guillaume gespielt, den Ost-Spion, der letztlich den Rücktritt seines Vaters als Kanzler herbeiführte.
Oder Walter Kohl, einen der beiden Söhne von Helmut Kohl der in seinem Buch „Leben oder gelebt werden“ schreibt: „Wir Kinder wurden nur benötigt.“ Er fühlte sich wie ein Requisit. Ist das nicht bitter, mit so einem Gefühl leben zu müssen?
Solche Beispiele gibt es also auch. Und wahrscheinlich gar nicht so wenige.
Welche Beziehung habe ich zu meinem Vater? Zu meiner Mutter? Und welche Beziehung habe ich zu meinen Kindern?
Der Vatertag heute wäre als Vater-Sohn-Tag doch eigentlich eine recht gute Gelegenheit mal darüber nachzudenken, zumal es mit großen Festlichkeiten heute ja ohnehin noch schwierig ist.
Welche Beziehungen haben mich bisher geprägt? Lasst uns bei einigen Takten Orgelmusik darüber nachdenken. Wofür bin ich dankbar? Was hat mich geprägt?

Liebe Gemeinde, egal an was für eine Beziehung Sie nun gedacht haben – wenn es gute, innige Beziehungen gibt oder gab, dann ist das Grund zur Dankbarkeit, denn davon lässt sich zehren.
Das Predigtwort für diesen Himmelfahrtstag lässt uns Zeuge sein ein ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung. Wir können miterleben, wie ein Sohn sich voll Vertrauen an den Vater wendet.
Hören wir einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium, Kapitel 17:
Jesus hob seine Augen zum Himmel und sprach: Ich bitte aber nicht allein für die, die du mir gegeben hast, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien.
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.
Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
AMEN

 

Was wir da gehört haben, das war ein Abschnitt aus den Abschiedsreden Jesu. Jesus nimmt Abschied von den Jüngern, von seinen Freunden. Er weiß, dass er sterben wird. Aber er hält das aus. Er weiß sich getragen vom engen Verhältnis mit seinem Vater, zu dem er zurückkehren wird. Er und der Vater sind eins.
„Du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.“ Sagt Jesus. Das ist doch stark, wenn das ein Sohn am Ende zu seinem Vater sagen kann: „Du hast mich geliebt!“ Und wunderbar, wenn ein Vater so etwas von seinem Sohn hören darf.
Natürlich ist das Verhältnis zwischen Jesus und Gottvater etwas ganz Besonderes.
Es übersteigt letztlich unsere Vorstellungskraft.
Aber das Großartige ist doch, dass wir als diejenigen, die Jesus nachzufolgen versuchen, in dieses Verhältnis mit hineingenommen sind.
„Wie du Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein.“ So wie der Vater seinen Sohn unter den Mantel birgt, so wie der Vater seinen Sohn seine Wege gehen lässt aber weiter für ihn da ist, so wie eine Mutter ihr Kind in den Arm nimmt und tröstet, so wie der beste Freund, die beste Freundin zuhört und mitfühlt, so ist Gott für uns da. Die Beziehung zwischen Jesus und seinem himmlischen Vater bleibt etwas ganz Besonderes, aber wir bekommen Anteil an diesem starken Miteinander, an dieser grundlosen und unerschöpflichen Liebe des Vaters. Und wir dürfen und sollen das weitergeben.
Unter uns Menschen wird das immer nur in Ansätzen gelingen. Himmelfahrt, das ist auch das Fest, das uns zeigt: noch sind wir nicht im Himmel, noch kann keiner sagen: Der Vater und ich sind völlig eins und deshalb weiß ich genau, was richtig ist und was falsch ist, deshalb habe ich die Weisheit gepachtet.
Neben dem Klingelschild einer Wohnung haben ich einmal gelesen: Hier leben, lieben und streiten sich Martin, Susanne, Maximilian und Sofie Huber.
Streit, Auseinandersetzungen sind normal und sie sind notwendig, wo Menschen zusammen leben. Was sie zusammenhält, ist die Liebe: Streiten ohne Angst, dass man verlassen wird, manchmal anderer Meinung sein, und doch gemeinsam an einem Tisch sitzen.
Das muss Kirche ausmachen: Wir sind Kirche, weil Jesus mit seiner Liebe unter uns ist, mitten unter uns schwierigen und manchmal lieblosen Menschen.
Wir sind Kirche, weil Jesus mit seinem Gebet und seiner Hoffnung für uns eintritt und wir unter dem Mantel Gottes geborgen sein dürfen Auf dass sie alle eins werden.
Darauf lasst uns trauen.
AMEN

Pfarrer Jochen Maier
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Gottesdienst für Sonntag, Rogate, 17. Mai 2020

Pfarrerin Irene Maier

 

Kirche St. Bartholomäus Sommerhausen
Bildrechte: Pfarrgemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht
verwirft noch seine Güte von mir wendet." Psalm 66,20
Predigttext: Matthäus 6,5-15

 

 

 

Liebe Gemeinde,

manche von Ihnen kennen bestimmt noch die schönen alten Schwarz-Weiß-Filme von Don Camillo und Peppone. Ich habe sie immer gerne angeschaut. In einem dieser alten Filme, da sitzt Don Camillo im Beichtstuhl, als ihn der Sohn des Bürgermeisters besucht, um dem Priester seine Sünden zu bekennen. Aber Don Camillo hört gar nicht richtig zu, viel zu sehr ist er wieder mal abgelenkt von einem Streit mit dem Bürgermeister. Dem Jungen gibt er als Bußstrafe auf, siebenmal das Vaterunser zu beten, damit sei dann alles wieder gut. Abgesehen davon, dass das natürlich schön wäre: Sieben Vaterunser - und alles ist wieder o.k. – doch dürfen wir so damit
Das Vaterunser geht auf Jesus selbst zurück, er selbst hat es seinen Jüngern und damit der Gemeinde gelehrt. In diesem Gebet hat er alles zusammengefasst, was ihm in der Beziehung Gott - Mensch wichtig ist. Und er hat damit auch gezeigt, was er nicht will: Beten darf nicht zum Quasseln werden, sagt Jesus. Einfach, persönlich und vertraulich - so sollen wir beten. Wir sollen beim Beten nicht auf die anderen schielen, nicht unsere eigene Frömmigkeit vorzeigen. Aus diesem Grund empfiehlt Jesus, dass man lieber in sein Kämmerlein gehen solle, um dort zu beten. Das Gebet darf nicht zur Show werden - es ist etwas ganz Persönliches. Gerade das ist doch die ganz große Stärke des Vaterunsers: Es ist so weit formuliert, dass ein jeder seine ganz persönlichen Sorgen, Wünsche und Anliegen hineinlegen kann. Es ist wie eine offene Klammer, die alle persönlichen Belange zusammenfasst. So haben wir es gerade in den vergangenen acht Wochen erleben dürfen, als viele am Abend zuhause eine Kerze angezündet haben und wir uns trotz Entfernung  im  Gebet miteinander verbunden wussten. Das gemeinsame Gebet im Geiste Jesu kann tragen.
Als 18-Jährige habe ich das erste Mal einen Kirchentag besucht und zwar in Düssseldorf. Ich weiß davon kaum mehr etwas Konkretes. Doch eines hat mich schon damals bleibend beeindruckt. Als nämlich beim Abschlussgottesdienst im Stadion, das war damals in Düsseldorf, Tausende von Menschen das Vaterunser gebetet haben. Es war kein zaghaftes Gemurmel irgendwo in einer Kirche. Es war fast wie ein kraftvolles Brausen.  "Dein Reich komme!" Ja, wenn so viele unterschiedliche Menschen gemeinsam diese Worte sprechen, dann ist das sehr ermutigend und verheißungsvoll. Es ist das Gebet, das uns Christen alle miteinander verbindet: Evangelische und Katholische, Orthodoxe und Anglikanische. Für die meisten von uns sind die Worte des Vaterunsers vertraut seit Kindertagen, in unzähligen Gottesdiensten gebetet. Bei besonderen und alltäglichen Ereignissen. Allein und in der Gemeinschaft. Das Vaterunser ist, denke ich, so für viele zu einem Schatz gewachsen, dessen Worte in vielen Situationen Halt geben können, die uns jeden Tag auf neue Weise gut tun können. Es wäre völlig missverstanden, das Vaterunser als Strafe oder als Bußleistung wie bei Don Camillo zu sehen. Jesus hat sie uns um unseretwillen gegeben - nicht für Gott.  Gott weiß ja schon vorher, was wir brauchen - und doch ist es gut und wichtig, darum zu bitten.
Ich möchte das mit einer kleinen Geschichte verdeutlichen: Es war einmal eine Spinne, die saß unter einem Gebüsch und hatte sich tagsüber ein herrliches Spinnennetz gewoben. Das Netz war ihr gut gelungen, sie würde gute Beute damit machen. Am Abend, als sie dann nochmals an ihrem Meisterstück zur Kontrolle entlang krabbelte, da entdeckte sie einen Faden, der nach oben ins Gebüsch führte. Der stört das schöne Gesamtbild! - dachte sich die Spinne und biss den Faden durch. Und was geschah? Das ganze Netz fiel in sich zusammen und begrub die Spinne unter sich. Sie wurde eine Gefangene ihres eigenen Meisterwerkes!           
     
Liebe Gemeinde, diese Geschichte ist ganz im Sinne Jesu: Wir Menschen brauchen diesen Faden nach oben, wir brauchen das Gebet zum Vater, um nicht in unseren eigenen Netzen gefangen zu sein. Wir brauchen den Draht nach oben, um nicht nur um uns selbst zu kreisen, um unserem Leben einen Halt zu geben, um es nicht abgleiten zu lassen. Jesus sagt: Nicht Gott braucht das Gebet, sondern wir brauchen es, um mit ihm in Verbindung zu bleiben. Um es modern auszudrücken: Ruf doch mal an - und du wirst sehen: Gott ist immer online. Gott hat Zeit für dich. Doch den Anfang dazu, den musst du schon selber machen. Es ist wie beim Reden mit einem guten Freund, einer guten Freundin. Es gilt in Verbindung zu bleiben, sonst wird das aufgebaute Vertrauen brüchig. Wenn ich mich Monate oder Jahre lang nicht melde, dann brauche ich mich nicht zu wundern, wenn die Freundschaft einschläft. Dennoch kann ich versuchen, nach einer langen Sendepause den Kontakt wieder aufzunehmen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Bei Gott aber kann ich mir sicher sein: Er wird uns hören, auch nach einer längeren Zeit des Schweigens.
Und dabei müssen wir nicht einmal originell sein. Das zeigt uns die schlichte Form des Vaterunsers. Es kommt vielmehr drauf an, ehrlich und aufrichtig zu sagen, was uns auf der Seele brennt auch dann, wenn uns die richtigen Worte fehlen und wir nur noch seufzen können. Wir dürfen gewiss sein, dass Gott uns hört, denn er sieht in unser Herz und weiß, wie wir es meinen. Eine Hilfe fürs Beten können auch besondere Orte sein, das haben die letzten Wochen deutlich gezeigt. Viele Menschen haben unsere Kirche aufgesucht, um hier eine Kerze anzuzünden und vor Gott still zu werden. Mich hat beeindruckt, wie viele unser Angebot der offenen Kirche angenommen haben. Es ist offensichtlich, dass es gut tut, hier in der Kirche zu beten. Die Atmosphäre eines solches Raumes kann helfen und tragen. Sie verbindet uns mit den vielen, die vor uns hier gebetet haben und die nach uns hier beten werden. Ja, liebe Gemeinde, Gott hört auf unser Gebet und er reagiert auf seine Weise. Manchmal ganz anders, als wir es erbitten und erwarten. Aber davon bin ich fest überzeugt: Gott erhört alle unsere Gebete und er reagiert darauf! Obwohl er schon weiß, was wir nötig haben, wartet er auf das Gespräch mit uns als ein Zeichen, dass wir zu ihm gehören, dass wir mit ihm reden, wie mit einem guten Freund.
So will er dabei sein in unserem Alltag, bei dem, was uns umtreibt und beschäftigt. Er will uns spüren lassen: Ich bin da für euch. Wer betet, der ist nicht allein! Irgendwo auf dieser Erdkugel wird immer ein Vaterunser gebetet. In jeder Sekunde. Und wer selbst betet, der stellt sich hinein in diesen Gebetsstrom der weltweiten Christenheit und der bekennt sich zu dem, der den Erdball längst umkreist, hat bevor sich dieses Virus ausgebreitet hat.
Wer betet, bekennt sich zu dem, der schon lange vor der Pandemie da war, da ist und da sein wird als der auferstandene Herr, der das Leben will und nicht den Tod.
 
Darum: Rogate: Betet!

Pfarrerin Irene Maier
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Andacht für den 3. Sonntag nach Ostern, Jubilate - 03.05.2020

Pfarrerin Irene Maier

 

 

 

Weinstock
Wochenspruch:
"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."
2. Korinther 5,17

 

 

 

Der wahre Weinstock
Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.  Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

 

Liebe Gemeinde,

ein Kind liegt im Krankenhaus. Die Mutter sitzt an seinem Bett, da fragt das Kind: „Bleibst du da, Mama?“ „Ja, ich bleibe bei dir“, verspricht die Mutter. Nach einer Weile kommt die Krankenschwester herein und sagt: “Jetzt können Sie gehen, ihr Kind schläft ja!“ „Nein, ich bleibe“, sagt die Mutter. Als später das Kind aufwacht, ist es froh. Die Mutter sitzt an seinem Bett.
Ums Bleiben geht es auch in unserem Predigtwort:
Jesus sagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.
Jesus sagt diese Worte als er sich von seinen Jüngern verabschiedet. Obwohl er weiß, dass sie bald voneinander getrennt sein werden, fordert er sie auf zum Bleiben.
Er verwendet dazu das eindrucksvolle Bild vom Weinstock und den Reben. Es leuchtet sofort ein: Wenn aus der Rebe etwas werden soll, dann muss sie am Weinstock bleiben. Wenn aus dem Weinstock etwas werden soll, dann muss er im Weinberg, im guten Boden verwurzelt bleiben.
Dieses Bleiben ist ganz besonders wertvoll, wie das wohltuende Bleiben der Mutter im Krankenhaus. Es geht darum, an der Quelle zu bleiben. An der Quelle, die den Menschen mit Energie und Hoffnung versorgt, mit Mut und Tatendrang.
Und ich wünsche mir, ich wünsche uns als Gemeinde, dass wir uns immer wieder neu auf diese Quelle besinnen. Dass wir wie die Reben fest verbunden sind mit dem Weinstock Jesus Christus und seine Lebenssäfte, seine Energien in uns hineinfließen.
Doch wie geht das? Verbindung zu Gott haben wir durch sein biblisches Wort, das viele Wege kennt, uns anzusprechen, sei es durch regelmäßige Bibellese, durch einen Liedvers, ein Kalenderblatt ...
Und dann ist da die Stille und das Gebet. Wer Jesus Christus wirklich begegnen will, der muss sich auch Zeit dafür nehmen, muss still werden und auf ihn hören. Manche Jugendliche kennen das Armbändchen WWJD, "What would Jesus do?" "Was würde Jesus tun?" Es soll daran erinnern, bei allem, was man tut, zu fragen, wie Christus in dieser Situation reagieren würde.
Das Gegengewicht zur Stille ist die Gemeinschaft. Wie wichtig die Gemeinschaft auch im Gottesdienst ist, merken wir gerade in Corona-Zeiten ganz besonders. Wie mehrere Reben am Weinstock hängen, so haben wir Christen eine gemeinsame Quelle auf die wir alle gleichermaßen angewiesen sind.
Trotzdem haben wir manchmal den Eindruck, von der Quelle abgeschnitten zu sein, ohne Kraft nicht weiterzuwachsen.
Auch im Bild gibt es solche Zeiten. So ein Weinstock trägt ja nicht sofort. Bis ein neuangelegter Weinstock Trauben trägt, vergehen Jahre. Da braucht es Wachstum, Zeit und Geduld. Unsere Winzer können davon erzählen: Der Boden muss aufgelockert werden. Die Weinstöcke müsse beschnitten werden. Die abgestorbenen Reben werden herausgeschnitten.
Auf unser Leben übertragen heißt das: Es gibt Gewohnheiten, mit denen wir anderen schaden oder wir uns gegenseitig das Leben schwer machen. Doch Gott arbeitet an uns, tut alles zu unserem Besten. Manchmal müssen wir alte Wege abbrechen, schmerzliche Erfahrungen hinter uns lassen, um neu anfangen zu können.
Das Bleiben im Bild vom Weinstock bedeutet also kein erstarrtes Festhängen sondern ein lebendiges und gespanntes Dranbleiben.
Das heißt auch, sich einlassen auf neue Erfahrungen, sich auch mal zurechtstutzen lassen, wenn es sein muss und nach einer Enttäuschung wieder neu anfangen, sich neu auf die Quelle besinnen.
Der Winzer steckt sehr viel Mühe und Arbeit in den Weinberg, genauso müht sich Gott um uns, bleibt er an uns dran und gibt uns alles, was wir brauchen, damit wir weiterwachsen können.
Bei seiner Arbeit hat der Winzer stets ein Ziel vor Augen: Am Ende soll es im Glas blumig duften und funkeln und man soll sagen können: Es hat sich gelohnt!
Dass auch wir reiche Frucht bringen, darauf läuft alles hin. Worin diese Frucht besteht, sagt Jesus nicht ausdrücklich. Aber wenn wir weiterlesen, dann gehört da die gegenseitige Liebe dazu.
Dem Kind im Krankenhaus tat es unglaublich gut, dass die Mutter bei ihm geblieben ist.
Uns tut es gut, wenn wir dranbleiben an Jesus, der für uns wie der Weinstock ist. Bleiben wir dran am Weinstock, dann werden wir auch Früchte der Liebe bringen. Ganz von allein. Eine Rebe wächst ja von selbst. Sie muss für ihr Wachstum überhaupt nichts tun.
So dürfen wir vertrauen auf den, der uns hält und trägt und uns Kraft gibt, wie der Weinstock seinen Reben.
Denn ohne ihn können wir nichts tun.
Aber mit ihm, liebe Gemeinde, da geht eine ganze Menge!
AMEN
(Pfr.in Irene Maier)

 

Gebet

 

Herr, unser Gott,
wie der Weinstock den Reben Halt und Kraft gibt,
so bleibe bei uns und lass uns nicht allein.
Wir bitten dich für die Kinder, dass sie nicht a
lleingelassen werden, dass immer jemand da ist, der sie auf den Arm nimmt und tröstet und mit ihnen lacht. Schenke ihnen Vertrauen und hilf ihnen, ihren Platz im Leben zu finden.
Herr, unser Gott,
wir bitten dich besonders für die Menschen, die aus ihrer Heimat aufbrechen mussten, lass sie einen Zufluchtsort finden, ein Dach über dem Kopf und ein Bett in der Nacht.
Herr, unser Gott,
wir bitten dich für die Verunsicherten, Einsamen und Kranken, für die, die nicht wissen, wie es wirtschaftlich oder beruflich weitergehen kann. Stärke sie mit deiner Kraft.
Herr unser Gott,
wir bitten dich, hilf einen jeden und jeder von uns, zu sehen und zu hören, wo wir gerade jetzt gebraucht werden.
Denen, die schwere Entscheidungen zu treffen haben in Politik, Forschung und Wirtschaft, gib Weisheit und Verstand. Zeige du ihnen Wege, wie diese Krise überwunden werden kann.
Herr, unser Gott, bleibe bei uns, lass uns nicht allein.
AMEN

Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

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Andacht für Sonntag „Misericordias Domini“ oder Hirtensonntag - 26. April 2020

Pfarrer Jochen Maier

 

 

 

 

Bildstock
Bildrechte: Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: "Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie
und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Lebe."
Johannes 10,11a.27-28a20

 

Psalm 23:
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang, und ich werde bleiben im
Hause des HERRN immerdar.
AMEN

 

Predigttext: 1.Petrus 2,21b-25
Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
Ihr wisst: »Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.«
Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück.
Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen.
Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib.
Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben.
Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden!
Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben;
jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Hirten, der euch leitet und schützt.
AMEN

 

 

Liebe Gemeinde,

als Schafe werden wir im heutigen Predigtwort angesprochen, denn das Bild vom guten Hirten und den Schafen sagt ja, dass Jesus der Hirte ist und wir seine Schafe.
Wie ein Kompliment klingt das zunächst einmal ja nicht. Wenn jemand zu mir: „Du Schaf!“ sagt, dann ist das nicht gerade ein Kompliment. Schafe haben nicht gerade den Ruf, besonders intelligent zu sein, wobei das so nicht stimmt. Ich habe gelesen, dass in England beobachtet wurde, wie Schafe auf der Seite liegend einen drei Meter breiten Gitterost überwunden haben – eigentlich also ziemlich schlau, diese Tiere. Außerdem heißt es, dass Schafe ein sehr gutes Gehör haben und aus über 100 Männerstimmen genau die Stimme ihres Hirten, ihres Schäfers heraushörten. Diese Stimme kennen sie und der folgen sie auch.
Als ich vor über 25 Jahren hier in Sommerhausen und Eibelstadt als junger Vikar tätig war, da durfte ich auch noch den alten Sommerhäuser Schäfer Karl Kopperberg kennenlernen. Ich weiß noch gut, als ich ihn das erste Mal traf, ein wirklich faszinierender Mensch!
Ich war mit dem Fahrrad oben Richtung Zeubelrieder Moor unterwegs und da traf ich ihn mit seiner Schafherde. Verstanden habe ich ihn zunächst kaum, sein breiter Sommerhäuser Dialekt kam mir damals irgendwie ausländisch vor – aber ein Bonbon habe ich von ihm bekommen!

Das Bild vom Hirten, vom Schäfer und seiner Herde hat auch heute noch etwas sehr Beruhigendes, es ist bis heute das Urbild von Geborgenheit und Schutz. Auch wenn wir nur noch selten Schafherden sehen, so haben wir dieses Bild doch vor Augen.
„Folgt dem guten Hirten, der euch leitet und schützt!“ Das ist die Botschaft unseres Predigtwortes. Seine, Jesu Stimme herauszuhören aus den vielen Stimmen, die uns beeinflussen wollen, die auf uns eindringen, Tag für Tag. Auch in diesen Tagen sind es ja viele echte und leider auch manche fragwürdigen, selbst ernannte Experten, die uns Ratschläge geben, was wir tun und lassen sollen.
Ich denke, wir können froh und dankbar sein, in einem Staat leben zu dürfen, der ein funktionierendes Gesundheitssystem und eine geordnete Verwaltung hat – aber auch Bürgerinnen und Bürger, die sich doch weitgehend an die notwendigen Beschränkungen halten.
Da geht es uns weit besser, als den Menschen in vielen anderen Teilen dieser Erde.

Und dennoch brauche ich einen Seelenhirten – und das ist Jesus Christus. Sein Stecken und Stab trösten mich, so wie wir das vorhin mit den altbekannten Worten es 23. Psalms gebetet haben.

Aber wie soll das gehen? Wie kann ein Stecken oder ein Stab trösten? Hier habe ich einen echten Schäferstab, unser Bürgermeister Fritz Steinmann hat ihn mir besorgt!
So ein Hirtenstab hat verschiedene Funktionen: Früher diente er auch dazu, wilde Tiere in die Flucht zu schlagen, wenn sie die Herde angriffen. Mit dem Stock hat der Hirte, der Schäfer die ihm anvertrauten Tiere verteidigt. Diese Funktion ist heute wohl nicht mehr so wichtig, zwar haben sich vereinzelt auch in deutschen Landen wieder Wölfe angesiedelt, aber die sind wohl keine echte Gefahr.
Viel wichtiger ist die andere Funktion des Hirtenstabes: Mit der kleinen Schaufel kann er etwas Erde oder kleine Steinchen nach den Tieren werfen, die sich von der Herde getrennt haben und sie so auf den richtigen Weg zurückbringen, um sie zu führen und zu leiten. So kann er verhindern, dass sie nicht auf ein Bahngleis oder eine Straße geraten. Und dann ist da ein Haken dran am Hirtenstab. Damit kann der Schäfer ein Schaf auf den Weg zurückholen, indem er nach einem Bein des Schafes greift, er kann kranke Tiere zu sich holen, um sie zu behandeln.
Wenn es da im Psalm also heißt: Dein Stecken und Stab trösten mich, dann drückt der Betende damit aus: Mein Hirte verteidigt mich, wenn andere über mich herfallen. Und er holt mich zurück, wenn ich vom Weg abkomme. Er hilft mir, wenn ich abrutsche. Mit diesem Stecken macht er sich auf die Suche nach dem Verlorenen und Verirrten.
Jesus als der gute Hirte weiß, wie verletzlich und manchmal auch verletzt wir sind. Aber in allen Gefährdungen sind wir nicht allein. Das Leben kann manchmal steinig sein und manch einer wundert sich im Rückblick, wie er es überhaupt geschafft hat, so schwere Zeiten zu überstehen.
Wie viele Ängste und Sorgen quälen Menschen.
Wie viel Tränen werden geweint – laut und manchmal auch ganz leise.
Wie oft machen Menschen sich gegenseitig das Leben schwer.
Warum all die Wunden und Verletzungen?
Wir müssen unseren Weg gehen mit Fragen, die uns beschäftigen.
Aber wir müssen ihn nicht alleine gehen.
Das ist das Geheimnis unseres Glaubens: Der gute Hirte ist da – ich bin nicht allein. Ich bin berufen, seine Stimme zu hören und ihm zu folgen.
Sein Stecken und Stab trösten mich.
AMEN
(Pfr. Jochen Maier)
 


Gebet


Herr unser Gott, weil du unser Hirte bist bitten wir dich:
Lass es nicht mangeln an Brot für die Hungrigen,
an Gerechtigkeit für die Unterdrückten, an Hilfe für die Schwachen.
Stärke alle, die mit ihrer Kraft am Ende sind. Die nicht wissen, wie es wirtschaftlich weitergehen kann, die verzweifelt sind,
Herr, erbarme dich.
Weil du unser Hirte bist, bitten wir dich:
Führe uns auf grüne Auen und zum frischen Wasser, damit unsere Hoffnung nicht erstirbt, dass die Krise auch ein Ende haben wird.
Herr, erbarme dich.
Weil du unser Hirte bist, bitten wir dich:
Erquicke unsere Seelen, damit wir nicht in Verzweiflung und Bitterkeit versinken.
Herr, erbarme dich.
Weil du unser Hirte bist bitten wir dich:
Führe alle, die Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft und Forschung auf rechter Straße, damit sie Wege finden, die Krise zu meistern.
Herr, erbarme dich.
Weil du unser Hirte bist, bitten wir dich:
Nimm uns die Angst in dunklen Tälern. Bleibe bei uns. Bereite uns den Tisch damit wir bei dir bleiben und uns ausstrecken nach deiner Barmherzigkeit.
Dein Stecken und Stab möge uns trösten.
Darum bitten wir dich in Jesu Namen.
AMEN
 
Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

 

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Andacht für Sonntag Quasimodogeniti, 19.04.2020

Pfarrerin Irene Maier

 

 

 

Altar St. Bartholomäuskirche Sommerhausen
Bildrechte: Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten." 1.Pertus 1,3
Predigttext: Jesaja 40,26-31

 

 

Israels unvergleichlicher Gott
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht!
Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
 

 

Liebe Gemeinde,

hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
So ruft der Prophet den Menschen in der Fremde zu. Weit weg von ihrer Heimat hatten sie das Gefühl, von Gott vergessen und verlassen zu sein. Ihre Hoffnung, einmal wieder heimzukehren, haben sie längst aufgegeben.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ein Aufruf, der uns in unserer aktuellen Lage genauso gilt wie den Menschen damals.
Manchmal haben auch wir den Eindruck, mit unseren Ängsten und Sorgen allein zu sein. Allzu mächtig erscheint uns der Tod, wenn wir Bilder aus Kliniken sehen oder merken, wie Lebensträume zerplatzen, wie der Betrieb den Bach runter geht und die Isolation den Menschen zusetzt.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Ich möchte ergänzen: Seht, was Gott für euch getan hat! Ihr habt es doch erlebt und besungen am Ostermorgen: Die Sonne geht auf. Christ ist erstanden! Halleluja!
Haben wir’s wirklich gesehen? "Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meine Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich‘s nicht glauben".
Dem Jünger Thomas sind wir oft sehr nahe. Sehen wollen wir mit unseren bloßen Augen. Mit unseren Fingern berühren und begreifen.
Doch es geht hier um mehr als ein Sehen mit bloßen Augen.
Ihr, die ihr den Kopf hängen lasst, „hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?"
Mit dieser Frage will uns der Prophet herauslocken aus all dem, was uns resigniert sein lässt, was uns nach unten zieht und uns den Blick verstellt. Er will uns dazu bewegen, Gottes Größe in der Schöpfung zu entdecken. Und das geht nicht mit bloßen Augen.
Die Größe Gottes in der Schöpfung entdecken.
Besonders leicht fällt dies frisch gebackenen Eltern. Ich beobachte das immer wieder bei Taufgesprächen: Wenn ein junger Vater sein Kind im Arm hält und begeistert von den ersten Minuten nach der Geburt erzählt: Wie froh sie sind, dass das Kind gesund ist. Wenn Eltern staunen, wie sich das Kind in den ersten Wochen schon entwickelt hat. Ja, das schenkt uns eine tiefe Ahnung von der Größe des Schöpfers, ein Staunen und Sehen, das nur mit dem Herzen möglich ist.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Auf einem Bild in der Kinderbibel, mitten in den Geschichten von Abraham, steht der alte Mann staunend unter dem weiten Sternenzelt. Dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl. So schauen doch auch wir manches Mal in den Himmel. Sehen den weiten Horizont. Sehen die Wolken fliegen.
Dabei ahnen auch wir etwas von Gottes Größe und spüren zugleich unsere verschwindend kleine Macht. Und doch, Gott ruft seine Geschöpfe alle mit Namen. Dich und auch mich. Wir staunen. "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitest hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?", so staunen wir mit dem Psalmbeter (Ps. 8).
Als Christen kommen wir von Ostern her. Die Auferstehung Jesu lässt uns hoffen, dass Gottes Macht größer ist als der Tod, größer als die zerstörerische Macht eines unsichtbaren Feindes, dieses  Virus.
 „Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“ Zu sehen gab es an Ostern 2020 viele große und kleine Zeichen, mit denen Freude und Hoffnung an vielen Orten dieser Erde weitergegeben wurden. Unzählige Menschen brachten sich ein mit ihren Talenten und kreativen Ideen. Den widrigen Umständen zum Trotz, die Osterbotschaft wurde vielleicht stärker als in vielen Jahren zuvor unter den Menschen verbreitet.
Für mich wurde in diesen vielen Zeichen Gottes große Kraft spürbar, die gerade dann für uns da ist, wenn Zweifel in uns nagen und wir nicht wissen, wie es weitergeht.
Von dieser Kraft Gottes spricht auch das Prophetenwort.
Es macht uns Mut, dass wir uns Gottes Stärke immer wieder vor Augen halten. Es tut uns gut, wenn wir uns an seine Größe und Kraft erinnern, die uns von außen zuwächst und uns sagt, dass wir nicht alles alleine schaffen müssen. „Denn, die auf Gott harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler“. Ein wunderschönes Bild, das Leichtigkeit und Freiheit ausdrückt.
Wenn wir müde werden und mit unserer Geduld am Ende sind, lasst uns an Gott festhalten und auf seine Kraft hoffen, die alles Schwere leicht machen kann, die uns Flügel verleiht.
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies erschaffen? Am Ostermorgen geht die Sonne auf. Christ ist erstanden. Hoffnung auf neues Leben kündet sich an.
Heben auch wir unsere Augen, unser Gesicht Gott entgegen. Und es wachsen uns Flügel der Hoffnung.
AMEN
(Pfr.in Irene Maier)
 
Gebet
Du, Gott der Schöpfung,
Lehre uns Menschen, die Welt zu pflegen und zu erhalten.
Du, Gott der Kraft,
stärke alle Menschen, die an die Grenzen ihrer Kraft stoßen:
Die Eltern, denen die Geduld mit ihren Kindern ausgeht,
alle, die sich in Krankenhäusern und Heimen für Bewohner und Patienten einsetzen, die Lehrer und Lehrerinnen, die sich um ein Weiterkommen ihrer Schüler bemühen, alle, die sich weltweit um die Flüchtlinge in den Lagern kümmern.
Du, Gott des Lebens,
wir bitten dich für alle, die sich in dieser schwierigen Zeit nach Zeichen deiner Gegenwart sehnen. Wir bitten dich für die Kranken, die Einsamen und für die, die um einen lieben Menschen trauen. Sei ihnen nahe!
Du Gott der Ewigkeit,
wir danken dir, dass du uns Flügel verleihst.
Lass uns auch dann nicht los, wenn wir resignieren wollen und gib uns neue Kraft, an dir festzuhalten.
AMEN

Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

 

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Andacht für Ostersonntag, 12.04.2020

Pfarrerin Irene Maier und Pfarrer Jochen Maier

 

 

 

Altar am Ostersonntag 2020
Bildrechte: Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt
Wochenspruch: „Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“ Offb 1,18
 
Predigttext/Osterevangelium: Markus 16,1-8

 

 

 

 

 

Liebe Gemeindeglieder in Sommerhausen und Eibelstadt,
 
 
der kleine Fritz begrüßt die Oma an der Haustür, umarmt sie und ruft: „Ich freue mich so, dass du uns besuchst, Oma! Denn jetzt wird Papa uns den coolen Trick zeigen, den er gestern versprochen hat!“ Die Oma fragt neugierig. „Ja was denn für einen Trick, mein Junge?“ Und Fritzchen antwortet: „Ich habe gehört, wie der Papa zur Mama gesagt hat, er würde die Wände hochgehen, wenn du morgen kommst…“
Liebe Gemeinde, der Ostersonntag ist für Christen ein Tag der Freude und des Lachens und das dürfen wir uns auch in diesen Corona-Zeiten nicht nehmen lassen! „Geduld und Humor sind Kamele, die durch die Wüste tragen“ – so habe ich unlängst in einem Fernsehgottesdienst gehört. Ich komme normalerweise selten dazu, mir Gottesdienste im Fernsehen anzuschauen, aber in diesen Zeiten ist alles anders. In diesen Zeiten würde auch der Vater beim Besuch der Oma gewiss nicht die Wände hochgehen, sondern sich freuen, wenn die Kontaktsperre endlich überwunden wäre.
Ostern ist ein Fest der Freude, aber davon ist in unserem Evangelium zunächst sehr wenig zu spüren.
Der Evangelist schreibt:
„Die Frauen gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.“
Damit endet das heutige Evangelium. Die Frauen stürmen nicht voller Jubel davon, sondern stürzen zunächst fassungslos davon. Was sie da erlebt und erfahren haben, das übersteigt zunächst ihr Begreifen.
Aber das Ende der Geschichte ist offen. Und ich bin davon überzeugt, dass dieses offene Ende kein Zufall ist. Der Evangelist Markus verfolgte damit einen Plan. Dieses offene Ende ist eine Einladung zum Weiterschreiben. Der Evangelist war sich gewiß, dass die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi die Menschen nicht kalt lassen würde.  Sie würden reagieren.
Die Jesusgeschichte ist nicht zu Ende, sie geht weiter – auch in unserem Leben, auch hier in Sommerhausen und Eibelstadt.
Sie geht dort weiter, wo Menschen sich vom Geist des Auferstanden berühren lassen, wo Glaube wächst und Hoffnung. Auch dort wo gerade in diesen schwierigen Zeiten eine neue Solidarität und ein neues Miteinander wächst. Wo Menschen aufeinander Acht geben und füreinander Sorge tragen. Wo Menschen Beschränkungen in Kauf nehmen um andere zu schützen.
Sie geht weiter, wo Menschen nach großem Leid und größter Not wieder Hoffnung und Zuversicht finden. Ich denke an eine Frau, die sich nach dem Tod ihres Mannes zunächst völlig zurückgezogen hatte. Den Kontakt zur Familie und zu Freunden hat sie fast völlig abgebrochen und sich ganz in ihr Schneckenhaus zurückgezogen. Sie konnte nicht anders, ließ keinen an sich heran. Manche hat sie dadurch vor den Kopf gestoßen und viele haben sich mit der Zeit abgewandt von ihr. Aber dann, nach längerer Zeit hat sie es doch geschafft, wieder erste Schritte auf andere zuzumachen. Eine gute Freundin, die ihr in all den Jahren die Treue gehalten hatte, überredete sie zu einer gemeinsamen Reise. Dabei lernte sie andere Menschen kennen, Menschen, die ihr völlig unbefangen begegneten. Nach langer Zeit konnte sie das erste Mal wieder frei und unbeschwert lachen. Damit war die Trauer nicht verschwunden, es war nicht einfach alles wieder gut, aber ein wichtiger Schritt zurück ins Leben war getan.
Für sie war es wie eine kleine Auferstehung, ein kleines Ostern.
Die Auferstehung Jesu ist nicht einfach ein vergangenes Ereignis, das viel Jahrhunderte zurückliegt. Den Frauen am Grab wurde ja genau das gesagt: Es geht weiter. Jesus von Nazareth ist nicht bei den Toten zu finden, er lebt, er ist auferstanden.
Auch wenn wir das Fest dieses Jahr nicht gemeinsam feiern können, auch wenn vieles anders ist, wenn keine öffentlichen Gottesdienste möglich sind: Dennoch ist Ostern. Jesu Ostersieg gilt auch heute.
Als schönes ökumenisches Zeichen dafür werden heute um 12 Uhr deutschlandweit die Kirchenglocken läuten – ein klangvolles Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht.  Die Geschichte der Auferstehung geht weiter. Den ersten Zeugen der Auferstehung wurde gesagt: „Geht, dann werdet ihr ihn sehen!“ Das gilt auch uns. Das Licht von Ostern leuchtet auch für uns, wenn wir die Erfahrung machen, dass vom auferstandenen Christus Kräfte ausgehen, die unser Leben erneuern.
Diese österliche Erfahrung wünsche ich uns allen.

AMEN
(Pfr. Jochen Maier)
 

 

Musikalischer Ostergruß
Ostern ist ein Fest der Freude – auch wenn in dieser Zeit mancher Schatten auf das Fest fällt.
Familie Trahndorff hat musikalische Ostergrüße aufgenommen und möchte dadurch Osterfreude weitergeben. Vielen Dank dafür!

 

 
Lied 3: Wir stehen am Morgen gut ... (mp3-Datei)

 

 

Wenn wir nun beten, dann wird zu jeder Fürbitte ein blühender Zweig in eine Vase gesteckt als Zeichen für das Leben, das Jesus gebracht hat:
 
Die Frauen fanden am Morgen das leere Grab. Lasst uns beten für alle, die vom Tod betroffen sind, die ihre Hoffnung verloren haben, die Angst vor der Zukunft haben.
Du Auferstandener, verwandle ihre Trauer in Leben, sei ihnen nahe und lass neu Zuversicht erblühen.
 
Lasst uns beten für alle, die an Gott zweifeln und doch nicht aufhören, nach seiner Gegenwart zu suchen.
Du Auferstandener, verwandle ihre Sehnsucht in Leben, sei ihnen nahe und lass neues Vertrauen erblühen.
 
Lasst uns beten für alle, die in diesen Zeiten bis an die Grenzen der Kraft für andere da sind, die sich um Kranke und Sterbende kümmern, die nach Heilmitteln forschen, die die Versorgung mit Lebensnotwendigem aufrecht erhalten.
Du Auferstandener, verwandle die Welt nach deiner Liebe, sei ihnen nahe und lass Kraft und Heilung erblühen.
 
Lasst und beten für uns selbst, unsere Familien und Freunde, die wir nun gerne treffen würden, was aber zur Zeit nicht möglich ist.
Du Auferstandener, bleibe bei uns und segne uns heute und alle Tage, sei uns nahe und lass uns neue Hoffnung erblühen.
AMEN

 
Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

 

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Andacht für Karfreitag, 10.04.2020

 

 

 

Jesu am Kreuz
Bildrechte: Kirchengemeinde Sommerhausen/Eibelstadt

 

Wochenspruch: "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Johannes 3,16
Evangelium für den Karfreitag: Johannes 19,16-30

 

 

 

 

Liebe Gemeindeglieder in Sommerhausen und Eibelstadt,
 
am Karfreitag, geht es um Leben und Tod. Jesus stirbt am Kreuz. Es ist vollbracht! Das sind seine letzten Worte, die der Evangelist Johannes uns berichtet, wir lesen sie im Evangelium für den Karfreitag. Aber was soll da vollbracht sein, wenn das Leben Jesu so grausam zu Ende geht?
Wir schauen auf das Kreuz. Die Kreuzesdarstellung, die heute über der Sakristeitür unserer Sommerhäuser St.Bartholomäuskirche hängt, und vorne auf diesem Blatt abgebildet ist, sie hing früher ganz zentral, direkt im Chorbogen. Es heißt, dieses Kreuz stamme aus der Riemenschneiderschule, Belege dafür gibt es allerdings nicht.
Jesus am Kreuz.
Das Haupt ist geneigt, die Wangen sind eingefallen.
Es ist vollbracht!
Im Griechischen, der Sprache in der der Evangelist uns alles überliefert hat, da steht hier nur ein Wort: Tetelestai! Dieses Verb hängt mit dem Wort „telos“ zusammen, auf deutsch: „Ziel“ Jesus sagt also nicht „Endlich bin ich fertig; endlich sind die Qualen überstanden“, sondern er sagt: „Ich bin am Ziel; das Werk ist vollendet.“
Johann Sebastian Bach hat das in seiner Johannespassion in einer Alt-Arie tief berührend zum Ausdruck gebracht. Unendlich traurig klagt da die Seele: „Es ist vollbracht,/ o Trost für die gekränkte Seele,/ die Trauernacht / lässt nun die letzte Stunde zählen.“ Aber dann schlägt ganz plötzlich die Stimmung um. Aus der Trauermusik wird ein Jubelklang, die Klage zum Triumph. Es ist, als ob eine dunkle Wolkendecke aufreißt und die strahlende Sonne hervorbricht: „Der Held aus Juda siegt mit Macht / und schließt den Kampf: Es ist vollbracht.“
Im Stall von Bethlehem hat der Lebensweg Jesu begonnen und am Kreuz wurde er vollendet. Alles, was er tat und sagte und erlitt zielte auf diese Vollendung: „Es ist vollbracht.“ Sein Kreuz war kein Scheitern sondern das Ziel seines Weges, aber warum?
Worin liegt der Sinn dieses Sterbens?
Für mich wird das im Zeichen des Kreuzes deutlich! Was ist denn ein Kreuz? Es sind zwei Linien! Eine Waagerechte, die steht für uns und unsere Welt und eine Senkrechte, die zeigt nach oben, sie steht für die Verbindung zu Gott. Und dort, wo die beiden Linien sich kreuzen, da ist Jesus.
Er ist der Weg, die Brücke zum Vater. „Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber.“ So beschreibt es der Apostel Paulus.
Diese Coronakrise, in der wir gerade stecken, sie ist keine Strafe Gottes! Das ist sie nicht, denn Gott will nicht das Leid, sondern er will das Leben. Aber wenn diese Krise vielleicht einen Sinn haben kann, dann doch den, dass wir neu über unser Leben nachdenken, darüber, was uns wirklich wichtig ist, darüber, was wirklich zählt.
Diese Pandemie zeigt uns doch, wie empfindlich unsere Welt ist. Wie so ein Virus unsere gesamte hochtechnisierte Gesellschaft zum Innehalten bringt. Wir glauben alles in der Hand zu haben, alles zu können. Wir leben, als wären wir die Herren unseres Lebens und dieser Welt. Und nun spüren wir, wie wenig wir eigentlich vermögen. Wir spüren unsere Begrenztheit, spüren die Verletzlichkeit des Lebens und wir sind verunsichert.
„Es mag sein, dass alles fällt“ so heißt es in einem Lied von Rudolf Alexander Schröder. Manchmal ist es so, wie der Dichter es gleich im ersten Vers beschreibt: „dass die Burgen dieser Welt um dich her in Trümmer brechen“. Die Burgen meiner Welt sind Gesundheit, meine Familie, mein Freundeskreis, ja auch meine finanzielle Sicherheit. All das, was sonst scheinbar normal und selbstverständlich ist, wird in kurzer Zeit in Frage gestellt: „es mag sein, dass alles fällt“.
en, wenn wir das Kreuz sehen – es ist das Pluszeichen vor und in unserm Leben.
Darauf lasst uns trauen.
Aber der Liederdichter bleibt dabei nicht stehen. Er konstatiert nicht nur die Verunsicherung, die Sorge, das Leid, sondern er lädt zum Glauben ein: „Halte du den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt: Er hält sein Versprechen.“
Schau auf das Kreuz Jesu! Spüre die Ruhe, die er ausstrahlt. Bei ihm gehst du nicht verloren. Die Trümmer dieser Welt werden dich nicht begraben.
Schau auf das Kreuz Jesu und traue dem Versprechen Gottes, dass „alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Ja, am Karfreitag geht es um Leben und Tod. Christus stirbt am Kreuz, damit wir leben können, versöhnt mit Gott und den Menschen.
Daran lasst uns immer denken, wenn wir das Kreuz sehen – es ist das Pluszeichen vor und in unserm Leben.
AMEN
(Pfr.Jochen Maier)
 

Lied: Es mag sein, dass alles fällt EG 378,1+4+5
 

Wir beten :
Herr Jesus Christus, wir schauen auf dich und dein Kreuz.
Wir bringen vor dich, was uns bewegt:
Unsere Familie und alle, die uns am Herzen liegen.
Herr erbarme dich.
Unsere Welt, die unter der Corona-Pandemie leidet.
Herr erbarme dich.
Alle Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Sozialstationen arbeiten und bis zur Erschöpfung belastet sind, alle die bei der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz sind.
Herr, erbarme dich.
Die Politiker und Politikerinnen und alle, die in Forschung und Wirtschaft versuchen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.
Herr erbarme dich.
Alle, die sich engagieren, die Mundschutzmasken nähen und in der Nachbarschaftshilfe aktiv sind, die dafür sorgen, dass wir Lebensmittel haben und das was wir sonst zum Leben brauchen.
Herr, erbarme dich.
Die Heimatlosen und alle, die Ruhe suchen und einen Ort zum Leben.
Herr, erbarme dich.
Die Sterbenden, dass du ihnen Ruhe und Frieden bei dir schenkst.
Gemeinsam beten wir, wie Jesus uns zu beten gelehrt hat …

 
Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

 

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Andacht für den Palmsonntag, 05.04.2020

Pfarrerin Irene Maier

 

 

 
Wochenspruch: "Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben."
Joh 3,14b.15
Predigttext: Markus 14,-93

 

Liebe Gemeinde,

„Das zieh ich jetzt durch, egal, was die andern davon denken!“
Die Frau aus dem Evangelium war überzeugt, dass das, was sie vorhat, das Richtige ist, auch wenn andere, es ablehnten.
In eine Männergesellschaft während des Abendessens hineinzuplatzen, das gehörte sich nicht. Trotzdem, sie musste es tun, es war genau jetzt dran. Schließlich war nicht mehr viel Zeit. Sie ahnte, dass Jesus nicht mehr lange da sein wird, ja sie muss es wohl in besonderer Weise gespürt haben, dass er einen schweren, bitteren Weg vor sich hatte. Aufschieben war nicht mehr möglich. Jetzt war es dran, Jesus die größtmögliche Zuwendung zu schenken, koste es, was es wolle.
Ich bewundere diese Frau. Wüsste ich doch auch immer so genau und so überzeugt, wie sie, was zu tun ist. Gerade in diesen Tagen bin ich oft hin- und hergerissen.
Wie gerne würde ich die kranke Nachbarin besuchen oder die Freundin im Krankenhaus, von der ich weiß, dass sie ein Besuch von mir aufbauen würde.
Wie gerne würde ich das schon lange geplante Treffen mit guten Freunden und Freundinnen wahrnehmen.
Auch drängt es mich, meine Mutter in den Arm zu nehmen, die allein zuhause ist und erst kürzlich nach vielen Ehejahren von ihrem Mann hat Abschied nehmen müssen.
Besuche sind für mich als Pfarrerin ein besonders wichtiger Dienst.
Ja das alles wäre jetzt dran, doch in Corona-Zeiten nicht möglich, weil es mein und das Leben anderer gefährden würde. Es ist wichtig und notwendig, dass wir uns alle an die Einschränkungen halten.
Durch die staatlichen Maßnahmen ist genau geregelt, was ich zu tun und zu lassen habe, dennoch leben wir besonders jetzt in der Spannung etwas zu tun, was der körperlichen Gesundheit dient, aber zugleich das seelische Wohl gefährden könnte.
Schauen wir noch einmal auf das, was die Frau im Evangelium getan hat. Sie hat geahnt, was Jesus bevorsteht und hat ihn für seinen Weg gestärkt. Sie hat dafür keine Kosten und Mühen gescheut und hat getan, was für sie möglich war. Entscheidend ist nicht die Art und Weise, wie sie Jesus ihre Liebe und Wertschätzung gezeigt hat, entscheidend ist, dass sie auf ihr Herz gehört hat, dass sie mitgefühlt und erspürt hat, was Jesus auf seinem letzten Weg stärken und helfen kann.
Was heißt das nun für uns heute in dieser ganz außergewöhnlichen Zeit? Was heißt das, wenn wir uns am Vorbild dieser Frau orientieren, die Jesus am Ende für ihr Handeln lobt, ja sogar verewigen will?
Auch für uns kommt es darauf an, zu erkennen, was wirklich dran ist, was getan werden kann und nicht aufgeschoben werden muss, besonders im Blick auf die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft.
Viele gewohnte Wege, Nächstenliebe zu praktizieren, sind in Corona-Zeiten nicht möglich. Daher gilt es andere, neue Möglichkeiten zu finden, Zuwendung auszudrücken und etwas zur Mitmenschlichkeit beizutragen.
Die modernen, digitalen Medien sind dabei eine große Hilfe: so kann der Click am Computer schon ein erster Schritt zum andern sein. So kann ich ihm zeigen, dass ich mich für sein Leben und Leiden interessiere. Oder schicken wir doch mal eine WhatsApp-Nachricht an jemanden, der in unserer Chatliste ganz unten steht, schreiben wir mal wieder einen Brief oder greifen wir zum Telefonhörer… Es gibt viele Möglichkeiten in Kontakt zu treten.
Auch das Denken aneinander gehört dazu und das Gebet füreinander, besonders für die, die sich Tag für Tag immenser Gefahr aussetzen, weil sie sich in den Heimen und Krankenhäusern um Menschen kümmern und für sie sorgen. Eine Bekannte hat mir geschrieben, dass sie für eine Sozialstation Mundschutzmasken näht. Einkäufe für ältere Menschen werden übernommen und vieles mehr.
Solange wir gemeinsam weiter nach solchen Möglichkeiten ringen und suchen, solange wir der großen Sehnsucht in uns Raum geben, Liebe und Gemeinschaft zu leben, selbst unter erschwerten Bedingungen, gehen wir einen Weg, den auch diese Frau gegangen ist.
Auf diesem Weg sind wir nicht allein. Jesus steht uns mit seiner Kraft und Hilfe zur Seite. Ihm dürfen wir uns im Gebet jederzeit anvertrauen und um die Hilfe und Stärke bitten, die diese namenlose Frau angetrieben hat: die Stärke zu tun, was zu tun oder auch zu lassen ist, um Leben zu schützen und zu bewahren.
Diese Stärke schenke Gott uns allen.
Amen

 

Pfarrerin Irene Maier

 

 

Gebet

 

Mitleidender, helfender Gott,

 

wir bitten dich um Mut, Phantasie und Zuversicht in dieser schweren Zeit.
Schenke deinen Beistand vor allem den Kranken und Besorgten, den Verunsicherten und Einsamen.
Stärke alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen: die Ärztinnen und Pfleger, Rettungskräfte und Arzthelferinnen.
Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Gesundheitsämtern und Einrichtungen, in Politik und Wirtschaft.
Gib Weisheit und Verstand den Wissenschaftlern, die auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen sind.
Lass uns die nicht vergessen, an die kaum jemand denkt – jetzt in der Zeit der Epidemie: die Menschen auf der Straße, die Armen, die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.
In aller Not, hilf uns Gott, zu sehen, was wirklich trägt, was uns am Boden hält und uns mit dem Himmel verbindet, mit dir Gott.
Für uns alle bitten wir dich: stärke unser Vertrauen, dass du dich um jeden und jede von uns sorgst und niemanden verlässt.

Amen.

 

Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

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Andacht für Sonntag Judika, 29. März 2020

Pfarrer Jochen Maier

 

 

Wochenspruch: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Matthäus 20,28

Wochenspalm: Psalm 43 (Evang. Gesangbuch 755)
 

 

Liebe Gemeindeglieder in Sommerhausen und Eibelstadt,

mir fehlt etwas, nein: Mir fehlt viel, wenn am Sonntag nicht die Glocken läuten und kein Gottesdienst in unserer Kirche gefeiert wird. Vielleicht geht es manchen von Ihnen und Euch ähnlich. Darum haben wir uns entschlossen, dass am Sonntagmorgen auch wenn wir zur Zeit keinen gemeinsamen Gottesdienst feiern können, zumindest um 10.30 Uhr die Vaterunserglocke läuten soll und wir eingeladen sind, zum Klang der Glocken gemeinsam zu beten, so wie wir dies nun schon seit mehreren Tagen allabendlich um 19 Uhr tun.
„Gebet ist das Atemholen der Seele“, so hat es der englische Theologe John Henry Newman einmal formuliert. Im Gebet bringe ich vor Gott, was ich auf dem Herzen habe, was mich umtreibt und beschäftigt und das ist so einiges in diesen ungewöhnlichen und belastenden Zeiten. Da ist die Sorge um Angehörige, die zur sogenannten „Risikogruppe“ gehören, das beklemmende Gefühl, wenn ich von unserem Pfarrhaus aus auf die Hauptstraße schaue, wo bei schönem Frühlingswetter sonst zahlreiche Touristen und Einheimische flanieren und nun kaum jemand unterwegs ist. Da ist der Gedanke an die vielen Selbständigen, Geschäftsleute und Gastronomen, die nun um ihre Existenz fürchten, weil sie ihre Geschäfte schließen mussten. Da ist das Mitgefühl mit den Infizierten und ihren Angehörigen. Da ist aber auch die Hochachtung und der tiefe Dank für all diejenigen, die nun zu „Helden des Alltags“ geworden sind: Die Ärztinnen und Pfleger in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die Verkäuferin an der Kasse, die trotz aller Belastung ein freundliches Lächeln für ihre Kunden hat und den Wunsch: „Bleiben Sie gesund“!, die Polizeibeamten und Postbotinnen, die dafür sorgen, dass ein Stück Normalität im Leben erhalten bleibt. Der Respekt vor dem Studenten oder dem Nachbarn, der für die ältere Dame in der Nachbarschaft nun die Einkäufe erledigt.
Im Gebet bringe ich das alles vor Gott und weiß mich verbunden mit all denen, die auch beten, daheim in ihren Häusern und Wohnungen. Das gemeinsame Gebet und besonders das Vaterunser als das Gebet, das Jesus selbst uns gegeben und geschenkt hat, verbindet uns über alle Grenzen der Konfessionen und Frömmigkeitsformen hinweg. Es tut gut zu wissen: Da sind andere, die beten mit mir, zur gleichen Zeit, dann, wenn die Glocken dazu einladen und auch sonst. Das schenkt ein Gefühl der Verbundenheit. Ist das nicht etwas Großartiges?
„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“ mit diesem Lobpreis Gottes endet das Vaterunser, so wie wir es kennen. Das ist ein Bekenntnis zu Gott, in dessen Hand wir alle stehen. Und ich empfinde das gerade jetzt überaus tröstlich: Wir stehen in Gottes Hand, wir sind nicht allein, wir sind von ihm gehalten! Es tut gut, daran immer wieder erinnert zu werden. Philipp Spitta hat das einst so ausgedrückt: „Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich draus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 374).
Es gibt Zeitgenossen, die das für einen überkommenen Kinderglauben halten. Dafür sei die Welt heute zu mündig, zu aufgeklärt, das Wissen zu fortschrittlich. Es gibt Menschen, die das so sehen. Das ist ihr gutes Recht.
Mein gutes Recht ist es, Zweifel am Zweifel zu haben. Auch im Hier und Heute gibt es sehr wohl Gottesbegegnungen, wenngleich oft sehr versteckt und manchmal eher verschlüsselt. Ich muss genau hinschauen, genau hinhören.
Er ist da und tröstet.
Er ist da und gibt Mutlosen Kraft.
„Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich draus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.“

 

Darauf lasst uns trauen.
AMEN
(Pfr. Jochen Maier)
 
Wir beten mit Worten von Christina Noe, einer rk. Pastoralreferentin aus dem Bistum Eichstätt:
Jesus, du Heiland der Menschen,
ich empfehle deinem Schutz
die Menschen dieser Erde:
die vom Coronavirus infiziert sind,
die sich in Quarantäne befinden,
die sich ängstigen und unsicher sind,
die krank sind und besonderen Schutz brauchen,
die verzweifelt und einsam sind,
die um Angehörige trauern.

 

Jesus, du Heiland der Menschen,
ich bitte dich
für alle, die sich im Gesundheitswesen mit großem Einsatz um Kranke kümmern,
für die Politiker und Politikerinnen in Deutschland und weltweit, die weitreichende Entscheidungen treffen müssen,
für die Wissenschaftlerinnen und Forscher, die sich intensiv um medizinische Hilfe bemühen,
für alle, die vor dem beruflichen und wirtschaftlichen Aus stehen,
für alle, die zuverlässig und einfallsreich helfen,
für uns - um das Vertrauen, dass du dich um jeden und jede von uns sorgst und niemanden verlässt.
AMEN

 

Bleiben Sie behütet
Ihre Pfarrerin Irene Maier und Ihr Pfarrer Jochen Maier

 

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