Die Bartholomäus-Kirche zu
S O M M E R H A U S E N
==========================
Eindrucksvoll wirkt der helle freundliche Kirchenraum auf den Besucher, der ihn durch das Hauptportal betritt. Die Kirche ist nicht überladen, und um so mehr kommen daher ihre Kunstwerke zur Geltung. Unwillkürlich richtet sich der Blick auf den romanischen Chorraum, auf die über ihm thronende barocke Orgel, und auf den Renaissance-Aufbau der prächtigen Kanzel zur Linken. Obwohl die Kirche durch verschiedene Stilelemente ihr Gepräge erhält, wirkt sie doch wie eine harmonisch gewachsene Einheit.
Der romanische Chorbogen, in der zweifachen zurückversetzten Ausführung eine Seltenheit in süddeutschen Kirchen, stammt aus der Zeit von 1250. Der in den Turm eingezogene Chor ist in der Übergangszeit vom spätromanischen zum gotischen Stil entstanden; das kommt in dem gotischen Kreuzgewölbe, das auf romanischen Kapitellen ruht, ebenso zum Ausdruck wie durch die Chorfenster, die auch beide Stilelemente in sich vereinigen. Das bunte Glasfenster hinter dem Altar, Christus als das Lamm Gottes darstellend, wurde 1957 bei der Innenrenovierung der Kirche geschaffen, ebenso wie der schlichte Altartisch, der die Form eines einfachen Tisches hat und aus fränkischem Muschelkalk gehauen wurde.
Zur Kirchweihe im Okt. 2004 wurde das alte Altarretabel von Georg Brenck dem Älteren aus dem Jahr 1609 wiedergeweiht. 1957 war es in renovierungsbedürftigem Zustand aus der Kirche genommen worden, doch erst im Jahr 2003 beschloss der Kirchenvorstand das Retabel restaurieren zu lassen. Es zeigt in der Predella die Abendmahlsszene und in den kleinen Bildern die Passionsgeschichte (von oben re nach unten und dann von unten li nach oben): Jesu Gebet in Gethsemane, Jesus vor Hannas und Kaiphas, Jesus vor Pilatus, Jesus wird gegeißelt, die Dornenkrone, die Kreuzigung. Das Hauptbild in der Mitte zeigt den Tod Jesu im Beisein von Johannes, Maria und Maria Magdalena.
Zwei Mal wurde der Altar verändert: Zunächst 1671, als das Teil mit den Einsetzungsworten zum Abendmahl hinzukam, und dann 1740, als der Altar in den Chorbogen der neu gebauten Kirche gestellt wurde. An diesem Standort war der Altar zu hoch, und so wurde ein Auferstehungsbild, welches sich zu oberst befand, weggenommen und durch das Kreuz ersetzt, welches den Altar nach oben abschließt..
Das Kruzifix über dem Eingang zur Sakristei wird in Zusammenhang mit der Riemenschneiderschule gebracht. Der Grabstein des Grafen Georg Friedrich, an der rechten Seite des Chorbogens nach 1650 aufgestellt, erinnert daran, dass durch das Geschlecht der Grafen zu Limpurg noch während der Reformationszeit der evangelische Glaube nach Sommerhausen kam.
Über dem Chorraum spiegelt der barocke Orgelprospekt von 1740 die Gelöstheit dieser Zeit wider. Das jetzige Orgelwerk wurde 1875 von Steinmeyer aus Oettingen gebaut. An die Orgelempore schließt sich nach rechts der Grafenstand mit dem Wappen der Grafen Rechteren-Limpurg an.
Das Schmuckstück unserer Kirche ist die Kanzel.
Sie wurde von Georg Brenck dem Jüngeren (Sohn des Gg. Brenck d.Ä.) aus Bad Windsheim 1621 aus Lindenholz geschnitzt. Sie ist eine in Holz gearbeitete Predigt, die in ihrer Aussage das in der Bibel erzählte, rettende Handeln Gottes am Menschen umfasst: Sie beginnt an der Kanzeltüre mit der Darstellung des Sündenfalles: Die Menschen gehen gegen den Willen Gottes ihren eigenen unfreien Weg. Darüber wird in der Erhöhung der Schlange in der Wüste durch Mose angedeutet, dass das Kreuz das Zeichen der kommenden Errettung sein wird.
Wieder darüber, über dem Rundbogen der Türe, wird diese erlösende Tat Gottes dargestellt in der Kreuzigung Jesu, mit Maria und Johannes. Durch die Predigten, die auf der Kanzel gehalten werden, will Gott sich mitteilen: zum Ausdruck gebracht durch den träumenden Jakob, der den Himmel offen sieht.
Am Eingang zum Kanzelkorpus weist die Statuette Johannes des Täufers darauf hin, dass der Traum Jakobs vom offenen Himmel in dem Kommen Jesu Wirklichkeit geworden ist; darum werden die vier Evangelisten, die dieses Geschehen berichten, vor Muschelnischen sitzend, abgebildet mit ihren Symbolen: Matthäus mit einem Engel, Markus mit einem Löwen, Lukas mit einem Stier, Johannes mit einem Adler.
Weil ihre Evangelien sich auf das Alte Testament gründen, werden unter ihnen in kleineren Flachbildern die Propheten gezeigt, und zwar Jeremia mit einem Joch, Hesekiel mit einem Ziegelstein, Daniel mit einem Löwen und Mose mit einem Stab und zwei Tafeln. Der ganze Kanzelbecher aber ruht auf einer fast lebensgroßen Figur Christi als des salvator mundi. Auch auf dem Schalldeckel, dessen Unterseite in einem Flachrelief die Dreieinigkeit zeigt, ist Christus wieder dargestellt als der Retter, zugleich aber auch als der Richter, mit einem Schwert im Mund, umgeben von den sieben goldenen Leuchtern als Symbol für die sieben Gemeinden (nach Offenbarung 1,12-20): Christus bringt seine Gemeinde zur Vollendung.
Die Kanzelbrüstung schmückt eine schmiedeeiserne Sanduhr mit drei Gläsern, eine Arbeit aus dem 18. Jahrhundert.
Ebenfalls von Georg Brenck dem Jüngeren wurde 1622 das Epitaph zur Linken der Kanzel aus Lindenholz geschnitzt. Es zeigt in einem Flachbild die Verklärung Christi. Dieses Wandgrab ist weit und breit einzig in seiner Art, weil die mainfränkische Renaissance so große und prächtige Holzepitaphien sonst nicht geschaffen hat.
Das große, leicht barocke Kirchenschiff mit den zwei Emporen wurde 1740 erbaut. Es ist bereits das dritte Langhaus, das an den Turm angefügt wurde. Das erste Kirchenschiff stand von etwa 1250 bis 1666, das zweite von 1672 bis 1739.
Der mächtige gedrungene Kirchturm, früh- und spätgotisch, wurde 1596 um zwei Stockwerke auf fünf erhöht. In diesem Jahr wurden auch die beiden äußeren Treppenaufgänge geschaffen, die der Ostseite der Kirche ein malerisches Aussehen verleihen.
In der zweiten Jahreshälfte 2001 wurde die Kirche innen renoviert und am 4. Advent wiedergeweiht. In diesem Festgottesdienst wurde ein neues "Bartholomäus"-Bild vorgestellt, geschaffen vom Würzburger Künstler Curd Lessig. Es fand seinen Platz vorne an der Südseite der Kirche. Das Bild zeigt den Märtyrer mit der Mordwaffe in der Hand. In der anderen Hand hält der Gehäutete seine eigene Haut.
Rechts von der Seitentüre befindet sich ein „Christus mit Dornenkrone“ aus dem Jahr 1960 von Luigi Malipiero, dem Begründer des Toturmtheaters.
|
|